Autogramm Chevrolet Corvette Z06 Dampfansage

Das Klischee vom röhrenden Rotlicht-Renner klebt hartnäckig an der Corvette, doch es stimmt längst nicht mehr. Die neue Generation bietet echte Sportwagen.

Mueller/Chevrolet

Der erste Eindruck: Lang, flach, breit und angriffslustig - so muss ein Sportwagen aussehen.

Das sagt der Hersteller: An Superlativen spart Chevrolet nicht bei diesem Auto. "Die Leistung der neuen Corvette Z06 und ihre technischen Fähigkeiten machen sie zu einem der begehrlichsten Supersportwagen unserer Zeit", sagt Thomas Sedran, der für General Motors in Europa die Geschäfte von Chevrolet und Cadillac führt. Ein weiterer Superlativ lässt sich problemlos belegen: Mit 659 PS ist das Modell Z06 nicht nur die stärkste Serien-Corvette in der 62-jährigen Geschichte des Sportwagens, sondern zugleich das stärkste Fahrzeug im General-Motors-Portfolio insgesamt. Selbst bei der Konkurrenz wird die Auswahl dünn in dieser Klasse. Darauf sind Corvette-Leute so stolz, dass sie Leistung und Drehmoment auf eine Plakette gravieren und die in der Mittelkonsole anbringen.

Das ist uns aufgefallen: Nur einmal kurz das Gaspedal gestreichelt, schon beginnt das Corvette-Heck zu schwänzeln. Merke: Wer zum ersten Mal in der Z06 sitzt, sollte kühlen Kopf bewahren und auf warme Reifen warten - nicht umsonst ist der Sportwagen eines der ganz wenigen Autos, bei denen auch die Reifentemperatur angezeigt wird.

Wenn die 335er-Walzen auf der Hinterachse dann warm sind, kennt die Corvette kein Halten mehr. Die Gummis kleben dann regelrecht am Asphalt und ermöglichen dem Fahrer einen Katapultstart. Von 0 auf 100 in 3,4 Sekunden und danach ungehemmt weiter bis weit über 300 km/h - da wird auch die breiteste Straße ganz schön schmal und der beste Klimasitz kann nicht verhindern, dass einem das Hemd am Rücken klebt.

Der gelbe Donnerkeil hat Kraft wie eine Dampframme und entfaltet sie explosiv. Zugleich lässt sich der US-Bolide mittlerweile sehr präzise fahren; das Fahrgefühl früherer Corvettes, in einer Rakete mit unbekanntem Kurs zu sitzen, ist passé. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und zielgenau, das Fahrwerk ist knochentrocken abgestimmt und die Carbon-Bremsscheiben sind groß wie Pizzateller, so dass man auch als Laie das Kraftpaket überraschend zuverlässig auf Kurs halten kann. Das ist wichtig, den dieses Auto lässt sich einfach nicht langsam bewegen, und leise übrigens auch nicht.

Schwammigkeit ist aber nicht das einzige Vorurteil, mit dem die siebte Generation aufräumt. Von ein paar lustlos wirkenden Zierteilen einmal abgesehen, ist das Ambiente vergleichbar mit dem von Lamborghini und Co., das Infotainment-System befindet sich ebenfalls auf Höhe der Zeit, und wenn der Wagen noch ein bisschen übersichtlicher wäre, würde alles passen. Selbst der Verbrauch hält sich im Rahmen. Wer sich zusammenreißt und zur Mäßigung zwingt, der kann mit kaum mehr als zehn Liter klarkommen. Schließlich melden sich unter Teillast vier Zylinder ab und der Kompressor bläst durch einen Bypass.

Dazu kommen pfiffige Details wie das Geheimfach hinter dem elektrisch versenkbaren Bildschirm in der Mittelkonsole, der riesige Kofferraum unter der großen Glashaube und natürlich das herausnehmbare Targa-Dach. Um es abzunehmen, muss man zwar ein bisschen fummeln, doch die frische Luft hilft, cool zu bleiben.

Das muss man wissen: In den USA ist die Z06 schon seit ein paar Monaten im Handel, nach Deutschland gelangen die ersten Modelle in diesen Tagen. Allerdings muss man für das Auto womöglich weite Wege in Kauf nehmen, denn es gibt für die Corvette hierzulande nur noch ein Dutzend Stützpunkte.

Die Preise für die neue Performance-Variante beginnen bei 109.500 Euro und liegen damit exakt 30.000 Euro über dem Basis-Modell. Für eine Corvette ist das eine stolze Ansage. Zumal für das Nürburgring-erprobte Z07-Paket mit Keramikbremsen, Cup-Reifen und verstellbaren Spoilern noch mal knapp 16.500 Euro Aufpreis fällig werden. Doch gemessen an der Konkurrenz bleibt der US-Sportler ein Schnäppchen: Ein vergleichbarer Porsche 911 GT3 RS zum Beispiel kostet 181.690 Euro.

Den Aufschlag zum Basis-Modell rechtfertigen die Amerikaner mit dem umfangreichen Tuning-Paket. Dazu zählt neben den Aerodynamik-Umbauten, der für die breiten Räder ebenfalls verbreiterten Karosserie und den stärkeren Bremsen vor allem der V8-Motor. Während das Großserienmodell mit einem 466 PS starken 6,2-Liter-Sauger ausgeliefert wird, kreischt unter der Haube der Z06 nun erstmals in der Geschichte dieser Modellvariante ein Kompressor mit bis zu 20.000 Umdrehungen pro Minute. Die Leistung steigt damit auf 659 PS. Mit der Abkehr vom 505 PS starken Siebenliter-V8 des Vorgängers hat damit ein weiterer Saugmotor das Zeitliche gesegnet.

Das werden wir nicht vergessen: Obwohl die Corvette ein Sportwagen nach alter Väter Sitte ist, geht sie mit der Zeit und wanzt sich an die Generation Play-Station heran. Die Dutzenden verschiedenen Displays im digitalen Cockpit, die Anzeigenflut der Head-up-Projektion auf der Frontscheibe und der Video-Mitschnitt des Performance-Data-Recorders auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole, das alles erinnert an ein Computerspiel. Bis man beim ersten Gasstoß begreift: Game over, jetzt ist Realität.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 149 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wiealle 30.06.2015
1. Na, dann...
...brauchen wir uns ja keine Sorgen zu machen! Der Spirit der Corvette ist zumindest hinsichtlich der technischen Daten gerettet. Jetzt braucht es nur noch Jungs, die die Eier haben, das Teil auch richtig zu fahren.
Lelas 30.06.2015
2. Klingt super
Nur dass da hinter dem Steuer ein Lude sitzen muss, das bekommt man nicht so schnell weg. Und da wäre der, der sich es leisten kann, wieder beim Porsche.
haudinei 30.06.2015
3. Schon immer...
...hat mich das Design der Corvette fasziniert und auch diesmal gefällt mir der Wagen ausgesprochen gut. Freut mich, dass das Auto in allen Belangen immer besser wird. Ich hab zwar nichts davon, aber lang lebe die Corvette!
galahad610 30.06.2015
4. hey leute,
was denn los heute? halb zehn durch und es noch niemand geschrieben wie unnütz,sinnlos,umweltverpestend oder hässlich die karre ist?kommt schon,aufwachen...ich will mit euch spaß haben! p.s.:meine ist schon bestellt.. :-)
Bin_der_Neue 30.06.2015
5. Geile Karre!
..bis auf die Auspuffanlage. Die geht nun mal gar nicht. Viel zu prollig. Hat ein 6,2 Liter V8 auch gar nicht nötig. Und für die Kangoo/Caddy/Panda Fraktion: Noch besser & unvernünftiger als ein fetter SUV. Hurra!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.