Autogramm BMW M6 Coupé: Anzug im Anzug

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Autogramm BMW M6 Coupé: Der Reichen-Beschleuniger Fotos
BMW

560 PS, von 0 auf 100 in 4,2 Sekunden - die M GmbH hat das 6er Coupé von BMW ganz schön aufgebrezelt. Anders als seine Schwestermodelle ist der M6 aber optisch kein aufgepumpter Krawallhocker, sondern ein eleganter Gran Turismo - und wird auf Knopfdruck sogar ganz zahm. Naja, fast.

Der erste Eindruck: Für ein Auto mit dem M-Emblem sieht das M6 Coupé fast schon zurückhaltend aus. Während man Fahrzeuge wie das 1M Coupé oder den M3 gedanklich eher vor Fitnessstudios parkt, kann man mit dem M6 auch problemlos bei der Schwiegermutter im Villenviertel vorfahren.

Die BMW M GmbH hat sich mit wulstigem Spoilerwerk zurückgehalten. Lediglich die üppigeren Lufteinlässe in der Front und der angedeutete, von den obligatorischen vier Endrohren eingerahmte Diffusor verrät auf Anhieb die Kraftkur für das Coupé. Und das Dach in seiner Carbon-Optik schreit ganz, ganz laut "Performance!" - sieht aber gleichzeitig auch irgendwie schick aus.

Das sagt der Hersteller: Die M GmbH nennt das M6 Coupé einen "Hochleistungssportwagen mit überlegenen Performance-Eigenschaften und besonders exklusivem Charakter". Die Tüftler von BMWs Motorsport-Sparte sind stolz auf technische Details wie den "zylinderbankübergeifenden Abgaskrümmer", dessen einzelne Rohre so zu den beiden Turbos geführt sind, dass diese in einem äußerst harmonischen Takt von den Abgasen bespielt werden.

Außerdem wurden Fahrwerk und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit viel Liebe zum Detail abgestimmt, wie dafür zuständige Ingenieure bei der Vorstellung des Fahrzeugs in Spanien beteuerten.

Doch trotz aller Liebe zum Schnellsein wird auch der Nachhaltigkeitsgedanke nicht vergessen, zumindest auf dem Papier. Die Kaufmännische Geschäftsführerin der M GmbH, Anita Tonini, nennt das M6 Coupé bei der Präsentation die "effizienteste Form dynamischen Fahrens" und ist stolz auf eine Verbrauchsreduktion um 30 Prozent im Vergleich zum Vorgänger - 9,9 Liter schluckt das Coupé nach Herstellerangaben auf 100 Kilometer, und die, so Tonini, "kann man auch tatsächlich erreichen". Dass sie das betonte, macht natürlich stutzig, doch dazu später mehr.

Das ist uns aufgefallen: Dass sich das M6 Coupé für eine Fuhre dieses Kalibers (immerhin wiegt der Wagen zwei Tonnen) tatsächlich erstaunlich behände um die Kurven scheuchen lässt. Dabei schickt der V8-Motor im Bug mit seinen 560 PS und seinen 680 Newtonmeter Drehmoment genug Kraft an die Hinterachse, um den überraschend guten Grip jederzeit zu pulverisieren und spektakuläre Drifts zu ermöglichen - was die meisten Kunden mangels eigener Rennstrecke aber natürlich nicht werden ausprobieren können.

Natürlich ist das M6 bei aller Dynamik aber kein Sportwagen, sondern ein bis zur Halskrause beladenes Luxus-Coupé, dessen Extras man mit einer Armada von Knöpfchen orchestrieren kann. Auch die Performance des M6 lässt sich auf Knopfdruck verstellen. Motorcharakteristik, Lenkung und Fahrwerk lassen sich jeweils in die Modi Comfort, Sport und Sport Plus wählen. Außerdem lässt sich die Schaltfreudigkeit des Doppelkupplungsgetriebe in drei Stufen verstellen.

Wer aus den zig verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten sein Lieblings-Setup gefunden hat, kann es abspeichern und über die zwei M-Tasten im Lenkrad jederzeit wieder abrufen - beispielsweise ein Setup für komfortables Fahren und eines für sportliches Fahren.

Es ist schon erstaunlich: Irgendwie führt die ganze Digitalisierung und Elektronisierung im Automobilbau dazu, dass man sich im Auto mehr und mehr fühlt wie bei einem Rennspiel auf der Playstation. Hier einen Regler hochziehen, da einen Knopf drücken und schon verändert sich das Fahrverhalten - nur, dass es das jetzt auch in der Realität tut.

Harte Wahrheit ist übrigens auch der Verbrauch. Die angegebenen 9,9 Liter haben wir nämlich nicht erreicht. Selbst bei extrem defensiver Fahrweise auf spanischen Land- und Schnellstraßen zeigte der Bordcomputer nie weniger als 12 Liter an. Nicht, dass sich die angepeilte Zielgruppe wirklich ernsthaft wegen des Verbrauchs sorgen würde - aber auch hier zeigt sich mal wieder, dass die vom Normzyklus abgeleiteten Verbrauchswerte Fabelwerte sind.

Das muss man wissen: Das M6 Coupé kostet 131.000 Euro und damit rund 40.000 Euro mehr als das 650i Coupé. Dafür bekommt man, mal knapp zusammengefasst: rund 150 PS mehr, außerdem das Doppelkupplungsgetriebe, ein aktives Sperrdifferenzial, das deutlich sportivere Fahrwerk, Carbon/Keramikbremsen sowie eine sportlichere Optik inklusive Carbondach.

Das werden wir nicht vergessen: Den wirklich erstaunlichen Anzug des V8-Motors mit seinen zwei Turboladern, der quasi kein Turboloch kennt und das volle Drehmoment zwischen 1500 und 7200 Umdrehungen pro Minute bereitstellt. Und fast noch mehr das trockene, knackige Schnalzen, mit dem das Doppelkupplungsgetriebe die Gänge reinhaut.

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insgesamt 28 Beiträge
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    Seite 1    
1. Sportelefant
gegen_den_strom 25.06.2012
Oh, eine Sportelefant. Das Fahrzeug für alljene, die noch einen dringenden Termin im Krankenhaus haben.
2.
TylerD. 25.06.2012
Ich müsste schon einiges in der Garage haben bevor so ein fettes Schiff dazu käme. Heiß sieht er aber schon aus.
3. meine Welt bricht zusammen...
mori1982 25.06.2012
Zitat:"Nicht, dass sich die angepeilte Zielgruppe wirklich ernsthaft wegen des Verbrauchs sorgen würde - aber auch hier zeigt sich mal wieder, dass die vom Normzyklus abgeleiteten Verbrauchswerte Fabelwerte sind." Ich hab doch hier sovielen Foristen geglaubt, die ernsthaft und immer wieder berichten, das sie mit ihren Fahrzeugen unter den NFZ Angaben des Herstellers bleiben. Nun schreibt der Spiegel, das dies Fabelwerte seien. Ich bin zutiefst verunsichert , sollten die ganzen Foristen euphemistische Wichtigtuer sein, oder fahren sie wie das australische Paar welches den Weltrekord hält im Schnitt 54,2 km/h?
4. 54,x km/h...
ramuz 25.06.2012
.... im kombinierten Stadt / Land-Verkehr ist gar nicht so schlecht. Die Leopoldstrasse-rauf-und-runter-Showpeople schaffen das nie.... *ggg*
5.
saschad 25.06.2012
Zitat von mori1982Zitat:"Nicht, dass sich die angepeilte Zielgruppe wirklich ernsthaft wegen des Verbrauchs sorgen würde - aber auch hier zeigt sich mal wieder, dass die vom Normzyklus abgeleiteten Verbrauchswerte Fabelwerte sind." Ich hab doch hier sovielen Foristen geglaubt, die ernsthaft und immer wieder berichten, das sie mit ihren Fahrzeugen unter den NFZ Angaben des Herstellers bleiben. Nun schreibt der Spiegel, das dies Fabelwerte seien. Ich bin zutiefst verunsichert , sollten die ganzen Foristen euphemistische Wichtigtuer sein, oder fahren sie wie das australische Paar welches den Weltrekord hält im Schnitt 54,2 km/h?
Es ist m.E. eine Sache, ob man den Normverbrauch im Alltag erreichen kann (das funktioniert nach meiner Erfahrung nicht). Es ist eine andere Sache, wenn man selbst bei (geratenen) Tempo 90-100 auf spanischen Schnellstraßen noch mehr als 20 Prozent über dem Wert bleibt, den der Hersteller für den Drittelmix angibt. Das nämlich sollte nach meiner Meinung schon zu schaffen sein.
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Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: M6 Coupé
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.395 ccm
Leistung: 560 PS (412 kW)
Drehmoment: 680 Nm
Von 0 auf 100: 4,2 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,9 Liter
CO2-Ausstoß: 232 g/km
Kofferraum: 460 Liter
Gewicht: 1.925 kg
Maße: 1898 / 1899 / 1374
Preis: 123.600 EUR

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