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Autogramm Chevrolet Camaro: Endlich macht er Sport

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Autogramm Chevrolet Camaro: Sportlicher Ehrgeiz Fotos
Chevrolet

Der neu aufgelegte Chevrolet Camaro war bislang ein Muscle-Car: Beschleunigung maximal, Straßenlage egal. Die neue Generation aber rückt jetzt den deutschen Sportwagen auf die Pelle.

Der erste Eindruck: Der Chevrolet Camaro ist ein alter Bekannter. Obwohl nur zwei Bauteile vom Vorgängermodell übernommen wurden - Markenemblem und Typenkürzel - sieht das Coupé so aus wie immer und ist trotzdem kein bisschen Retro.

Das sagt der Hersteller: "Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als ein Auto wie den Camaro weiterzuentwickeln", klagt Chevrolet-Chef-Ingenieur Al Oppenheiser. Was taten Oppenheiser und sein Team? "Wir haben mit Tausenden Fahrern des aktuellen Modells gesprochen und sie gefragt, was sie an der fünften Generation lieben und von der sechsten erwarten", berichtet der Projektleiter.

Mark Reuss, der die Entwicklung im gesamten GM-Konzern leitet, formuliert das so: "Camaro-Fans bieten wir damit weiterhin eine Design-Ikone mit jetzt noch besserer Performance, sprechen aber zugleich eine neue Generation von Sportwagenfahrern an."

Das ist uns aufgefallen: In der Tiefgarage enttäuschten zunächst der verdächtig leise Motorklang, dann das nervige Rangieren aufgrund der miesen Rundumsicht und des extrem breiten und langen Bugs. Doch wenn das Ortsschild im Rückspiegel immer kleiner wird, verschwindet auch die Skepsis. Schon die erste Kurve nimmt der Camaro mit einer bislang ungeahnten Leichtigkeit, taucht früher ein und lässt sich zielgenau zum Scheitelpunkt führen. Wer dann wieder aufs Gas tritt, wartet vergeblich auf das von den Vorgängern bekannte Ausbrechen des Hecks.

Bislang stand der Camaro nur für einen kurzen Ausritt in den Hügeln hinter Los Angeles zur Verfügung, wo es zwar jede Menge Kurven, aber leider auch strenge Tempolimits und viele Polizisten gibt. Trotzdem kann man auch nach der Spritztour so viel sagen: Wirkte der Camaro in der vorangegangenen Generation wie ein Bodybuilder, der vor Kraft kaum laufen kann, gibt der Wagen jetzt den Leichtathleten. Es fehlt dem Neuen zwar ein bisschen am großen Drama, am Donnerhall des Motors beim Kickdown, am Qualm und am Quietschen der Reifen und, ja, auch am Nervenkitzel, den ein instabiles Heck auslöst. Doch dafür ist der neue Camaro jetzt einem Porsche 911 fast näher als einem BMW M4 oder Audi RS5.

Dass der neue Camaro so viel besser ums Eck geht als sein Vorgänger, hat mehrere Gründe: Er ist etwas kompakter und deshalb handlicher geworden. Er ist zwei Zentner leichter, weil zum Beispiel viele Komponenten des neuen Fahrwerks aus Aluminium statt Stahl gefertigt oder der neue Instrumententräger ebenfalls aus Aluminium gegossen wurden. Allein dort spart der Abschied vom Stahl 4,2 Kilo, rechnen die Entwickler vor. Entsprechend weniger Gewicht muss man um die Ecken wuchten. So schafft er laut Chevrolet in seiner Klasse konkurrenzlose Querbeschleunigungswerte von bis zu 0,97 g und kommt mit 345er Bremsen vorn und 338er Bremsen hinten auch schneller wieder zum Stehen.

Außerdem steht er auf einer neuen Plattform, die er sich mit dem Cadillac ATS teilt, die aber zu 70 Prozent Camaro-spezifische Teile nutzt. Sie ist rund ein Drittel steifer als bisher, sodass sich das Coupé auch von Bodenwellen und anderem Unbill nicht aus der Ruhe bringen lässt und sich in Kurven nicht mehr so stark verwindet.

Dazu gibt es vorn eine neue Multilenkerachse mit doppelter Radführung für ein besonders präzises Lenkgefühl und hinten eine ebenfalls neue Fünflenkerachse, mit der die Kraftübertragung verbessert werden soll. Wer noch mehr Präzision will, bestellt die Magnetic-Ride-Dämpfer aus der Corvette, die sich mit elektromagnetisch gesteuerten Metallpartikeln im Dämpferöl bis zu 1000 Mal pro Sekunden den Fahrbahnverhältnissen anpassen.

Die alte Power gepaart mit neuer Präzision - diese Kombination soll die bisherigen Camaro-Fans bei der Stange halten. Die neue Generation von Sportwagenfahrern hingegen soll gelockt werden mit einer modernen Ausstattung. Zwischen den Cockpit-Instrumenten ist ein großer Bildschirm platziert und in der Mittelkonsole gibt's ein zweites Display, auf dem sich ähnlich detaillierte Grafiken ablesen lassen wie im Leitstand eines Formel-1-Teams. Zudem bietet der Wagen eine LED-Ambientebeleuchtung in 24 Farben. Fast wirkt der Camaro wie ein Auto aus einem Telespiel.

Vor allem aber haben die Amerikaner endlich die Liebe zum Detail entdeckt. Denn der letzte Camaro war innen eine billige Plastikhütte, der neue schafft es in die Kategorie schickes Apartment. Die Luftausströmer mit einer integrierten Temperaturregelung sind, das muss man anerkennen, hübscher gestaltet als etwa im Audi TT.

Das muss man wissen: Während die Fans in Europa noch bis nächstes Jahr auf den Camaro warten müssen, hat die Auslieferung in den USA bereits begonnen. Dort gibt es neben dem V8-Motor aus dem Testwagen noch einen 2,0-Liter-Turbo mit 275 PS und 400 Nm sowie einen V6-Saugmotor, der aus 3,6 Liter Hubraum 335 PS und 385 Nm schöpft sowie mit einer Zylinderabschaltung ausgerüstet ist.

Die US-Preise sind, wie immer bei solchen Muscle-Cars, lächerlich niedrig. Das Basismodell kostet 25.700 Dollar und selbst der Camaro SS mit V8-Ballermann kostet lediglich 37.295 Dollar. Für diese Summe gibt es europäische Konkurrenten wie den Mercedes C 63 oder den BMW M4 selbst in den USA nicht einmal als Gebrauchtwagen. Zwar wird sich am Preisgefüge durch den EU-Export nichts ändern, aber ganz so billig dürfte es hierzulande dennoch nicht werden. Nachdem schon das Vorgängermodell mindestens 39.990 Euro kostete, muss man künftig wohl mit 45.000 Euro kalkulieren.

Das werden wir nicht vergessen: Der neue Biss beim Bremsen, die ungewohnte Schärfe in der Lenkung und überhaupt das Gefühl, dass man dieses Pony-Car nicht mehr wie ein Wildpferd bezwingen muss, sondern wie ein Rennpferd ins Ziel führen kann - damit schindet Chevrolet mächtig Eindruck. Und dass es innen jetzt auch noch frisch und vornehm zugeht, erhöht nur den Spaß.

Ein Detail jedoch hätten sich die Entwickler wirklich sparen können: Die Lenkradheizung aus Konzernmodellen wie dem Opel Corsa. Denn wem bei einem Auto wie diesem nicht warm wird, dem ist auch mit solchen Extras nicht mehr zu helfen.

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insgesamt 312 Beiträge
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1. Hohe Beschleunigung und gute Straßenlage ...
westerwäller 19.12.2015
... waren eigentlich nie die wichtigsten Kriterien für Freunde von Camaro, Firebird und Co. Entspanntes Cruisen mit heruntergekurbelter Fensterscheibe und raushängendem Arm schon eher ... Außerdem: Die meisten solchen Autos werden mit Automatic-Getriebe verkauft. Welcher echte Sportwagen-Fan würde schon eine Automatic wollen?
2. Ach je...
mel80 19.12.2015
Zitat von westerwäller... waren eigentlich nie die wichtigsten Kriterien für Freunde von Camaro, Firebird und Co. Entspanntes Cruisen mit heruntergekurbelter Fensterscheibe und raushängendem Arm schon eher ... Außerdem: Die meisten solchen Autos werden mit Automatic-Getriebe verkauft. Welcher echte Sportwagen-Fan würde schon eine Automatic wollen?
Da möchte wieder ein Benz- oder Golfahrender Spiesser mittleren Alters erklären, wie wir unsere Autos fahren. Wenn der Herr sich auskennen würde, was er offensichtlich nicht kann, würde er wissen, dass die Scheibe zu schmal und der Türaufbau zu hoch ist, um bequem den Arm heraushängen zu lassen. Bei Camaro und Corvette ab C6 gleichermassen. Automatik? Ein No-Go. Die Corvette ZR1 hat auf dem Nürburgring die schnellsten Rundenzeiten erreicht. Übrigens...fasst alle europäischen Sportwagen haben inzwischen Automatik und bewegen sich mit PDK (Weichflötenschaltung) nach vorne. Die Amis legen wenigstens noch wert auf ein gutes Schaltgetriebe. Der Herr ist in Sachen US-Fahrzeugtechnik wohl irgendwo zwischen 1975 und 1985 hängengeblieben.
3.
Frank Zi. 19.12.2015
618PS aber "nur" 270km/h Top-Speed? Wie passt das zusammen? Die Beschleunigung (4,3s) ist auch nicht so, wie es 618PS vermuten lassen. Zum Vergleich: Porsche 911 Carrera (kein S, kein Turbo): 370PS, 0-100 in 4,4s, Top Speed 295km/h. Wo geht bei dem Camaro die ganze Energie verloren?
4. Design-Ikone?
combattant 19.12.2015
Ne, wirklich nicht, oder? Der Rest liest sich richtig gut, insbesondere natürlich vor dem Hintergrund des relativen Spottpreises, doch bekanntlich fährt das Auge ja auch mit.
5.
deepfritz 19.12.2015
Zitat von mel80Da möchte wieder ein Benz- oder Golfahrender Spiesser mittleren Alters erklären, wie wir unsere Autos fahren. Wenn der Herr sich auskennen würde, was er offensichtlich nicht kann, würde er wissen, dass die Scheibe zu schmal und der Türaufbau zu hoch ist, um bequem den Arm heraushängen zu lassen. Bei Camaro und Corvette ab C6 gleichermassen. Automatik? Ein No-Go. Die Corvette ZR1 hat auf dem Nürburgring die schnellsten Rundenzeiten erreicht. Übrigens...fasst alle europäischen Sportwagen haben inzwischen Automatik und bewegen sich mit PDK (Weichflötenschaltung) nach vorne. Die Amis legen wenigstens noch wert auf ein gutes Schaltgetriebe. Der Herr ist in Sachen US-Fahrzeugtechnik wohl irgendwo zwischen 1975 und 1985 hängengeblieben.
Mag sein, ich mag aber die "entspannte" Art der alten Muscle Cars. Mit einem 69er Charger oder Camaro gemütlich durch die Wüste cruisen, das ist einfach herrlich! Aber natürlich haben die meisten Fahrer andere Ansprüche.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Chevrolet
Typ: Camaro SS
Karosserie: Coupé
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 6.162 ccm
Leistung: 618 PS (455 kW)
Drehmoment: 617 Nm
Von 0 auf 100: 4,3 s
Höchstgeschw.: 270 km/h
Gewicht: 1.671 kg
Maße: 4784 / 1897 / 1348
Preis: 45.000 EUR


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