BMW M4 Cabrio im Test Offen für Krawall

Mit 431 PS ist das BMW M4 Cabrio das richtige Auto für die Sturmfrisur. Manchmal zwingt der Wagen aber zur Entschleunigung.

BMW

Der erste Eindruck: Dicke Backen, tiefe Schürzen und ein mächtiger Lufteinlass auf der Haube - spätestens wenn das Hardtop eingeklappt ist, sieht der M4 provozierend muskulös aus.

Das ist uns aufgefallen: Das M4 Cabrio ist ein Genuss - vor allem für die Ohren. Der neue M-Motor veranstaltet mit tiefem Donnergrollen, wütendem Kreischen, explosiven Zwischengasstößen und immer mal wieder mit dem Knallen einer simulierten Fehlzündung ein Höllenspektakel, das man im Cabrio noch viel besser genießen kann. Während der Sound im Coupé softer klingt, hört sich der Sechszylinder im Cabrio an wie das Open-Air-Festival in Wacken: hart, laut, dreckig und sehr lebendig.

Durchaus überraschend sind die praktischen Qualitäten, die aus der Großserie übernommen wurden. Das massive Faltverdeck mit dem "Cargolifter" im Kofferraum zum Beispiel; das System hebt das Dachpaket so an, dass man ohne Drücken und Pressen einen Koffer darunter wuchten kann. Oder das Geheimfach fürs Windschott: Damit das Gestell bei einer Fahrt zu viert nicht umständlich im Kofferraum verstaut werden muss, befindet sich in der Fondrückenlehne eine passgenaue Aussparung für das Windschott.

Das sagt der Hersteller: Sportcabrios haben bei der zu BMW gehörenden M GmbH bereits Tradition, sagt Geschäftsführer Friedrich Nitschke. Von den vier zurückliegenden M3-Cabrio-Generationen fertigte der BMW-Haustuner in den vergangenen 26 Jahren rund 60.000 Exemplare.

Gemessen am neuen Modell war der erste offene M3 ein Schwächling; 2,3 Liter Hubraum und anfangs 195, später 215 PS bot der Motor, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 239 km/h reichte und damit auch für den Titel "schnellster offener Viersitzer der Welt". Das aktuelle Modell hat selbst mit einer beinahe doppelt so hohen Leistung in dieser Nische keine Chance mehr - die Zwölfzylinder-Cabrios von Bentley rasen derzeit vorweg.

Das muss man wissen: Das M4 Cabrio kommt ab 6. September in den Handel und kostet mindestens 78.200 Euro. Damit ist das Open-Air-Modell 6000 Euro teurer als das M4 Coupé und kostet 6700 Euro mehr als die M3 Limousine.

Dass der Reihensechszylinder-Turbomotor so gut klingt, liegt an einer geänderten Abgasanlage. Die sogenannten Soundklappen sind nun vor statt hinter dem Schalldämpfer platziert. Sind sie geöffnet, strömt das Abgas noch freier aus - und erzeugt mehr Radau. Außerdem werden die vier Endrohre tatsächlich genutzt und sind nicht nur, wie bei manch anderen Sportmodellen, eine Attrappe.

Der drei Liter große Motor leistet 431 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 550 Nm. Das reicht für einen Sprintwert von 4,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Natürlich geht noch viel mehr. Wer das "M Drivers Package" bestellt, kann bis 280 km/h beschleunigen.

Ob nun 250 oder 280 Sachen - sehr lange wird die Raserei nicht dauern. Denn auch wenn BMW bei den Verbrauchswerten vom Prüfstand einen deutlichen Effizienzgewinn erzielt und im Schnitt mehr als drei Liter auf 100 Kilometer eingespart hat, ist das M4 Cabrio kein Sparmobil. Der Durchschnittswert von 8,7 Liter jedenfalls wird schnell Makulatur, wenn man den Wagen so benutzt, wie er gedacht ist.

Das werden wir nicht vergessen: Eigentlich sind die Autos der M GmbH kompromisslos auf Speed getrimmt. Doch das M4 Cabrio zwingt den Fahrer manchmal sogar zur Entschleunigung. Denn wenn das Verdeck geöffnet werden soll, muss man zumindest für knapp 30 Sekunden die Geschwindigkeit auf maximal 18 km/h drosseln, damit sich die Faltmechanik bewegt. Das kann zur Geduldsprobe werden. Immerhin gibt es anschließend eine akustische Belohnung, denn nie klingt der M4 besser, als wenn er aus langsamer Fahrt wieder voll beschleunigt.

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insgesamt 166 Beiträge
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Seite 1
Wayne.Schlegel 31.08.2014
1. Den Test stell ich mir ungefähr so vor
Den Test stell ich mir ungefähr so vor;) https://www.youtube.com/watch?v=MkkB4iGKndE
tadamtadam 31.08.2014
2. soll ich sagen?
spätestens bei beitrag #5 kommt der erste, der ein verbot dieses autos und gefängnis für besitzer fordert. außerdem freu ich mich schon darauf, von unserem üblichen verdächtigen zu erfahren, dass die einheit der leistung "watt" ist und "PS" ein anachronismus ist, den man sich im qualitätsjournalismus nicht leisten darf und es eigentlich verboten gehört, sowas zu schreiben. hach ja... ich mag autoartikel.
duerenkommentiert 31.08.2014
3. Sportwagen
Das ist sicherlich ein Sportwagen mit sportlichem Fahrwerk für sportliche Fahrer. Sollte man solche Autos lieber mit Sportschuhen fahren und Jogginganzug bevorzugt aus Ballonseide, oder reicht ein Schnauzbart und Blinkerlinks Gendeffekt? Im normalen Stadtverkehr fühlt sich der Testosteron geschwängerte Autofahrer mit diesem Stück Blech sicherlich unterfordert.
mazonspon 31.08.2014
4. Vielen Dank ...
... für die glückselige Schilderung eines neuen Autos. Ob die Autorenschaft BMW Fans oder Lobbiesten sind bleibt offen. Über Hybridautos oder intelligente Kraftstoffreduktion spricht der Formel1 Deutsche weniger gern. Lieber weiter in die ökologische Katastrophe schlittern Dummmensch errectus.
ein-dummer-junge 31.08.2014
5. 78.200 Euro
fuer ein Auto ohne Dach ? Fuer Jungs mit zu kleinen Pen...? Ich brauche so eine Kiste nicht und kann mein Geld sinnvoller anlegen als in einen Spritfresser
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