BMW-3er-Facelift: Ein harmloser Eingriff

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Die 3 ist für BMW eine Glückszahl. Kein anderes Auto der bayerischen Marke verkauft sich so gut wie der 3er – und das seit 33 Jahren. Damit das auch so bleibt, werden Limousine und Kombi nun überarbeitet. Der Aufwand ist gering, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen.

"Die 3er Limousine ist das erfolgreichste Premium-Auto der Welt", sagt Oliver Friedmann und blickt zurück auf 33 Jahre und beinahe zwölf Millionen Fahrzeuge in fünf Generationen, die den Dauerbrenner aus München zum wichtigsten Modell in der BMW-Geschichte gemacht haben. "Doch auf diesem Erfolg wollen wir uns nicht ausruhen", fügt der Produktmanager an. Das wäre auch riskant, denn die Konkurrenz ist dem Primus hart auf den Fersen. Weil Mercedes mit der neuen C-Klasse punktet und Audi gut mit dem ebenfalls frischen A4 unterwegs ist, muss jetzt auch beim BMW-3er etwas passieren. Und so erhalten Limousine und Kombi lediglich drei Jahre nach dem Debüt schon in diesem Herbst ein sogenanntes Facelift.

Das dürfte auch die BMW-Buchhalter freuen, denn die Preise klettern bei dieser Gelegenheit um ein paar hundert Euro nach oben und beginnen nun bei 28.000 Euro, die Touring genannten Kombi-Varianten sind jeweils um 1650 Euro teurer. Angesichts der wenigen Neuerungen von einer großen Überarbeitung zu sprechen, wäre fast schon vermessen. Doch auch wenn der Aufwand gering war, kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Das gilt besonders für das geliftete Design, das durch wenige Pinselstriche deutlich an Präsenz gewann. Vor allem im Rückspiegel macht der 3er eine bessere Figur, weil die Motorhaube jetzt zwei pfeilförmige Charakterlinien hat, die BMW-Niere noch breiter ausfällt, die Scheinwerfer brillanter aussehen und die neue Frontschürze mit den endlich serienmäßigen Nebelleuchten größere Lufteinlässe bekommt. Außerdem geht auch die Spur etwas in die Breite und lässt den 3er satter auf der Straße stehen.

Zieht der Wagen vorbei, lässt ihn der neue Seitenschweller mit der auffälligen Lichtkante länger und gestreckter erscheinen, und wer ihn von hinten sieht, der blickt auf frisch geformte Rückleuchten, die jetzt wie wieder wie ein "L" aussehen. Ihr Leuchtbild bekommt einen 3D-Effekt und der Hintermann eine neue Warnung, wenn es vorne brenzlig wird: Statt wie bislang auf eine größer werdende Leuchtfläche zu setzen, schwenkt BMW nun auf den kollektiven Trend zur blinkenden Bremsleuchte in Notfällen ein. "Bei solchen Sicherheitsthemen machen Alleingänge keinen Sinn", begründet Friedmann den Sinneswandel. Sonst seien nachfolgende Fahrer irgendwann überfordert.

Endlich ist das iDrive-System benutzerfreundlich

Eingelenkt haben die Bayern auch beim Bediensystem iDrive. War der sogenannte Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bislang ein sakrosankter Solitär, bei dem die Verantwortlichen jeden Anflug von Kritik mit einer Mischung aus Ignoranz und Arroganz abschmetterten, beugt sich BMW nun endlich den Klagen der Kunden und garniert den Knubbel mit einem halben Dutzend Knöpfen, die den direkten Zugang zu einzelnen Funktionen ermöglichen. Weil zudem die Menüs vereinfacht wurden und BMW jetzt die Dinge tatsächlich beim Namen nennt statt zum Beispiel "Sonderziele" unter dem Allerweltstitel "Informationen" zu verstecken, funktioniert das System nun endlich so einfach und intuitiv, wie es schon immer versprochen wurde. Auch der erstmals unbeschränkte Zugriff aufs Internet macht Spaß. Warum nicht gleich so?

Aus Sicherheitsgründen darf man im 3er allerdings nur dann surfen, wenn das Auto steht. Doch wer will einen BMW schon länger parken als nötig? Schließlich reklamieren die Bayern, dass sie mit dem 3er vor 33 Jahren die Fahrfreude in die Mittelklasse gebracht haben und fühlen sich dieser Tradition verpflichtet. Deshalb reicht die üppige Auswahl von je fünf Diesel- und Benzinmotoren weiterhin bis zur Version 335i mit 306 PS. Und für die stärkste Variante von Coupé und Cabrio gibt es nun zu einem Aufpreis von etwa 2400 Euro erstmals die bislang nur im M3 lieferbare Siebengang-Sportautomatik mit Doppelkupplung. Außerdem reagiert BMW auf den Erfolg der Allradmodelle bei den Konkurrenzmarken und bietet den Allradantrieb jetzt unter dem Kürzel 320d xDrive auch mit einem Vierzylindermotor an. So sinkt der Preis auf 36.000 Euro.

"Kein Nachholbedarf" beim Thema Spritsparen

Viel mehr sei unterm Blech nicht zu tun gewesen, behauptet Produktmanager Friedmann. "Nachdem wir schon früh die spritsparenden Efficent-Dynamic-Maßnahmen umgesetzt und auf Benzindirekteinspritzung umgestellt haben, gab es in puncto Sparsamkeit keinen Handlungsbedarf." Einzige echte Neuheit ist deshalb der Reihensechszylinder im 330d, der nun besser spurten und sparen kann.

Einerseits stieg die Leistung um 14 auf 245 PS, und das Drehmoment erhöhte sich auf 520 Nm, womit sich der Sprintwert um 0,6 auf 6,1 Sekunden verkürzt. Andererseits hat BMW den Verbrauch des 3-Liter-Motors um sieben Prozent auf 5,7 Liter gedrückt. Obendrein ist die Maschine sauberer geworden. Zusammen mit dem 318d und dem 320d erfüllt sie nun die mutmaßlichen Grenzwerte der künftigen Euro-5-Norm und kann für etwa 1200 Euro Aufpreis auch mit einem Speicherkatalysator zur Filterung der Stickoxide aufgerüstet werden. So ausgestattet dürfte der Motor sogar die Hürden der Euro-6-Abgasnorm schaffen – und die gilt erst ab 2014.

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Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: 330d
Karosserie: Limousine
Motor: Sechszylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 245 PS (180 kW)
Drehmoment: 520 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 152 g/km
Kofferraum: 460 Liter
Preis: 40.450 EUR

Fotostrecke
BMW 3er Facelift: Nur ein paar Korrekturen

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