BMW baut Öko-Renner Spitzensportler mit Stromschub

BMW baut einen Serien-Öko-Sportwagen auf Basis der spektakulären Studie Vision Efficient Dynamics. Der 328 PS starke Flitzer soll lediglich 3,8 Liter Sprit verbrauchen und 2013 in den Verkauf gehen. Einen Namen hat der Wagen allerdings noch nicht.


Die Szene ist spektakulär. Es ist spät am Abend, und dieser Teil des Messegeländes in Leipzig ist weiträumig abgeriegelt. Immer wieder fahren dunkle Limousinen vor, und freundliche Hostessen geleiten die Gäste in eine stockfinstere Halle. Dann erklingt sphärische Musik, ein paar Laser zucken durch den künstlichen Nebel und ganz langsam schält sich die Skulptur eines futuristischen Autos aus der Unkenntlichkeit.

Der Wagen selbst ist zwar nicht neu und stand als Vision Efficient Dynamics bereits vor einem Jahr auf der IAA in Frankfurt. Doch die Botschaft dieses Abends, die BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger im Anschluss an die Nebelshow verkündet, ist überraschend: Die Vision wird Wirklichkeit und der grüne Spitzensportler wird tatsächlich gebaut. "Wir beginnen jetzt die Serienentwicklung und bringen den Wagen Ende 2013 an den Start", sagt Draeger über den Plug-In-Hybriden.

Das Auto soll mit zwei Elektromotoren mit jeweils 95 PS und einem Dreizylinder, der im Prototyp noch mit Diesel, in der Serie mit Rücksicht auf Amerikaner und Asiaten aber wohl mit Benzin laufen wird, ausgestattet sein. Zusammen stehen so 328 PS und 800 Nm zur Verfügung, die eine Elektronik geschickt auf beide Achsen verteilt. Weil die 98 Lithium-Polymer-Zellen im Mitteltunnel genug Energie für 50 rein elektrische Kilometer speichern können, das Auto extrem windschnittig und obendrein sehr leicht ist, kommt die Studie auf einen Verbrauch von 3,8 Liter und darf deshalb getrost als effizient gelten. Die Kraft reicht, um den BMW in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Damit die Batterien nicht zu sehr belastet werden, regeln die Ingenieure den Vortrieb bei 250 Sachen ab.

Der fahrfähige Prototyp ist das zweite Modell auf dem Weg zur Serie

Um allen zu beweisen, wie ernst sie es meinen, haben die Bayern nicht das Schaustück von der IAA nach Leipzig geholt, sondern einen voll funktionsfähigen Prototyp gebaut, der in dieser Nacht die erste Fahrt mit Publikum absolviert. "Noch überlassen wir Ihnen zwar nur den Beifahrersitz", schränkt Entwicklungschef Draeger ein, verspricht aber: "In drei Jahren sitzen sie selbst am Steuer."

Fürs Erste ist aber schon das Mitfahren schwer genug. Denn um überhaupt hineinzukommen in die 1,24 Meter flache Flunder, schlängelt man sich unter einem Fallbeil von Flügeltür hindurch, klettert über einen Balken von Seitenschweller und gleitet an freistehenden Konsolen mit messerscharfen Kanten vorbei, bevor man endlich tief unten, ganz knapp über der Straße, in den Sitz sinkt.

Dann drückt Fahrer Stefan Heller den Startknopf. Er ist verantwortlich für den Antrieb und genießt es sichtlich, wenn der Wagen flüsterleise - wie ein Ufo auf Abwegen - durch die Messehalle surrt. Wenn nur der Boden nicht so glatt wäre. "Trotz Allradantrieb müssen wir hier äußerst vorsichtig sein", entschuldigt er die Kriechfahrt durch den Bühnennebel. Doch draußen zündet Heller mit einem Tastendruck dann den Diesel. Dann klingt der Prototyp nicht nur überraschend kräftig, er fährt auch so. Während bunte Grafiken über den Monitor hinter dem Lenkrad flirren und man kräftig in die engen Rennsitze gepresst wird, verwandelt sich der Sparer zum Sportler und stürmt vehement voran. Anders als bei einem reinen Elektroauto ist die Raserei hier allerdings kein kurzes Vergnügen, sondern dank der 25 Liter Diesel im Tank und einem an der Steckdose vollgeladenen Akku kommt der Wagen mehr als 700 Kilometer weit. BMW-Entwicklungsvorstand Draeger behauptet gar, das funktioniere auch, "wenn man mal zwei Stunden am Stück Vollgas fährt."

Preis? Vermutlich weniger als 150.000 Euro

Beim Bau des Sportwagens nutzen die Bayern die Erkenntnis aus dem "Projekt I" und die Prinzipien des ebenfalls für 2013 vorgesehenen Mega City Vehicles. Wie der innovative Kleinstwagen für Größtstädte bekommt nämlich auch der Sportler eine Karosserie aus Kohlefaser.

Drei Jahre vor dem Start ignoriert Draeger ein paar wichtige Fragen zum neuen Auto noch. Über einen Namen zum Beispiel gibt es noch keinerlei Auskunft. Und auch der Preis ist längst noch nicht entschieden. Aber auch wenn er keine fünfstelligen Produktionszahlen nach erwartet, soll das Auto kein exklusiver Exot werden. "Wir planen keine Kleinstserie mit einem Wagen pro Tag, die wir zu Phantasiepreisen verkaufen wollen", sagt er mit einem Seitenhieb auf Projekte wie den Mercedes SLS e-Cell, den Audi E-Tron oder den Porsche 918 Spyder. Alles was er sonst so andeutet zu Stückzahlen und Positionierung, lässt auf einen Preis von unter 150.000 Euro schließen. Dazu passt auch ein Statement von BMW-Sprecher Dirk Arnold: "Exklusiv wird das Auto nicht wegen des Preises, sondern wegen der Technologie."

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Electricdawn, 05.11.2010
1. Haben will!
Mehr gibt es dazu nichts zu sagen. Leider wird der angepeilte sechsstellige Preis ein Problem werden. ;)
ohne_sorge 05.11.2010
2. Kein Titel
3,8 Liter Diesel oder Benzin? Leider denken die Hersteller immer nur an neue Sportwagen. Bloß kein Auto für den Ottonormalverbraucher und sich dann wundern warum ich lieber meine 12 Jahre alte Kiste weiterfahre, weil ein neuer Wagen ja nur ein rollender Computer ist und sich bei den wesentlichen Fähigkeiten nicht viel getan hat, sondern sich eher mehr verschlechtert hat. Die Firmen sollten mal selber schauen wann sich bei ihnen ein Projekt lohnt und ihre Produkte auch an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Wenn ich mir das derzeitige Angebot an Autos durchdenke: Ich soll als Wenigfahrer von einem max. 20 Jahre haltenden Wagen auf einen dank Computer nur noch max. 10 Jahre haltenden Wagen umsteigen, der wegen dem Computer trotz mehr PS nicht weniger Sprit braucht und auch nicht schneller fährt? Dafür steht der Wagen dann wegen Defekten an Funktionen, die keiner braucht auch noch in der Werkstatt und ach ja mehr Kosten soll der Wagen ja auch. Offenbar heißt es warten. Naja ca. 8 Jahre habe ich noch...
FrankDr 05.11.2010
3. ein Schnäppchen fürs Volk
"Wir planen keine Kleinstserie, die wir zu Phantasiepreisen verkaufen wollen" --> lässt auf einen Preis von unter 150.000 Euro schließen. Ähm...aso unter 150.000. Zum Glück keine Phantasiepreise :-X
FrankDr 05.11.2010
4. Frage
Zitat von ohne_sorge3,8 Liter Diesel oder Benzin? Leider denken die Hersteller immer nur an neue Sportwagen. Bloß kein Auto für den Ottonormalverbraucher und sich dann wundern warum ich lieber meine 12 Jahre alte Kiste weiterfahre, weil ein neuer Wagen ja nur ein rollender Computer ist und sich bei den wesentlichen Fähigkeiten nicht viel getan hat, sondern sich eher mehr verschlechtert hat. Die Firmen sollten mal selber schauen wann sich bei ihnen ein Projekt lohnt und ihre Produkte auch an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Wenn ich mir das derzeitige Angebot an Autos durchdenke: Ich soll als Wenigfahrer von einem max. 20 Jahre haltenden Wagen auf einen dank Computer nur noch max. 10 Jahre haltenden Wagen umsteigen, der wegen dem Computer trotz mehr PS nicht weniger Sprit braucht und auch nicht schneller fährt? Dafür steht der Wagen dann wegen Defekten an Funktionen, die keiner braucht auch noch in der Werkstatt und ach ja mehr Kosten soll der Wagen ja auch. Offenbar heißt es warten. Naja ca. 8 Jahre habe ich noch...
Ich sehs ähnlich... ein neuer (winziger) Smart braucht real (also keine Phantasie-Werksangaben) schon ca. 5 Liter. Der goße (und schon ältere) Opel Signum meiner Frau braucht etwa 6,3 Liter. Wieso sollte man also für viel Geld umsteigen? Ich wundere mich immer wieder darüber: Bei den großen BMW und Mercedes hat sich echt was getan. Gerade mit Diesel, haben die mittlerweile super Verbräuche. Komischerweise nähern sie sich immer weiter den Kleinwagen an, bei denen sich kaum was tut. Entweder ist da eine physikalische Grenze oder die Astrengungen ungleich.
ergoprox 05.11.2010
5. ..
Zitat von FrankDrIch sehs ähnlich... ein neuer (winziger) Smart braucht real (also keine Phantasie-Werksangaben) schon ca. 5 Liter. Der goße (und schon ältere) Opel Signum meiner Frau braucht etwa 6,3 Liter. Wieso sollte man also für viel Geld umsteigen? Ich wundere mich immer wieder darüber: Bei den großen BMW und Mercedes hat sich echt was getan. Gerade mit Diesel, haben die mittlerweile super Verbräuche. Komischerweise nähern sie sich immer weiter den Kleinwagen an, bei denen sich kaum was tut. Entweder ist da eine physikalische Grenze oder die Astrengungen ungleich.
Könnte vielleicht etwas mit den Margen im jeweiligen Segment zu tun haben, meinen Sie nicht? Übrigens braucht so ein Polo (immerhin so groß wie ein Golf 3) in der Sparbrötchenversion doch kaum mehr als 4Liter im normalen Verkehr, das ist ein Wort, wie ich finde und immerhin schon mal weniger als 5,5-6 die der 3er (320d ED) braucht. Die letzten Jahre haben unheimlich was gebracht - aber, wie schon beim Kat, musste man erneut lernen: ohne politischen Druck geht gar nix. Die Stude ist toll, vor allem der Dreizylinder-Diesel. Wird wohl auch im neuen 1er kommen...alledings darf man die DInger erst mind. 2 Jahre nach Betatest (durch die Erstkäufer) und entsprechender Verbesserungen kaufen -->siehe auch Direkteinspritzung bei den Sechszylindern.
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