Chevrolet Camaro: Kraftmeier mit Kultfaktor

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Der Chevrolet Camaro gehört zu den USA wie Fastfood oder Bruce Springsteen; neben Ford Mustang und Dodge Charger gibt es kein berühmteres Muscle-Car. Ehe die Neuauflage des Kraftmeiers im Herbst hierzulande angeboten wird, haben wir ein Generationentreffen arrangiert.

Chevrolet Camaro: Rassiges Muscle-Car Fotos
Tom Grünweg

Dieses Grollen macht süchtig. Lange, bevor man ihn sehen kann, hört man den Chevrolet Camaro schon. Also rolle von fern Donner heran, lässt sein V8-Motor die Luft erzittern. Die Maschine bollert und blubbert, sprotzt und krawallt.

Die Symphonie für acht Zylinder führt übrigens nicht der neue Chevrolet Camaro auf, der sich während der Fotofahrt feuerrot ins Bild schiebt, und der im Anschluss an die Europapremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt offiziell auch in Deutschland verkauft wird. Der Sound stammt vielmehr von einem Oldtimer der Baureihe. Das Auto aus dem Baujahr 1976 gehört der zweiten Camaro-Generation an, die in den Augen vieler Fans die schönste ist. Der Wagen trägt den klassischen "Bumblebee"-Look. Quietschgelb und mit schwarzen Streifen erinnert die Lackierung an eine Hummel - und hierzulande manchen Beobachter vielleicht auch an die Vereinsfarben von Borussia Dortmund.

Wenn sich der Camaro in den Rückspiegel schiebt, löst das fast immer Respekt, vielleicht sogar Ehrfurcht beim Vorausfahrenden aus. Doch der Auftritt ist weitgehend Show: Viel mehr als einen bösen Scheinwerferblick und das tiefe Grollen darf man von diesem Modell heute nicht mehr erwarten. "Der braucht ein wenig Liebe und Geduld", hatte man uns bei der Schlüsselübergabe noch zugerufen und auf das hohe Alter und die üppige Laufleistung hingewiesen.

Während der neue Wagen buchstäblich ein Muscle-Car ist und mit 432 PS absolut austrainiert antritt, lebt der Klassiker vor allem vom Mythos, weniger von den 165 PS, die ihn befeuern. Mitte der siebziger Jahre war von der ursprünglichen Kraft und Vitalität, mit der die erste Generation Muscle-Cars zehn Jahre zuvor für Furore gesorgt hatte, nicht mehr viel übrig geblieben. Viel Lärm um nichts könnte man daher das Spektakel nennen, das der Oldie aufführt, wenn man das Gaspedal durchtritt. Als gingen Leistung und Drehmoment auf dem Weg durch die Dreigang-Automatik in Richtung Hinterachse irgendwo verloren, kommt der Camaro nur sehr bedächtig in Fahrt. Kaum zu glauben, dass dieses Auto einst binnen 9,9 Sekunden auf Tempo 100 spurtete und mit einer Tachoskala, die bis 220 km/h reicht, locker auskam.

Starrachse und Blattfedern dämpfen die Lust am Schnellfahren

Mit ein bisschen Tuning würde der Wagen sicher wieder zum Gelegenheits-Racer. Immerhin zählt der Camaro zu jenen US-Modellen, die bis heute am meisten veredelt oder zumindest verändert werden. Doch wer nicht auf einem langen und geraden Highway, sondern einer kurvigen, typisch europäischen Landstraße unterwegs ist, der nimmt das gemächliche Tempo gelassen und dankbar hin. Dann nämlich stört das Fahrwerk mit Starrachse und Blattfedern im Heck nicht so sehr. Die Rustikal-Radaufhängung kann einem bei flotter Fahrt gehörig ins Schwitzen bringen.

In den weichen Ledersitzen wird man unweigerlich zum Cruiser, zumal auch die sonst für Sportwagen typische Enge fehlt. Dieses Auto ist weit und lässig - in jeder Hinsicht. Der Begriff Seitenhalt war offenbar unbekannt, als die Camaro-Sitze gepolstert wurden. Auch das ist ein Grund, weshalb man den Wagen keinesfalls so richtig ausreizen will. Stattdessen ist man vollauf damit beschäftigt, am Steuer wenigstens halbwegs so cool zu wirken wie das Auto. Und wenn man schon keine Plüschwürfel dabei hat, um sie am Innenspiegel baumeln zu lassen, lässt man wenigstens den Arm aus dem Fenster hängen. Das verschafft zudem die dingend nötige Abkühlung und bringt überdies diesen wunderbaren Motorsound noch ein bisschen besser zu Gehör.

Die Geschichte des Camaro begann 1966, als General Motors dem Erfolg des Ford Mustang nicht länger tatenlos zusehen mochte. Der Mustang, quasi die Mutter aller Pony-Cars, trabte seit April 1964 über die Highways und macht der Konkurrenz eindrucksvoll bewusst, wie dringend ihr ein billiger, sportlicher Wagen für die automobile Adoleszenz fehlte.

Ein Auto nach der klassischen Formel "long hood, short deck"

General Motor reagierte, indem aus dem kreuzbraven Chevy II der Camaro wurde. Das Auto wurde mit allem garniert, was die gängigen Schlüsselreize bedient: Es gab Einzelsitze statt der damals üblichen Kuschelbank in Reihe eins, es gab große, potente Motoren, es gab mehr als 80 Optionen zur Individualisierung - und der Camaro erhielt vor allem das inzwischen klassische Muscle-Car-Design. "Long hood, short deck" (lange Haube, kurzes Heck) heißt die Formel, die auch fast 50 Jahre später noch funktioniert.

Was den Erfolg des Camaro über all die Jahre ausmachte - in bislang fünf Generationen wurden insgesamt mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft - waren nicht nur sein hemdsärmeliges Design und seine großvolumigen Motoren, sondern es war vor allem der Preis. Das ist noch immer so. In den USA startet die jüngste Auflage des Klassikers bei etwas mehr als 22.000 Dollar. Umgerechnet in Euro gibt es für das Geld bei einem deutschen Autohändler nicht einmal einen VW Golf GTI. Ganz so billig werde das Auto in Europa zwar nicht verkauft, sagt Chevrolet-Sprecher Rej Husetovic, doch wolle man auch auf dieser Seite des Atlantiks eine Art Preisbrecherrolle spielen. Das Coupé soll deshalb fab 38.990 Euro und das Cabrio ab 42.990 Euro zu haben sein.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Entäuscht
wakaba 09.09.2011
Neuer Camaro ist ganz hübsch. Schade das als Vergleich ein müder und verrotzer Wagen mit Wartungstau und der Kommissausstattung herangezogen wurde. Die erste Camaro Generation wäre auch vom Design passender gewesen. Hatte mal einen 69er Nova mit 350 SB und 4 Gang Muncie. Wers kennt weiss das Camaro und Nova untenrum identisch sind. Das Auto war eine absolute Rakete und ging auch mit der Starrachse sehr gut um die Ecke, auch wenn man schnell mal ins Untersteuern kam - ein Gasstoss richtete den Wagen wieder aus und zwar bei jeder Drehzahl. Autos aus der SMOG Periode, ab 1972-, kann man getrost eintüten. Die Abgasrückführung, Luftpumpe und kastrierten Vergaser - es macht schlicht keinen Spass sowas zu fahren.
2. 99er Camaro z28
musikkuss 09.09.2011
Ich habe mir vor 1 Jahr einen 99er Camaro mit 118'000 Km zugelegt für 8000 Euronen... Motor 5,7 Liter V8! Der gleiche Motor wie in der Corvette C5! Ein Fiat 500 hätte doppelt so viel gekostet, grins... Magnaflow Auspuff in England bestellt, macht 14% mehr Leistung und Drehmoment (ca 320PS und 380 Nm) und Bombensound vom tiefen, dumpfen Grollen bei tiefen Drehzahlen bis zum Brüllen, ohne dabei aggressiv laut oder blechern zu werden. Im Gegensatz zu den besprochenen Oldtimern mit Vergasermotor hält sich der Spritverbrauch dank Einspritzung und Alumotor in akzeptablen Grenzen: Autobahn bei 120-140 kmh 8 L, Durchschnitt 10 bis 12, je nach Fahrweise... Anders als europäische Autos, laufen die Amis dank relativ einfacher Technik gut und gerne 300'000 Km! Das Beste ist allerdings der Fahrspass: Passstrassen und kurvenreiche Nebenstrassen sind eine Wonne, da hat sich schon manch Audi/BMW/Benzfahrer erstaunt die Augen gerieben, erst recht auf der Autobahn... Ein Nachteil gibt es: Schnee und Eis mag der Camaro gar nicht, da wird er zur Heckschleuder! Abgesehen davon ist er alltagstauglich.
3. 99er Camaro z28
musikkuss 09.09.2011
Ich habe mir vor 1 Jahr einen 99er Camaro mit 118'000 Km zugelegt für 8000 Euronen... Motor 5,7 Liter V8! Der gleiche Motor wie in der Corvette C5! Ein Fiat 500 hätte doppelt so viel gekostet, grins... Magnaflow Auspuff in England bestellt, macht 14% mehr Leistung und Drehmoment (ca 320PS und 380 Nm) und Bombensound vom tiefen, dumpfen Grollen bei tiefen Drehzahlen bis zum Brüllen, ohne dabei aggressiv laut oder blechern zu werden. Im Gegensatz zu den besprochenen Oldtimern mit Vergasermotor hält sich der Spritverbrauch dank Einspritzung und Alumotor in akzeptablen Grenzen: Autobahn bei 120-140 kmh 8 L, Durchschnitt 10 bis 12, je nach Fahrweise... Anders als europäische Autos, laufen die Amis dank relativ einfacher Technik gut und gerne 300'000 Km! Das Beste ist allerdings der Fahrspass: Passstrassen und kurvenreiche Nebenstrassen sind eine Wonne, da hat sich schon manch Audi/BMW/Benzfahrer erstaunt die Augen gerieben, erst recht auf der Autobahn... Ein Nachteil gibt es: Schnee und Eis mag der Camaro gar nicht, da wird er zur Heckschleuder! Abgesehen davon ist er alltagstauglich.
4. Lösung
Lazarus Long 09.09.2011
Zitat von musikkussIch habe mir vor 1 Jahr einen 99er Camaro mit 118'000 Km zugelegt für 8000 Euronen... Motor 5,7 Liter V8! Der gleiche Motor wie in der Corvette C5! Ein Fiat 500 hätte doppelt so viel gekostet, grins... Magnaflow Auspuff in England bestellt, macht 14% mehr Leistung und Drehmoment (ca 320PS und 380 Nm) und Bombensound vom tiefen, dumpfen Grollen bei tiefen Drehzahlen bis zum Brüllen, ohne dabei aggressiv laut oder blechern zu werden. Im Gegensatz zu den besprochenen Oldtimern mit Vergasermotor hält sich der Spritverbrauch dank Einspritzung und Alumotor in akzeptablen Grenzen: Autobahn bei 120-140 kmh 8 L, Durchschnitt 10 bis 12, je nach Fahrweise... Anders als europäische Autos, laufen die Amis dank relativ einfacher Technik gut und gerne 300'000 Km! Das Beste ist allerdings der Fahrspass: Passstrassen und kurvenreiche Nebenstrassen sind eine Wonne, da hat sich schon manch Audi/BMW/Benzfahrer erstaunt die Augen gerieben, erst recht auf der Autobahn... Ein Nachteil gibt es: Schnee und Eis mag der Camaro gar nicht, da wird er zur Heckschleuder! Abgesehen davon ist er alltagstauglich.
Für den Winter empfehle ich Ihnen einen Jeep Grand Cherokee in der 5.2 oder 5.9 L V8- Ausführung. Wo der nicht hinkommt kommt niemand hin. Das kantige Design (bis BJ. 1999) finde ich auch heute noch zeitlos und das Auto ist (anders als die Neuauflage Bj. 1999-2003) problemlos selbst zu warten. In der LTD-Ausstattung haben Sie alles was das Herz begehrt, und mit 212PS hat der Wagen genug Dampf für schnelle Überholsprints auf der Landstrasse oder auf der Autobahn. Einiger Wermutstropfen: Spritverbrauch nicht unter 14 L.
5. Schade...
Eskarion 09.09.2011
das die Stones aus England kommen...
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