BMW C1 200 Flott und fröhlich

"Smart in Scheiben" wird der C1 gern genannt. Das soll ein wenig spöttisch klingen, doch das kauzige Vehikel hat es verdient, ernst genommen zu werden. Zumal BMW den C1 nun auch in einer auf 18 PS aufgemotzten Version anbietet.

Von Jürgen Pander


Optisch ist die stärkere Variante, mal abgesehen von einem "200"-Schriftzug auf der Kunststoffverkleidung, nicht vom normalen C1 zu unterscheiden. Doch sobald man in der Sicherheitszelle Platz genommen, den wassergekühlten Einzylindermotor gestartet und am Gasgriff gedreht hat, ist deutlich zu spüren, dass man auf dem "großen" C1 sitzt.

BMW C1 200: "Neues Klangbild" schon besonders

BMW C1 200: "Neues Klangbild" schon besonders

Wir konnten die Muskeln des C1 200, bei dem BMW neben der Extraportion an Leistung das "neue Klangbild" hervorhebt, bei optimalen Zweiradbedingungen in Andalusien testen. Ort des Geschehens war die kurvige Straße vom Küstenort San Pedro de Alcantara hinauf nach Ronda. Gäbe es die Skidisziplinen auch für Fahrzeugtests, dann wäre diese Strecke ein mehr als 40 Kilometer langer Riesenslalom.

Im Schalensitz des C1 200 jedenfalls machte das Hin und Her auf der Schlängelstraße zwischen Berghang und Abhang großen Spaß. Das hat vor allem damit zu tun, dass man beim Fahren ohne Helm trotz der schmalen Windschutzscheibe fast automatisch im für diese Strecke idealen Geschwindigkeitsbereich zwischen 70 und 90 km/h vorwärts strebt.

Das erledigt der 176 Kubik große Motor ohne zu Mucken. Allerdings, liebe BMW-Entwickler, das Versprechen mit dem "neuen Klangbild" ist schon ein besonderes. Was sich nämlich da im Gehörgang des Fahrers abzeichnet, ist keineswegs ein sonorer Zweiradsound, sondern noch immer ein nervöses Schnarren.

Das Kurvenhandling des C1 jedoch ist tadellos. Wenn man sich erst einmal an die stetig vor dem Gesichtsfeld pendelnden Holme des Überrollkäfigs gewöhnt hat, geht es flott und fröhlich dahin. Der Antritt ist absolut in Ordnung, bei voll aufgedrehtem Gasgriff beschleunigt der C1 200 in rund vier Sekunden von 0 auf 50 km/h.

Wer auf Vollgasversuche Wert legt, wird feststellen, das maximal 112 km/h möglich sind. Das ist für einen Einzylinder mit 18 PS (13 kW), der rund 3,5 Liter Superbenzin je 100 Kilometer schluckt, ganz beachtlich. Wenn es mal eng wird, hilft ein ABS beim Verzögern, das allerdings zu den Sonderausstattungen gehört und 980 Mark Aufpreis kostet.

Ein Ausflug in den Küstenort San Pedro bewies einmal mehr, wie auffällig die BMW-Idee noch immer ist, einen Roller mit einigen Autodetails zu ergänzen. Passanten blickten dem überdachten Scooter mit offenen Mündern nach, junge Männer brachen in schallendes Gelächter aus, andere winkten freundlich.

Wenn C1-Piloten auf Fahrer herkömmlicher Roller treffen, entwickelt sich stets ein ungleicher Wettkampf: Die Jungs auf den üblichen Teilen jagen und drängeln mit einem Höllenspektakel und unvergleichlich flink auch an sehr breiten Lkw und Bussen im zähfließenden Verkehr enger Gassen vorbei, während sich C1-Fahrer besser hinten anstellen.

Doch sie können dabei völlig gelassen bleiben. Ihre Stunde schlägt, wenn sich der Himmel zuzieht und seine Schleusen öffnet. Dann knipsen sie den Scheibenwischer an und bleiben bis zu ihrem Ziel weitgehend trockene Zweiradler.

Der C1 200, der in Deutschland nur mit einem Motorradführerschein der Klasse 1 gefahren werden darf kostet in der Grundversion 10.490 Mark. Es gibt darüber hinaus Modelle mit üppigerer Ausstattung, deren Preise bis 11.990 Mark reichen.



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