BMW M2 Coupé Fährste quer, biste wer

Manche Sportwagen setzten Fett an und umschmeicheln ihre Insassen mit verführerischem Komfort. Der neue BMW M2 ist anders: nackt, hart, schnell.

Von

BMW

Der erste Eindruck: Voll Proll! Dicke Radhaus-Backen und ein Großmaul-Kühlergrill - mit dem fast grotesk gebogenen Blech steht der neue M2 wunderbar im Kontrast zur mittlerweile ziemlich weichgespülten BMW-Welt. Das Auto gibt ungeniert den Bodybuilder.

Das sagt der Hersteller: Projektleiter Frank Isenberg sieht im M2 die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte, den legitimen Nachfolger des1er M Coupés von 2011, das mit einer Produktion von 6309 Einheiten alle internen Erwartungen übertraf. "Der M2 ist ein Auto, das noch weniger Kompromisse macht und noch mehr Spaß", behauptet Isenberg. Der M2 soll aber nicht nur seine Fahrer in Euphorie versetzen, sondern auch die BMW-Buchhalter. Der Wagen senkt die Hürde für den Einstieg ins Angebot der M GmbH und wird deshalb den Absatz des Werkstuners beflügeln.

Das ist uns aufgefallen: Der M2 ist eine ehrliche Haut, die keine falschen Versprechungen macht. Das niedrige Gewicht verdankt er nicht teuren Leichtbau-Details, sondern dem Verzicht auf üppige Dämmung. Dass so neben dem Dröhnen des Motors mitunter auch andere Funktionsgeräusche in den Innenraum dringen, ist gewollt. Rauheit ist Prinzip.

Nicht einmal die Kohlefaser-Imitate auf den Konsolen sind lackiert, die Sitze müssen von Hand eingestellt werden und statt Knopfsalat gibt es auf dem Mitteltunnel lediglich den Fahrerlebnis-Schalter, mit dem sich die Fahrprogramm einstellen lassen. PS-Puristen können den Kraftmeier mit einem konventionellen Schaltgetriebe bestellen, dessen Knauf knöchern durch die enge Gasse klackert.

Aber gerade weil er so unverfälscht ist, macht der M2 süchtig. Es gibt wahrscheinlich keinen anderen BMW, der bei entsprechend forcierter Gangart so radikal die Richtung wechselt, wie dieser. Mit fester Hand greift man zum dicken Lenkrad, wirft den Wagen herum und spürt sofort, wie das Heck leicht wird und nach außen schiebt. Dank der elektronischen Differentialsperre rutscht der Wagen willig über die Reifen, wenn man dann wissen will, wo es hingeht, muss man durchs Seitenfenster schauen. Gegenlenken, mit dem Gaspedal Grip aufbauen, den M2 gerade stellen, und schon geht es mit einem "Hurra" in die nächste Kurve.

Soundcheck im Video: Wie klingt der BMW M2?

SPIEGEL ONLINE
Wie heiß dieser Tanz wird, hat der Fahrer selbst in der Hand. Im "Komfort"-Modus gibt sich das Auto kreuzbrav und kinderleicht zu beherrschen, danach lässt die Elektronik mit jeder Stufe die Zügel etwas lockerer. Spätestens im "M Dynamic Mode", wenn die Elektronik den Rädern etwas Schlupf erlaubt, kann man den M2 bei unbedachter Fahrweise tatsächlich als Querschläger erleben. Aber der M2 ist weder hinterlistig noch nervös. "Fährste quer, biste wer", kramt man aus dem Zitatenfundus von Altmeister Walter Röhrl und freut sich, dass es noch Autos gibt, die solch einen Übermut erlauben.

Das muss man wissen: Im Grunde ist der M2 ein M3 oder M4 für weniger Geld. Mit einem Grundpreis von 56.700 Euro ist er etwa 15.000 Euro billiger als die bisherigen Einstiegsmodelle der Sportabteilung. Technisch entspricht er trotzdem in weiten Teilen dem M4. "Vorder- und Hinterachse oder die Lenkung mit den beiden Kennlinien zum Beispiel haben wir ohne Veränderung vom M4 übernommen", sagt Isenberg. Selbst die Felgen sind identisch. Nur die Reifen sind zehn Millimeter schmaler, weil breitere Pneus nicht in die Radhäuser passen. "Und schon für diese Reifen mussten wir die Kotflügel vorn um sechs und hinten um acht Zentimeter weiter ausstellen", sagt Isenberg.

Beim Motor freilich funktionierte das mit der Transplantation nicht - mit Ausnahme der Ölwanne, die übernommen wurde. Im M2 arbeitet ein Reihensechszylinder-Twin-Turbo-Triebwerk mit 370 PS Leistung, der bis auf 7000 Touren dreht. Bei gerade mal 1500 Kilo Gewicht und bis zu 465 Nm Drehmoment, kurzfristig im Overboost sind sogar 500 Nm möglich, ist genug Kraft da für spektakuläre Sprints und bei Vollgas-Kapriolen. Nicht umsonst gewährt die M GmbH dem Kleinsten im Angebot gegen Aufpreis Auslauf bis 270 km/h. Auf dem Prüfstand ist das Dreiliter-Triebwerk sogar einigermaßen sparsam: Mit Doppelkupplungsgetriebe und bei Idealbedingungen reichen 7,9 Liter Sprit für 100 Kilometer. Diesen Wert erreicht man im realen Fahrbetrieb natürlich nicht ansatzweise.

Das werden wir nicht vergessen: Um den M2 zu verstehen, muss man ihn gar nicht fahren. Es genügt schon, den Motor anzulassen und sich hinters Auto zu stellen. Der rasselnde, bollernde Sound ist bereits im Leerlauf so herrlich roh, unplugged und authentisch, dass das Interesse für die hoch gezüchteten Motoren aus M4 und M6 schlagartig erlischt.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 157 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
biberax 18.02.2016
1. wer's nötig hat....
Heute Gerichtsverfahren wegen einer getöteten Radfahrerin bei illegalem Rennen. Wer wird wohl solche Autos kaufen ?
ExigeCup260 18.02.2016
2. M wie Motorsport - bitte???
Wenn man M mit MotorSPORT assoziiert, ist der Wagen ein schlechter Witz. 1495kg ohne Fahrer sind ein schlechter Witz für einen Kleinwagen eines Herstellers, der mit der i-Plattform Leichtbaukompetenz zeigt. Einfach nur den Motor stärker machen ist langweilig. Bessere Fahrleistungen bei weniger nomineller Motorleistung ist halt aufwändiger. Deswegen: Nur durch aggressiv wirkende Karosserieverkleidungen und durch einen stärker aufgeladenen motor lassen sich motorsportfreunde nicht blenden. Für die Autobahn und Landstraßen ohne winkelige Abschnitte O. K., aber für die Rennstrecke definitiv zu schwer.
Leser161 18.02.2016
3. 1,5 Tonnen?
Bei gerade mal 1500 kg? Wo ist denn das leicht Herr Grünweg? Oder haben Sie das Prospekt abgeschrieben? Zum Vergleich ein Kia Sportage einer von diesen SUVs ist mit minimal 1,4 Tonnen dabei.
cor 18.02.2016
4. Was eine Denkweise
Zitat von biberaxHeute Gerichtsverfahren wegen einer getöteten Radfahrerin bei illegalem Rennen. Wer wird wohl solche Autos kaufen ?
Ich finde ihren Gedankengang äusserst amüsant. Schnelles Auto wird sofort mit illegalen Rennen und gleich darauf mit einer getöteten Radfahrerin assoziiert. Ah ja. Was eine Logik. Ich glaub es es wird schwer, einen Beitrag zu finden, der noch weiter hergeholt ist. Ich nehme an, dass in ihrem nächsten Beitrag so etwas steht wie "Alle Sportwagenfahrer sind Mörder".
dipl.inge83 18.02.2016
5. 1er M
Wenn man bedenkt auf welchem Preisniveau die 1er M Coupes verharren ist das tatsächlich eine Alternative.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.