Fahrbericht BMW 320d Efficient Dynamics Edition Abnehmen mit Hausmannskost

Der Hybrid-Offensive von Toyota setzen deutsche Hersteller sparsame Dieselmodelle entgegen. Der BMW 320d mit dem Namenszusatz Edition soll mit ganz herkömmlicher Technik zum Sparmeister werden. Und es funktioniert tatsächlich - hat aber seinen Preis.

Christoph M. Schwarzer

Von Christoph M. Schwarzer


Die fetten Jahre sind vorbei. Jedenfalls für Dienstwagenfahrer. Anfang 2008 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller gewerblich neu zugelassenen Autos noch um 9,8 Gramm pro Kilometer höher als bei den privat gekauften Neuwagen. Heute, vier Jahre später, herrscht nahezu Gleichstand. Mit Autos wie dem BMW 320d Efficient Dynamics und dem Namenszusatz Edition könnte die Flotte der Firmenwagen bald sogar sparsamer sein als der Rest: 109 Gramm CO2 pro Kilometer stößt die Limousine aus, das entspricht einem Verbrauch von 4,1 Litern Diesel je 100 Kilometer.

Und, Überraschung, diesen Wert konnten wir tatsächlich erfahren, auf einer Autobahntour kam der 3er genau auf diesen Wert. Die erste Spritsparmaßnahme war dabei die Fahrweise: Die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden konsequent eingehalten, und wenn es keine gab, stand der Tempomat auf 130 km/h. Dann dreht die Kurbelwelle des Motors wegen der besonders langen Übersetzung nur gut 2000 Mal pro Minute.

Die extralange Übersetzung ist eine der technischen Hilfen, die den Verbrauch senken. Dazu kommen eine dezente Tieferlegung des Fahrwerks, aerodynamischer Feinschliff, Leichtlaufreifen sowie eine Leistungsreduzierung auf 120 kW (163 PS) gegenüber dem normalen 320d mit 184 PS.

Das ist schon alles. Und damit zeigt der Wagen, was mit konventioneller Technik und ohne Hybridisierung geht. Unser Minimalverbrauch lag bei 3,3 Litern auf niedersächsische Land- und Bundestraßen, und im gesamten Testdurchschnitt waren es 4,7 Liter. Nur für die Stadt ist der BMW nicht gemacht. Weniger als 6,5 Liter waren hier nicht möglich, mehr dagegen schon.

Der Preis der Sportlichkeit

Was während der Haltephasen an roten Ampeln und in der Rush Hour aber besonders unangenehm auffiel, war die Start-Stopp-Automatik. Bei jedem Wiederanlassen sendet der Motor einen Schlag in den Schaltknüppel, der deutlich härter ist als bei der Konkurrenz.

Das, so heißt es bei BMW, sei der Preis für die Sportlichkeit. Denn die Münchner Konstrukteure arbeiten immer noch mit einer klassischen Stangenschaltung. Sie ist die Ursache für die überlegene Präzision und das erstklassige Schaltgefühl der BMW-Getriebe. Und gerade das, was salopp gesagt eine knackige Schaltung ausmacht, wollte BMW nicht auf dem Altar der Ökologie opfern.

Überhaupt, die Sportlichkeit. Sie ist und bleibt der Kern des 3er BMWs. Die Briten nennen den Wagen auch das Driver's Car, das Fahrerauto. Aber ist er das auch in der grünsten Variante? Wenn man es nicht auf Beschleunigung anlegt, schon. Lenkung, Schaltung, Bremsen, Fahrwerk, hier bleibt der Bayer die Nummer eins. Der 3er ist einfach ein sehr gutes Auto. Auch wenn er reichlich groß geworden ist: Mit einer Länge von 4,62 Meter hat er das fast Maß eines VW Passat 3B (bis Baujahr 2005) erreicht.

Euro 6 gibt es nur gegen Aufpreis

Abstriche gibt es trotzdem. Da ist zum einen der Preis. Mit 35.350 Euro kostet er genau so viel wie der gewöhnliche 320d. Zur sparsameren Version werden wohl deswegen vor allem die greifen, die von ihren Betrieben strenge CO2-Vorgaben bei der Auswahl ihres Firmenfahrzeugs bekommen. Egal wie man es dreht, der 3er BMW ist kein Schnäppchen, und die Aufpreisliste ist lang, lang, lang.

Inkonsequent ist darüber hinaus, dass BMW für den im Testwagen eingebauten "Diesel mit Blue Performance" nochmal zusätzliche 1190 Aufpreis verlangt. Hinter dem Marketingnamen verbirgt sich der hinter den Spritsparmotor gehängte Speicherkatalysator, mit dem der Dieselmotor die ab 2014 gültige Euro-6-Norm erfüllt. Eigentlich müsste der, würde BMW seinen grünen Anstrich ernst meinen, zur Ausstattung gehören.

Außerdem bleibt der Diesel ein Diesel. Auf der einen Seite steht Kraft in allen Straßenlagen bei guter Wirtschaftlichkeit. Auf der anderen Seite sind Laufkultur und Leistungsentfaltung nicht so überzeugend wie bei einem benzinbetriebenen Reihensechszylinder.

Das Modell 320d Efficient Dynamics Edition ist darum der ganz realistische grüne Traum des Dienstwagenfahrers. Unrealistisch, aber wünschenswert, bleibt ein Spritsparmodell mit einem kleinen Reihensechszylinder. Den bietet BMW sogar an: Mit 1649 Kubikzentimetern und 160 PS verrichtet er seinen Dienst - aber leider nur in der K-Reihe der BMW-Motorräder.

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kritiker111 04.08.2012
1. Und außerdem
wurde jetzt auch noch festgestellt, dass die Dieseabgase bei weitem gefährlicher sind, als bisher immer angenommen wurde. Also kann man davon ausgehen, dass auch der Diesel bald ein Auslaufmodell sein wird. Bisher hat man einfach alles auf die "bösen Racher" geschoben - jetzt kommt langsam heraus, dass auch die Dieselfahrer "böse sind" und die Menschen mit ähnlichen Schadstoffen systematisch umbringen! Ansonsten ist ein BMW eben ein BMW - und damit meist ein wirklich gutes Auto, mit dem das Fahren Freude macht. Und diese ellenlangen Aufpreislisten... die haben viele andere in diesem Segment auch, da muss man sich eben dran gewöhnen, dass man ein hervorragendes Basisauto angeboten bekommt, das man aber mit deftigen Aufpreisen erst noch ausstatten muss.
silberstern 04.08.2012
2. Relativierung....
Der Autor sollte sich nochmal die Überschrift anschauen, auch der Inhalt lässt außer Marketingsprech und ein paar gefakede Bordcomputerwerte ziemlich alles weitere vermissen. Auch mit noch soviel dynamics bleibt das Fahrzeug ein schweres behäbiges Vertreterauto, lediglich zum 180linksfahren und Drängeln geeignet.
holk1ng 04.08.2012
3. Unreflektierter Elektro und Hybridhype
BMW zeigt, dass mit herkömmlicher und bewährter Technik immer noch mehr herauszuholen ist, als mit aufwendiger Batterie oder Hybridtechnik. Elektromodelle wie der Ampera von Opel (oder besser gesagt Chevrolet) sind doch nur Augenwischerei. Die rein elektrische Reichweite ist lächerlich, 40 - max. 80 Kilometer, danach springt der Benzinmotor ein und der verbraucht um die 5 Liter. Das ist also die Elektrorevolution? Lieber mit sinnvollen und vielen kleinen Verbesserungen wie es BMW mit dem 320d vormacht zum Ziel gelangen - wörtlich und bildlich gesprochen.
warlock2 04.08.2012
4. BMW Schaltgetriebe
Das sehe ich ganz anders! Ich habe schon einige BMW Schaltwagen gefahren. Da gibt es kein Schaltgefühl nur hakeln. Es mag sein, dass man bei einem Neuwagen die ersten 10000Km ohne haken schalten kann. Selbst Ford baut wesentlich bessere Schaltgetriebe.
donadoni 04.08.2012
5. Schlampig
Oh Gott, SPIEGEL. Ich dache schon, BMW hätte mit "302" eine neue Modellreihe kreiert (siehe Überschrift). Die Autoartikel sind bei dieser Zeitschrift die offenbar schlampigsten. Aus der Vergangenheit wurden falsche Verbrauchszahlen ("105 L/100 km für den AUDI A5) genannt, falsche Außenmaße usw. Dann stellt doch diese Rubrik ein, wenn man bei SPON kein Interesse an sorgfältiger Berichterstattung hat. Zum Auto selbst: Der BMW 320d ist halt nur ein Diesel. Die Fahrwerte sind für diese PS-Zahl akzeptabel, aber ein Diesel ist für mich ein "no go".
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