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BMW 330e: Der Dreierstecker

Von Michael Specht

BMW 330e: Erste Bilder des Dreier mit Plug-in-Hybrid Fotos
BMW

BMW hat ein Problem: Der Hersteller muss sparsamere Autos bauen, um die CO2-Grenzwerte der EU zu erfüllen. Nach dem i3 und den Dreizylindermodellen präsentieren die Münchner dazu eine dritte Lösung: den Dreier mit Plug-in-Hybrid.

Miramas - Der Hoffnungsträger, der hier auf einem Testgelände in Südfrankreich seine Runden dreht, ist getarnt unterwegs. Noch handelt es sich beim BMW Dreier Plug-in-Hybrid um einen Prototypen. Aber 2016, das haben sie sich in München vorgenommen, soll er auf den Markt kommen, wahrscheinlich unter dem Namen 330e. Nach dem Elektroauto i3 ist es das nächste Modell, das eine besonders wichtige Rolle für die Zukunft der Bayern spielt.

Denn die Erwartungen an den Dreier mit Hybridantrieb sind hoch: Er soll dafür sorgen, dass BMW die Emissionsgrenzwerte der EU erfüllt und den Konzern vor teuren Strafzahlungen bewahrt. Ab 2021 darf der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotten der Autobauer nicht über 95 Gramm pro Kilometer liegen. Für Hersteller wie BMW, die vor allem schwere Fahrzeuge produzieren, liegt der Grenzwert etwas höher; trotzdem stehen die Münchner vor einer schweren Aufgabe - inklusive ihrer Töchter Mini und Rolls-Royce lag der durchschnittliche Ausstoß der Flotte im Jahr 2013 europaweit bei 133 g/km.

"Der Dreier ist das volumenstärkste Modell im Premiumsegment. Er könnte den größten Beitrag zur Reduzierung des Flottenverbrauchs liefern", sagt Projektleiter Helmuth Wiesler. Als Verbrauch gibt BMW einen Wert von 2,1 Liter Benzin pro 100 Kilometer an, was einem CO2-Ausstoß von 50 g/km entspricht. Zum Vergleich: Die derzeit sparsamste Dreier-Varainte kommt auf rund das Doppelte.

Diese offiziellen Werte taugen allerdings nur als Vergleichshilfe zwischen den Modellen verschiedener Hersteller und der Berechnung des Flottenverbrauchs - wirklich realitätsnah sind die im Normzyklus NEFZ ermittelten Emissionen und Verbräuche kaum. Und bei Hybridautos sind die Abweichungen oft besonders hoch.

Fahrgefühl wie in einem Sechszylinder

Unter dem Blech der Mittelklasse-Limousine - die Dreier-Varianten Touring und GT werden nicht hybridisiert - steckt als konventioneller Motor der modular aufgebaute Zweiliter-Turbo-Vierzylinder (intern B48 genannt) mit 180 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment und Achtgangautomatik. Hinzu kommt eine E-Maschine mit 95 PS und 250 Nm. Die Batterie hat eine Kapazität von 7,6 kWh. Sie ist so groß wie ein Reisekoffer und unter dem Kofferraumboden verpackt. Um sie aus leerem Zustand wieder aufzuladen, dauert es 3,5 Stunden.

An die Steckdose muss er aber nicht unbedingt. "Der Käufer soll keine Einschränkung im Alltagbetrieb haben, weder beim Kofferraumvolumen noch bei der Handhabung. Unsere Zielvorgabe lautet 600 Kilometer Reichweite". 35 Kilometer soll das Auto rein elektrisch schaffen.

Die neue Technik macht den Plug-in-Dreier 165 Kilogramm schwerer als die normale Limousine. Trotzdem fährt sich der 330e erstaunlich leichtfüßig und beschleunigt geschmeidig und mit Nachdruck. Der Wagen fühlt sich mindestens so souverän an wie ein Sechszylinder-Diesel.

Zur manuellen Steuerung hat der Fahrer eine eDrive-Taste auf der Mittelkonsole, mit dem man den Wagen zum reinen Elektroantrieb zwingen und bis zu 120 km/h schnell fahren kann - vorausgesetzt, die Batterie hat genug Saft. Zweimal gedrückt, aktiviert die eDrive-Taste den "Safe-Modus": Damit lässt sich die Kapazität der Batterie - sofern sie mindestens halb voll ist - sozusagen einfrieren. Durch Energie aus dem Verbrennungsmotor wird sie ständig nachgeladen. Bei Bedarf steht dann jederzeit Reichweite in rein elektrischem Betrieb zur Verfügung. Laut Projektleiter Wiesler könnte diese Funktion in Zukunft interessant werden, etwa wenn in bestimmte Bereiche von Städten nur noch emissionsfreie Autos fahren dürfen.

Dreiklang für die Einhaltung der Abgasnorm: i3, Dreizylinder, 330e

Ob sich die Umweltvorschriften irgendwann mal so stark verschärfen, steht noch nicht fest - aber BMW hat auch so genug damit zu tun, die anstehenden Grenzwerte zu erfüllen. Wie wichtig dabei der Hybridantrieb wird, machte vor Kurzem ein Top-Manager der Konkurrenz deutlich: Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber sagte in einem Interview, dass die Vorgaben aus Brüssel ohne einen Durchbruch für den Plug-in-Hybrid nicht zu schaffen seien. Bei BMW ist man auf diese Aufgabe allerdings auch noch durch das Elektroauto i3 und die Einführung der sparsamen Dreizylindermotoren vorbereitet.

Bleibt nur die Frage, ob der jetzt vorgestellte Hoffnungsträger auch bei der Kundschaft Anklang findet. Als "Zielkorridor" nennt der Hersteller einen Preis von 40.000 Euro für den 330e. Das wäre auf dem Niveau eines leistungsmäßig vergleichbaren 328i. Allein auf das grüne Gewissen der Autofahrer wird sich BMW nicht verlassen können, und sollten die Benzinpreise weiter so vergleichsweise niedrig bleiben wie derzeit, zieht auch das Spritspar-Argument nicht besonders stark.

Warum also sollte sich der Kunde für einen BMW Plug-in-Hybrid entscheiden? "Er kann das elektrische Fahren genießen", sagt Projektleiter Wiesler. An dieser Antwort lässt sich bis 2016 ja noch etwas feilen.

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insgesamt 105 Beiträge
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    Seite 1    
1. Glaubhafte deutsche CO2-Emmissionswerte?
raber 27.11.2014
Kann man den CO2-Emmissionswerten glauben oder wird da genauso getrickst wie bei den Sprit-Verbrauchsangaben der Hersteller?
2. Die Idee ist gut
henson999 27.11.2014
Da wäre ich ein potenzieller Kunde. Ich würde mir nur als Dieselmotor eine Variante wünschen, die extrem auf Verbrauch getrimmt ist. Dazu den Elektromotor vielleicht etwas stärker. Dann nutzt man den Elektromotor nur, wenn man Leistung braucht und in der Stadt und ansonsten eine Mischung aus Diesel und Elektromotor. Aber das ist ja nur noch Abstimmung der Technik, wenn die Grundlagen mal stimmen. Die Richtung finde ich aber schonmal super.
3.
spon-facebook-10000084939 27.11.2014
2 angebliche liter verbrauch aber dann nur wenn 35 km elektrisch, und dann 65 km benzinmotorosiert gefahren wird. bei 100 km ausschliesslich benzinverbrauch dann eher so 6 liter. toll wenn der aussendienstler alle naselang stundenlang seine batterie lädt um spritsparend zum kunden kommt.
4. kein Touring ? Warum...
schnackluure 27.11.2014
soll denn ausgerechnet der Touring außen vor bleiben ? Das wäre ja mal ein einigermaßen familientaugliches Hybrid-Gefährt mit akzeptablem Kofferraumvolumen. Und die Reichweite im Urlaub wäre auch kein K.O. Kriterium mehr. Könnte mir durchaus vorstellen, solch ein Fahrzeug als Dienstwagen zu ordern...
5.
gruenertee 27.11.2014
Der Staat müsste Anreize schaffen, hybridautos als Dienstwagen durchzusetzen (z.B. steuerliche Entlastung). Dann hätte bmw & co. keine Probleme mehr. Die Elektrozapfsäulen würden wie Pilze aus dem Boden wachsen.
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