Limousinen-, SUV- und Kombifahrer schmähen Familienvans gern als Schuhschachteln. Dabei sehen die meisten dieser Autos eher aus wie flachgedrückte Eier oder Seifenblasen, in denen Kind und Kegel durch Raum und Zeit transportiert werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: den Chevrolet Orlando.
Das Großraummodell aus Korea sieht eckig aus, die Karosserie bietet dem Auge deutliche Kanten zum daran Hängenbleiben, und die Proportionen signalisieren schon von weitem Geräumigkeit. Ja, dieses Auto kommt einer Schuhschachtel optisch ziemlich nah. Offiziell trägt die Form übrigens den Namen Square-Design.
Die Optik verspricht ein sehr geräumiges Auto - und der Wagen löst diese Verheißung ein. Damit ist der Orlando schon mal all jenen Fahrzeugen voraus, die von außen großtun, bei denen man sich drinnen aber fragt, wo der ganze Platz eigentlich verschwendet wurde.
Viel Platz für alle Körperteile
Beim Orlando gilt: Kopf, Ellenbogen und Knie der Passagiere auf den vorderen fünf Plätzen können sich hemmungslos bewegen. Eng wird es erst in Reihe drei. Die ansonsten im Kofferraumboden versenkten Extrasitze taugen nicht für Erwachsene, doch wer hin und wieder Shuttledienst für eine Schar Kinder übernehmen muss, wird die serienmäßige Siebensitzigkeit des Wagens schätzen.
Lobenswert ist auch die üppige Verglasung der Kabine. Man kann aus diesem Auto nach allen Seiten ordentlich rausgucken - was leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Sogar rückwärts Einparken funktioniert mit der Fuhre ganz ohne Rückfahrkamera und Piepser. Bei der von uns gefahrenen Variante mit der Top-Ausstattung LTZ allerdings sind die genannten Einparkhilfen ab Werk an Bord.
Im Motorraum unseres Testwagens rasselte der 1,4-Liter-Turbobenziner, der erst seit wenigen Wochen für den Orlando verfügbar ist. Die Maschine leistet 140 PS und wird mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe inklusive Start-Stopp-Automatik kombiniert. Hört sich alles nach vernünftigem Downsizing und Spritsparmaßnahmen an, Chevrolet gibt als Durchschnittswert 6,2 Liter an.
Das Auto erklärt, wer wie viel Sprit verbraucht
Im Schnitt soff unser Testwagen allerdings rund drei Liter mehr pro 100 Kilometer. Vielleicht lag es an der Kälte; vielleicht lag es am Kraftstoff zehrendem Stadtverkehr und an einer zügigen Autobahnetappe mit einer Geschwindigkeit von rund 140 km/h - in Verbindung mit der aerodynamisch verkorksten Karosserie bestimmt nicht optimal -, es ist aber eigentlich egal. So oder so sind drei Liter Mehrverbrauch gegenüber dem offiziellen Wert einfach deutlich zu viel.
Chevrolet ist allerdings schlau genug, die Kritik am Verbrauchswert von vornherein zu bremsen. Denn der Wagen ist mit einem sogenannten Eco-Drive-Assistent ausgestattet. Das klingt erst mal total gewieft, ist jedoch, wie ein Firmensprecher einräumt, "eine reine Anzeichendarstellung, die Informationen darüber gibt, wie effizient und ökologisch man unterwegs ist".
Man sitzt also bei heftigem Frost im Auto, schaltet Gebläse, Heizung und heizbare Heckscheibe ein und erhält prompt die Meldung auf dem Bildschirm im Cockpit, dass allein diese Nebenverbraucher den Spritkonsum um mehr als einen halben Liter pro Stunde erhöhen. Das Radio und die Beleuchtung sind da noch gar nicht mitgezählt.
Selber schuld
Im Grunde ist diese Funktion eine Art "Selber schuld"-Vorwurf des Autos an den Fahrer: Wenn du, lieber Fahrer, kuschelig warm, mit klarer Sicht und von Musik berieselt durch den Winter brausen möchtest, dann musst du dafür eben auch ein paar Liter Sprit investieren. Wie hieß der ehemalige Opel-Slogan nochmal? "Wir haben verstanden."
Apropos Opel. Der Chevrolet Orlando basiert, ebenso wie der Opel Zafira, auf der "Global Highroof Delta"-Plattform von General Motors. Gebaut wird er allerdings nicht in Bochum, sondern im koreanischen Gunsan. Und während der Zafira als Lounge auf Rädern vermarktet wird, spielt der Orlando die Rolle des unkomplizierten Familienfreunds. Unkompliziert bedeutet in diesem Fall auch unflexibel, denn die zweite Sitzreihe beispielsweise lässt sich nicht verschieben, um zum Beispiel wahlweise die Beinfreiheit oder den Laderaum zu vergrößern.
Unkompliziert bedeutet weiterhin, dass der Wagen ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten an den Tag legt. Der Motor zieht ordentlich, das Sechsgang-Schaltgetriebe mit dem hoch platzierten Schaltknüppel lässt sich ausgezeichnet bedienen, und ansonsten rollt man in diesem Auto ohne weitere Auffälligkeiten durch den Alltag. Eines muss vielleicht noch angemerkt werden: Das Fahrwerk reagiert auf Straßenunebenheiten ruppig, und wenn es über Kopfsteinpflaster geht, poltert es ziemlich. Eine kommode Abstimmung ist das nicht.
Dafür punktet der Orlando beim Preis. Das billigste Modell mit dem neuen 140-PS-Turbomotor kostet 23.195 Euro. Der identisch motorisierte Opel Zafira kostet 25.605 Euro. Und der VW Touran mit 140-PS-TSI-Aggregat wird ab 24.975 Euro angeboten. Da kann man schon ins Grübeln kommen, vor allem wenn man ein Faible für unprätentiöses Schachteldesign hat.
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