BMW 750hL Nah am Wasser gebaut

Noch ist die Serie klein: Gerade einmal 15 Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb hat BMW bislang produziert. Doch schon im kommenden Jahr soll der umweltfreundliche 7er in den Preislisten auftauchen.

Von Alexander Stirn


Die Ankündigung klingt vielversprechend: BMW, so lassen die Münchner Autobauer derzeit gerne verlauten, baue "das erste Wasserstoff-Serienauto der Welt". Das lässt aufhorchen. Denn Fahrzeuge mit Wasserstoff im Tank existieren zwar schon seit Jahren - bislang aber nur als Studien oder Prototypen. Jetzt also die Massenproduktion?

Die gesamte Produktion auf einem Bild: Vom neuen Wasserstoff-BMW gibt es gerade einmal 15 Exemplare

Die gesamte Produktion auf einem Bild: Vom neuen Wasserstoff-BMW gibt es gerade einmal 15 Exemplare

Nicht ganz: Von BMWs neuestem "Serienwagen" namens 750hL gibt es im Moment gerade einmal 15 Exemplare. BMW-Sprecher Thomas Steffes hat trotzdem keine Probleme, auf Anfrage von einer "Kleinserie" zu sprechen. "Irgendwann muss eben gestartet werden", sagt Steffes gegenüber SPIEGEL ONLINE.

BMW will, so scheint es, Druck machen. Denn noch ist das Netz bundesdeutscher Wasserstofftankstellen mehr als überschaubar - oder besser gesagt nicht vorhanden. Das soll sich ändern. "Wir gehen zunächst einmal in Vorleistung", sagt Steffes. Die Münchner hoffen, dass - sobald genügend Wasserstofffahrzeuge über die Straßen rollen - die entsprechenden Tankstellen automatisch geschaffen werden.

Bis dahin fließt allerdings noch viel Benzin in die Tanks: Zunächst wollen die Bayern lediglich dafür sorgen, dass bis 2005 im "Umfeld" aller deutschen BMW-Niederlassungen Wasserstoff erhältlich sein soll. Nochmals fünf Jahre später, im Jahre 2010, wird dann, so hoffen die Autobauer, ein ausreichendes Netz von Wasserstoff-Tankstellen in ganz Europa aufgebaut sein. 2020 soll schließlich bei einem Großteil der BMW-Flotte nur noch umweltfreundlicher Wasserdampf aus dem Auspuff kommen.

Fehlende Tankstellen sind allerdings nur ein Problem, mit denen Wasserstofffahrzeuge zu kämpfen haben. Der Preis stellte - zumindest in der Vergangenheit - ein anderes Handicap dar. So soll für den vor einem Monat präsentierten und ebenfalls auf Wasserstoff basierenden Mercedes-Stadtbus vom Typ Citaro ein Vielfaches des normalen Preises berechnet werden.

Erster Einsatz auf der Expo: der BMW 750hL

Erster Einsatz auf der Expo: der BMW 750hL

BMW will dem Beispiel der Stuttgarter nicht folgen. Der Preis des 750hL soll, so Steffes, im Rahmen des normalen 7er BMW liegen. "Ein Wasserstoff-Auto muss verkaufbar sein", meint der Sprecher, "und mit einem überzogenen Preis ist es nicht verkäuflich."

Billig wird das Wasserstoff-Automobil trotzdem nicht. Orientiert an der 7er-Baureihe könnte der Neue "zwischen 150.000 und 200.000 Mark kosten". Konkreter wird es nächstes Jahr. Dann soll der 750hL, wie Steffes gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte, in der BWM-Preisliste auftauchen und bei den Händlern stehen.

Äußerlich - und auch unter der Haube - unterscheidet sich der 750hL wenig vom konventionellen Bruder. Sein Zwölfzylindermotor leistet, mit Wasserstoff betrieben, 204 PS (104 kW). Laut BMW beschleunigt der 750hL in 9,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h.

Mit dem 140 Liter fassenden Kryo-Tank hat der 7er, so die bayerischen Autobauer, eine Reichweite von 350 Kilometern. Dazu kommt die konventionelle Benzinversorgung, die mit Rücksicht auf die lückenhafte Wasserstoff-Versorgung unverändert an Bord bleiben musste. Aus diesem Grund unterscheidet sich der Motor - verglichen mit dem aktuellen 7er-Modell - im Wesentlichen nur durch den Ansaugtrakt, der zusätzliche Einblasventile für den Wasserstoff besitzt.

Der begehrte Treibstoff fließt beim 750hL mit minus 250 Grad Celsius in einen doppelwandigen Stahltank, der sich hinter den Fondlehnen befindet. BMW will größtmögliche Sicherheit bieten, schließlich können Wasserstoff und Sauerstoff zusammen ein höchst explosives Gemisch bilden. Die Autobauer versuchen zu beruhigen: Selbst bei einem massiven Auffahrunfall - das hätten Crashtests gezeigt - würde der Stahlzylinder nicht undicht.

Der 750hL soll, soviel ist klar, das neue Aushängeschild der Münchner Autobauer werden - getreu dem alten BMW-Motto, Hochtechnologie zunächst immer in den Spitzenmodellen einzuführen. "Es wäre uns am liebsten, wenn der Bundeskanzler oder der Bundespräsident mit unseren Wasserstoff-Autos unterwegs wären", sagt Steffes.

Zumindest einen potenziellen Kunden könnte BMW schon gefunden haben: Verkehrsminister Reinhard Klimmt hat bei der Vorstellung des 750hL die Aktivitäten der Industrie begrüßt, saubere Kraftstoffe und Antriebe auf den Markt zu bringen. BMW habe dabei eine führende Rolle übernommen.



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