Autogramm BMW 6er GT Nie wieder Biber

Der 5er GT war seiner Bezeichnung nicht würdig: "Gran Turismo" dürfen sich eigentlich nur elegante Reiselimousinen nennen. Jetzt hat BMW das Modell umgetauft - und ein paar Korrekturen vorgenommen.

BMW

Der erste Eindruck: Angepasst. Die erste Generation des GT hatte einen komischen Buckel hinten und eine BMW-Niere vorn, die an Biberzähne erinnerte. Die zweite Generation fährt ohne gestalterische Schrullen vor.

Das sagt der Hersteller: BMW übt sich beim 6er GT in der Kunst der Kompromisse. Als Mischung aus Coupé, Kombi und SUV muss der Sonderling der Modellpalette viele Eigenschaften vereinen. Beim Vorgängermodell gelang das nur bedingt - selbst in München findet sich trotz des Erfolgs der Modellvariante kaum jemand, der den 5er GT als Schönheit bezeichnen würde.

BMW-Designchef Adrian van Hooydonk hat die zweite Auflage nun korrigiert. "Wir wollen den Reisekomfort einer Oberklasselimousine mit der Ästhetik eines Coupés vereinen", sagt van Hooydonk und setzt auf "gestreckte Proportionen, eine deutlich dynamischere Linienführung und eine kraftvollere Flächengestaltung". Weil der GT dabei in die Länge geht und die Nähe zu wirklich schönen Autos ja nicht schaden kann, gibt es zur neuen Optik auch die Beförderung zum 6er.

Das ist uns aufgefallen: Augen zu und rein? Das galt für den Vorgänger - das neue Modell ist ansehnlicher geworden. Eine Augenweide wird das Auto trotzdem erst, wenn man eingestiegen ist. Dann fällt der Blick auf Hightech-Instrumente und -Anzeigen, die man aus dem neuen 5er kennt. Im 6er wirkt das Arrangement noch ein wenig vornehmer, feiner und je nach Materialauswahl auch sinnlicher als in der Business-Limousine.

Tom Grünweg

Den größten Unterschied zum 5er bemerkt man trotzdem erst, wenn man sich weg vom Steuer bewegt und in die zweite Reihe setzt. Dort genießt man jede Menge Platz. Das liegt an dem gestreckten Radstand und der entsprechend größeren Beinfreiheit, es liegt aber auch daran, dass die Türen größer sind als beim X5 und der sogenannte Hüftpunkt höher liegt als beim 7er, sodass man bequemer einsteigt als in jedem anderen BMW. Und es liegt an der luxuriösen Lederbank, die BMW in den Rückraum gesetzt hat. Deren Lehnen lassen sich elektrisch verstellen und sogar in eine Ruheposition bringen.

Zur perfekten Chauffeurslimousine fehlen dem 6er trotzdem noch ein paar Kleinigkeiten: So gibt es zwar riesige Bildschirme an den Rückenlehnen der Vordersitze, aber anders als im 7er keine Fernbedienung für das Bordsystem. Die Vordersitze kann man, anders als im Flaggschiff, im 6er GT von hinten nicht per separatem Schalter verstellen.

Dafür bietet der Wagen laut BMW die Nehmerqualitäten eines Touring. Unter die elektrische Heckklappe passen immerhin 610 Liter. Wenn man alle drei Teile der Rückbanklehne elektrisch umlegt, gehen sogar 1800 Liter in den Kofferraum. Und im Souterrain gibt es sogar einen Platz für die ebenso große wie sperrige Kofferraumabdeckung.

Dennoch scheitert der GT trotz des Platzangebots gerade an seiner Größe: Weil die gegenüber dem Vorgängermodell um sechs Zentimeter abgesenkte Ladekante noch immer relativ hoch und die Ladefläche so lang ist, muss man fast ins Auto hineinkriechen, wenn man Dinge herausholen möchte, die hinter der Rückbank liegen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW 6er GT - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der 6er GT kommt im November in den Handel und kostet mindestens 62.300 Euro. Damit ist er 11.500 Euro teurer als eine 5er Limousine und liegt 9000 Euro über dem Kombimodell Touring. Vom 7er trennen ihn allerdings rund 25.000 Euro.

Zum Start gibt es den Wagen als 630i mit 258 PS starkem Vierzylinder-Benziner, als 630d mit einem Sechszylinder-Diesel und 265 PS sowie als 640i, dem allerdings - auch das ist neu für einen 6er - der Achtzylindermotor fehlt. Das passt zwar nicht ganz zum selbstproklamierten Führungsanspruch des GT als sportlichem Gran Turismo, tut dem Fahrgefühl allerdings keinen Abbruch. 340 PS und 450 Nm Drehmoment sind mehr als genug Leistung für einen ausgesprochen dynamischen Umgang mit dem bayerischen Brocken.

Außerdem bewegt man den GT ganz anders als einen normalen 5er - nämlich gelassener. Auf Wunsch baut BMW sogar das Executive-Fahrwerk aus dem 7er ein, das auch die letzten Spitzen kappt und den Wagen mit Luftfederung und Wankstabilisierung vollends zur Sänfte macht. Vergleichsweise handlich ist das Auto obendrein, was an einer Gewichtsreduzierung von durchschnittlich 150 Kilo im Vergleich zum Vorgängermodell liegt und an der optional verfügbaren Hinterachslenkung.

Das werden wir nicht vergessen: Elektrisch verstellbare Komfortsitze mit großen Bildschirmen vor der Nase, ein wolkenweiches Fahrwerk und reichlich Platz für Knie und Kopf - für den Motor interessiert sich im 6er GT keiner mehr. In diesem Auto verschieben sich die Präferenzen, und aus der sprichwörtlichen Fahrfreude wird die Freude am Fahrenlassen.

Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: 640i GT
Karosserie: Limousine
Motor: Sechszylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.998 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 5,4 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 610 Liter
umgebaut: 1.800 Liter
Gewicht: 1.845 kg
Maße: 5091 / 1902 / 1538
Preis: 68.100 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 74 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
telekoma 14.11.2017
1. Mit Sicherheit
ein tolles, sehr komfortables Auto. Aber den großen Sprung im Design im Vergleich zum Vorgänger sehe ich jetzt nicht unbedingt. Entweder kauf ich mir einen 5er oder 6er Granturismo oder gleich X5/X6. Insofern komplett überflüssig in meinen Augen.
isarbeach 14.11.2017
2. isarbeach
Super Kommentar Herr Grünweg. Ist ein Kofferraum ein Kofferraum zu klein, wird das zu Recht oft bemängelt. Dass aber bei Ihnen ein Auto gleich scheitert, wenn es ausreichend Platz bietet, ist schon sehr verwunderlich und tendenziös. Hat BMW Ihnen das Auto nicht gleich einen Monat kostenlos überlassen? Zitat: „Dennoch scheitert der GT trotz des Platzangebots gerade an seiner Größe: Weil die gegenüber dem Vorgängermodell um sechs Zentimeter abgesenkte Ladekante noch immer relativ hoch und die Ladefläche so lang ist, muss man fast ins Auto hineinkriechen, wenn man Dinge herausholen möchte, die hinter der Rückbank liegen.“
aldefz00 14.11.2017
3. Is doch logisch
Irgendein Argument braucht man doch, dem Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Hallo, das ist ein 6er und kein pobliger 5er. Den 6er sieht man eh kaum auf der Strasse also schadets seinem Image auch nicht...
vish 14.11.2017
4. Bmw...
... ist mir bedeutend sympathischer als Mercedes und vor allem Audi, aber was das Design angeht, gerät man in München m.E. immer mehr ins Hintertreffen. Dabei haben sie dort mit dem i3 und dem i8 zwei moderne Stil-Ikonen. Man denke sich einmal die Markenlogos weg und vergleiche den GT z.B. mit dem Kia Stinger. Seufz.
stefanreuther 14.11.2017
5. Und ich hatte schon Hoffnung
... dass bei der Überschrift, die vorzeitige Rente dieses gruseligen kanadischen Sängers verkündet würde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.