Autogramm BMW 520d Touring Weiter geht's

Sein erstes Diesel-Modell hat der Autohersteller BMW einst als das schnellste im Land beworben. Rund 30 Jahre später zählen ganz andere Werte im Vergleich mit der Konkurrenz.

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BMW

Der erste Eindruck: Ein BMW 5er eben. Was, außer einen Dienstwagen-Kombi, soll man im neuen BMW 520d Touring schon sehen, wenn die Modellpflege bereits seit einem Jahr durch ist? In diesem Fall steckt die Neuheit nämlich unter der Motorhaube.

Das sagt der Hersteller: Tim Resch, Produktmanager der großen BMW-Baureihen, feiert den Diesel im 5er als Erfolgsgeschichte. Und er hat recht, denn die 5er-Modelle mit den Vierzylinder-Selbstzündern, der 518d und der 520d, kommen in Europa auf einen Verkaufsanteil von 50 Prozent. Weltweit sind es immer noch 20 Prozent. Die Autos gehören zu den Lieblingen von Vielfahrern und Flottenkunden.

Den Grundstein dafür haben die Bayern bereits vor mehr als 30 Jahren gelegt. Mit dem 115 PS starken 524td, unter dessen Haube 1983 der erste BMW-Selbstzünder nagelte. Seitdem haben sich die Prioritäten der bayerischen Autobauer jedoch verschoben. Beim 524td hebt Resch hervor, er sei damals mit 184 km/h Höchstgeschwindigkeit der schnellste Diesel-Pkw in Deutschland gewesen; beim neuen 520d hingegen steht nicht die Geschwindigkeit, sondern der Verbrauch im Vordergrund. "4,1 Liter oder 109 Gramm CO2 pro Kilometer für die Limousine mit Automatikgetriebe - das macht uns in dieser Klasse keiner nach", sagt Resch, und er muss keinen Widerspruch von Audi oder Mercedes fürchten.

Das ist uns aufgefallen: Nichts, man hört absolut nichts. Ganz kurz knurrt der Diesel beim Anlassen auf. Aber sobald man mit mehr als Schrittgeschwindigkeit dahinrollt, herrscht scheinbar Totenstille unter der Haube, während einem Wind- und Reifengeräusche plötzlich ungeheuer laut vorkommen.

Dabei ist es nicht so, als würde vorn im Bug nichts passieren. Im Gegenteil: Mit bis zu 2000 bar wird der Diesel durch neue Magnetventil-Injektoren in die Zylinder gestäubt, während die für weniger Reibung auf Wälzlager umgestellten Turbolader schneller ansprechen und dem um ein paar Kilo leichter gewordenen Zweiliter-Motor noch mehr Druck machen. Prompt wurde der Vierzylindermotor in der neuesten Ausprägung noch einmal stärker. Die Leistung steigt von 184 auf 190 PS und das maximale Drehmoment legt um 20 auf 400 Nm zu.

Trotzdem müssen BMW-Fahrer bei diesem Auto ein bisschen umdenken. Denn der Spardiesel ist eher Dauerläufer als Dampfhammer. Den Blinker links, den Finger nervös an der Lichthupe - dafür ist dieser 5er nicht gemacht. Die kurzen Spurts, mit denen man auf der Autobahn in Lücken aufschließt oder auf der Landstraße zum Überholen ansetzt, sind seine Sache nicht. Die große Stunde des neuen Motors schlägt im entspannten Langstreckenmodus, wenn man durchaus schnell - aber gleichmäßig - dahinrollt. Dann ist der Motor wie weggedimmt und man hat Muße, um sich an der Reichweitenanzeige zu erfreuen.

Die im 520d Touring theoretisch möglichen 1555 Kilometer pro Tankfüllung wird man im Display allerdings kaum zu sehen bekommen. Denn der Bordcomputer stellt sich auf die realen Verbrauchswerte ein, und der Normverbrauch von 4,51 Liter ist im Alltag nicht zu schaffen. Aber rund 1200 Kilometer mit einer Tankfüllung sind für einen Kombi dieser Größe mit 70-Liter-Tank auch nicht schlecht.

Das muss man wissen: Der Vierzylinder-Diesel entstammt einer neuen Motorenfamilie, die BMW im Sommer mit dem überarbeiteten X3 eingeführt hat und nun peu à peu in der gesamten Modellpalette einsetzt. Die Produktion der neuen 520d-Modelle hat nach den Werksferien begonnen und die ersten Auslieferungen erfolgen - ohne Änderungen am Preis - in diesen Tagen.

Neben der 190 PS-Version für den 520d gibt es den Diesel auch als 518d. Während dessen Leistung von 143 auf 150 PS steigt, bleibt das maximale Drehmoment unverändert bei 360 Nm. Beide Motoren kombiniert BMW jeweils mit einer Sechsgang-Schaltung oder einer ebenfalls optimierten Achtgang-Automatik; die 190-PS-Variante gibt es auch mit Allradantrieb. So liegen die Verbrauchswerte zwischen 4,1 bis 5,4 Liter und die Preise beginnen bei 40.100 Euro für die handgeschaltete 518d Limousine und reichen bis zu 49.000 Euro für den 520d Touring mit Automatik und Allrad.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sich in diesem 5er die Perspektive verändert. Denn in diesem Auto fühlt man sich bisweilen vom Hinterherfahrenden bedrängt. Immer wieder sieht man kleinere Autos im Rückspiegel, deren Fahrer offenbar genüsslich die Xenonblitze zünden. Es gilt jedoch auch in diesem Fall: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Denn sobald die Überholer zum Tanken abbiegen müssen, rollt der Dauerläufer einfach weiter.

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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000000177 25.09.2014
1. Vor 30 Jahren
war er mit 84 km/h mit Sicherheit nicht der schnellste da fuhr mein /8er ja schon schneller.
namenloser_mensch 25.09.2014
2. 520d =langsam???
Ich weiss ja nicht, welche Fahrzeuge die Autoren sonst so fahren, aber dem 520d Langsam- und Gemächlichkeit zu unterstellen finde ich ziemlich bescheuert. Ich fuhr bereits 3 Jahre den Vorgänger ohne Facelift mit 184PS und fahre nun seit knapp 2 Monaten den 520d mit 190PS und Facelift. Das Fahrzeug beschleunigt in knappen 8 Sekunden auf 100kmh und läuft laut Tacho auf ebener Strecke 240kmh. Also ich persönlich empfinde das nicht langsam, sondern für den Alltag souverän und überdurchschnittlich motorisiert. Und dass das Überholen auf Landstrassen zu langsam soll, halte ich, mit Verlaub, für Schwachsinn. Aufgrund des Drehmoments ist man Ruckzuck vorbei. Wenn der 520d ihrer Meinung nach schon so langsam ist, wie überholen dann erst Personen, die einen 100PS Golf oder 140PS Tdi Passat fahren?
kloppskalli 25.09.2014
3. 190 PS und
190 PS und Überholen auf der Landstrasse ist nicht sein Ding? Wiegt der Wagen 2,5 Tonnen? Gibts messwerte 60-100 km/h?
ohjeee 25.09.2014
4.
Zitat von namenloser_menschIch weiss ja nicht, welche Fahrzeuge die Autoren sonst so fahren, aber dem 520d Langsam- und Gemächlichkeit zu unterstellen finde ich ziemlich bescheuert. Ich fuhr bereits 3 Jahre den Vorgänger ohne Facelift mit 184PS und fahre nun seit knapp 2 Monaten den 520d mit 190PS und Facelift. Das Fahrzeug beschleunigt in knappen 8 Sekunden auf 100kmh und läuft laut Tacho auf ebener Strecke 240kmh. Also ich persönlich empfinde das nicht langsam, sondern für den Alltag souverän und überdurchschnittlich motorisiert. Und dass das Überholen auf Landstrassen zu langsam soll, halte ich, mit Verlaub, für Schwachsinn. Aufgrund des Drehmoments ist man Ruckzuck vorbei. Wenn der 520d ihrer Meinung nach schon so langsam ist, wie überholen dann erst Personen, die einen 100PS Golf oder 140PS Tdi Passat fahren?
Kann Ihnen nur zustimmen. Vielleicht ist der Durchzug im 8. Gang etwas dünn. Ansonsten kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein 190PS-Diesel derart Durchzugsschwach sein soll.
dummdidumm1 25.09.2014
5. Schadstoffe?
Was ist eigentlich mit den Schadstoffen bei so hochgezüchteten Selbstzündern? Was machen Stickoxide (hauptsächlich NO2) und Rußpartikel? Hat der wenigstens Euro6 oder begnügt sich BMW noch Euro5? Finde es immerwieder Schade, dass die Diesel, obwohl sie immernoch ein vielfaches an Schadstoffen gegenüber den Ottomotoren produzieren, als Saubermänner dargestellt werden. Ein Euro6 Diesel erreicht gerademal die Grenzwerte eines Euro4 Benziners und der konnte das vor 10Jahren. Wo bleibt da die Weiterentwicklung?
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