BMW X1 28i: Heiserer Kraftprotz

Von Tom Grünweg

BMW geht den nächsten Schritt beim Thema Downsizing. Ein Vierzylindermotor mit Direkteinspritzung und Turbolader ersetzt künftig den Sechszylinder-Sauger und lockt mit mehr Fahrspaß bei weniger Verbrauch. Den Einstand gibt der Motor im X1.

BMW X1 28i: Weniger ist diesmal mehr Fotos

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen - diese eherne Weisheit, die Männer mit Benzin im Blut bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Besten geben, hat längst ihre Gültigkeit verloren. Ein gutes Beispiel dafür bietet BMW. In den vergangenen Jahren haben die Münchener erst den Zwölfzylinder-, dann den V8- und zuletzt den Sechszylinder-Motor auf Turbotechnik umgerüstet. Jetzt bekommen auch die Vierzylinder-Aggregate der Bayern einen Lader. "So können wir bei weniger Hubraum mehr Leistung erzeugen und gleichzeitig den Verbrauch senken", sagt Fritz Steinparzer. Er leitet bei BMW die Entwicklung der Benziner stellte den neuen 245 PS-Motor jetzt im Kompakt-SUV X1 28i erstmals zur Testfahrt bereit. Dort ersetzt die Maschine den bisherigen Sechszylinder-Saugmotor und will mit 1,5 Litern weniger Sprit auskommen.

Nur durch den Turboeinsatz war das nicht zu schaffen. Steinparzer und sein Team setzten vielmehr beim Aggregat "N20" auf das von den größeren Motoren bekannte "Twin-Scroll"-Prinzip. Dabei werden die Abgasströme von jeweils zwei Zylindern auf getrennten Wegen und in spiralförmigen Röhren zum Turbinenrad des Turboladers geführt. Die Entwickler nutzen so die pulsierenden Gasströme, um die Schaufeln des Turbos kraftvoll und verzögerungsfrei in Bewegung zu setzen. "Der Lader spricht auch bei niedrigen Drehzahlen schnell an und kennt kein Turboloch mehr", sagt Steinparzer. Im Verbund mit der Benzindirekteinspritzung, die mit bis zu 200 bar Druck arbeitet sowie mit dem voll variablen Ventiltrieb schafft das die Voraussetzungen für mehr Leistung bei weniger Verbrauch.

Dass nun zwei Zylinder weniger unter der Haube stecken, ist bei der ersten Testfahrt kaum festzustellen. Selbst wenn man die Ohren spitzt und konzentriert dem Motorgeräusch nachspürt, gehen die Klangunterschiede schon knapp jenseits des Schritttempos im Rollen der Reifen und dem Rauschen des Windes unter. Allenfalls beim Vollgassprint fehlt vielleicht der charakteristische Bariton, der den größeren Motor auszeichnete. Der Vierzylinder klingt dagegen seiner Bauart gemäß ein wenig heiserer.

Leichter, sparsamer - und stärker

Dafür entschädigt der Vierzylinder mit dem besseren Sprintvermögen. Mit 350 Nm bietet er 40 Nm mehr Drehmoment als der bisherige Sechszylinder. Dadurch und wegen des neu übersetzen Getriebes kommt er noch schneller in Fahrt: 6,1 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf Tempo 100 (vorher 6,8 Sek.); als Höchstgeschwindigkeit sind 240 km/h möglich (bislang 230 km/h). Das beste Argument liefert allerdings der Verbrauchswert: Der liegt nun auf dem Prüfstand bei 7,9 Liter und deklassiert damit den Vorgänger, der sich unter den gleichen Bedingungen 9,4 Liter genehmigte.

Fürs sportliche Fahrgefühl und aus Gründen der Preiskosmetik kombiniert BMW den neuen Motor im X1 auch mit einem Schaltgetriebe samt Start-Stopp-Funktion, das kurz und knackig abgestuft ist. Wer mehr Komfort wünscht, erhält gegen Aufpreis eine Automatik, die nun sogar acht Gänge hat. Warum es aber in diesem Fall keine Start-Stopp-Funktion gibt, kapiert man nicht. Mit der Technik wäre das Auto noch sparsamer geworden.

Aber man spart mit dem neuen Motor ja nicht nur an der Tankstelle. Sondern mit dem Hubraum und dem CO2-Ausstoß sinkt auch die Kfz-Steuer. Statt bislang 258 Euro zahlt man künftig lediglich 166 Euro im Jahr. Außerdem ist der neue X1 28i zum Preis von 40.400 Euro mit Schaltgetriebe um 2000 Euro billiger als das alte Modell mit Automatik. Bestellt man auch den neuen Wagen mit Automatik, kostet er allerdings 50 Euro mehr als bislang.

Karriere steht erst am Anfang

In welchen Modellen der neue Vierzylindermotor als nächstes angeboten wird, darum machen die BMW-Mannen noch ein Geheimnis. "Nur für eine Baureihe haben wir den Aufwand sicher nicht betrieben", orakelt Holger Jeebe aus dem Marketing. Dass die Maschine in den nächsten Monaten im neuen BMW 1er und später im neuen 3er zum Einsatz kommen wird, sein "nicht ganz unwahrscheinlich". Dass BMW aber künftig vollends auf Sechszylinder-Appeal verzichten werde, sei ausgeschlossen: Schließlich wurde ja auch ein nagelneuer Twin-Turbo mit sechs Zylindern entwickelt, der wiederum die V8-Motoren verzichtbar machen soll.

"Die Zahl der Zylinder ist nicht nur eine Frage der Leistung, sondern auch des Prestiges", sagt Motorenchef Steinparzer. Andererseits könne es der neue Vierzylindermotor bis in ein Oberklasse-Modell schaffen - als konventionelle Hälfte eines Hybridantriebs nämlich. "Wenn Akkus und Elektrotechnik an Bord sind, zählt jedes Gramm", sagt Steinparzer. Mit seinen lediglich etwa 140 Kilogramm ist der Leichtmetall-Vierzylinder für einen solchen Einsatz geradezu prädestiniert.

Ob im X1 oder später in anderen Modellen: Für Motorenchef Steinparzer ist der neue Vierzylinder ein weiterer logischer Schritt in der Efficient-Dynamic-Strategie. Unter den X1-Verantwortlichen sind die Lager allerdings gespalten: Während sich die einen über mehr Effizienz freuen, spekulieren die anderen auf noch mehr Dynamik. Jetzt, wo der X1 28i in der alten Form Geschichte ist, so ihre Hoffnung, wäre der Weg frei für einen X1 35i. Ebenfalls mit Twinturbo und Direkteinspritzung, aber mit drei statt zwei Litern Hubraum, 340 statt 245 PS - und vor allem wieder mit sechs Zylindern.

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Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: X1 28i
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 245 PS (180 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 240 km/h
Verbrauch (ECE): 7,9 Liter
CO2-Ausstoß: 183 g/km
Kofferraum: 420 Liter
umgebaut: 1.350 Liter
Preis: 40.400 EUR
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BMW X1 28i

Einsteigen: ...weil die zwei Zylinder nicht fehlen, man sparsamer fährt und trotzdem mehr Spaß hat.

Aussteigen: ...weil es keinen Preisvorteil gibt und beim Automatikgetriebe Start-Stopp fehlt.

Umsteigen: ...aus Audi Q5, Mercedes GLK und vielleicht auch aus dem VW Tiguan.



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