Can-Am Spyder Spielzeug für Besserverdiener

Dreirad für Erwachsene: Der Can-Am Spyder sieht aus wie eine Mischung aus Schneemobil und Motorrad mit zwei Vorderrädern. Eine Spritztour mit dem Gefährt bringt Spaß, ist aber zumindest für Kradfahrer ungewohnt. Außerdem braucht man eine gut gefüllte Geldbörse.


Ein Schneemobil für die Straße wollten die Verantwortlichen von Bombardier Recreational Products (BRP) bauen. Das Ergebnis ist der Can-Am Spyder mit zwei Vorderrädern und einem Hinterrad, und es erinnert an eine Mischung aus Schneemobil und Motorrad. Die kanadische Firma BRP ist auf dem Markt der Motorschlitten weltweit führend und verkauft das Dreirad unter dem Markennamen Can-Am. Der prangt auch auf den sogenannten All Terrain Vehicles und Quads des Unternehmens.

BRP veranstaltet jährlich ein Designforum, auf dem die Mitarbeiter künftige Projekte ausbrüten. "1996 stand das Treffen unter dem Motto: Wie können wir unser Produkt auf die Straße bringen?", sagt Etienne Guay, Designdirektor bei BRP. Schnell war klar, dass das grundsätzliche Design der Schneemobile beibehalten werden soll, und zwei Jahre später war ein erster Prototyp fertig. "Wir haben das Design immer weiter verbessert. Und das hat Zeit gekostet. Es gibt ja kein Computerprogramm mit dem Befehl: Optimiere! Wenn es das gäbe, würde ich wohl meinen Job verlieren", sagt der Chefdesigner.

Nun ist das Gefährt fertig, und ab Juli 2008 soll der Spyder SM5 mit manuellem Schaltgetriebe bei zehn Händlern in Deutschland verkauft werden. In Kanada und den USA ist das Gefährt schon seit vergangenem Jahr erhältlich. Später im Jahr soll dann die SE5-Version mit sequenziellem Automatikgetriebe folgen. Außerdem soll die Zahl der Verkaufsstellen mittelfristig auf 35 Händler in Deutschland erhöht werden.

Für den Spyder braucht man einen Autoführerschein

An der Art der Getriebe erkennt man auch die angepeilte Zielgruppen. Zum einen sind dies Leute mit Motorraderfahrung, die aber lange nicht mehr auf dem Bock saßen. Zum anderen sollen auch etwas ältere Autofahrer den Spyder kaufen, die zwar keinen Motorradführerschein besitzen, aber schon immer mal das Open-Air-Gefühl auf einem Krad erleben wollen. Für diese Klientel ist die manuelle Schaltung, die wie bei einem herkömmliche Motorrad mit einer Handkupplung und dem linken Fuß bedient wird, sicherlich ungewohnt. Andererseits werden sich erfahrene Biker wohl nur langsam mit dem automatisierten Getriebe anfreunden, bei dem die Gangwechsel durch einen Schalter am Lenker eingeleitet werden. Das Runterschalten funktioniert bei Bedarf auch vollautomatisch.

Mit dem neuartigen Fahrgefühl der Maschine - egal ob mit automatisiertem oder manuellem Getriebe - sollte man sich in aller Ruhe vertraut machen. Bevor der Fahrer den Spyder sicher in die gewünschte Richtung lenken kann, vergehen durchaus einige Kilometer. Es kann passieren, dass man ungewollt am Gashebel auf der rechten Seite des Lenkers dreht, wenn man nach links fahren möchte. Dann kann die Fahrt mit dem Dreirad schneller enden als geplant. Nach einigen Runden auf einem Testparcours, der unter anderem aus mehreren Kurven und einer Slalomstrecke besteht, kann die Spritztour auf öffentlichen Straßen losgehen. Diese Eingewöhnungsfahrt müssen potentielle Käufer und Händler absolvieren.

Burn-out nur bedingt möglich

Dass die Testrunden tatsächlich sinnvoll sind, merkt der Fahrer spätestens, wenn er mal richtig am Gashebel dreht. Der 1-Liter-V2-Motor von Rotax beschleunigt den 316 Kilogramm schweren Spyder in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und leisten 106 PS. Damit die brachiale Kraft möglichst ohne Gefahr und Verlust auf die Straße übertragen wird, ist ein umfangreiches Sicherheitssystem von Bosch an Bord. Die Stabilitätskontrolle (SCS) verhindert ein Umkippen des Fahrzeugs in engen Kurven, ein ABS das Blockieren der Reifen beim Bremsen und eine Traktionskontrolle (TCS) das Durchdrehen der Pneus. Wer an einer Ampel mit einem Kavalierstart protzen möchte, kann jedoch aufatmen: Die Traktionskontrolle greift nämlich erst ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h oder bei eingeschlagenem Lenker, wenn das Gefährt mit dem Heck auszubrechen droht.

Um die Geschwindigkeit des Spyder zu drosseln, reicht ein Tritt auf die Fußbremse - einen Handbremshebel gibt es nicht. Die Bremskraft wird automatisch auf die beiden Vorderräder und das Hinterrad verteilt. Das wird von einem kohlenstofffaserverstärktem Kunststoffriemen in Bewegung gebracht, der - je nach Einsatzort - alle 50.000 Kilometer gewartet werden sollte.

Wer sich den Spyder als Alternative zu einem Auto oder Motorrad kaufen will, sollte gewarnt sein. Das Fahrzeug bietet zwar Open-Air-Fahrspaß wie ein Krad und ein umfangreiches Sicherheitssystem, es vereint aber auch die Nachteile der beiden Fortbewegungsmittel: Bei Regen wird man nass, und man benötigt einen vollwertigen Parkplatz. Noch abschreckender könnte der Preis wirken - man muss mindestens 17.299 Euro auf den Tisch legen. Dafür bekommt man schon einen offene Version des Nissan Micra und für etwas mehr Geld den feschen Daihatsu Copen. Verfügt man jedoch über eine entsprechend gefüllte Geldbörse und eine Reihe Alternativvehikel, kann man mit dem Can-Am Spyder viel Spaß haben.



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