Autogramm Chevrolet Trax: Zweiter Aufguss

Von Tom Grünweg

Chevrolet Trax: Filterkaffee statt Mokka Fotos
Chevrolet

Chevrolet steht zu Opel etwa so wie Skoda zu VW: Die Autos sind etwas schlichter und vor allem günstiger als die der deutschen Schwestermarke. Das gilt auch für den neuen Kompakt-SUV Chevrolet Trax, das Zwillingsmodell des Opel Mokka. Ist der Wagen die bessere Wahl?

Der erste Eindruck: Den hat man irgendwo schon mal gesehen. Logisch, der Chevrolet Trax und der Opel Mokka sind im Prinzip ein und dasselbe Auto. Um die Verwechslungsgefahr zu senken, trägt der Chevrolet nicht nur das "Bowtie"-Logo anstelle des Opel-Blitzes, sondern auch eine umgestaltete Frontpartie: Kühlergrill, Scheinwerfer, Schürze und sogar die Motorhaube sind anders geformt. Und auch im Interieur gibt es Unterschiede. Das Lenkrad und einige Schalter sind zwar identisch, doch bei Ambiente und Ausstattung liegen Welten zwischen den beiden Modellen. Da hat der Mokka einfach mehr Gehalt als der zweite Aufguss von Chevrolet.

Das sagt der Hersteller: Chevrolet sieht sich aufgrund des Modells Suburban von 1935 als Erfinder des Sport Utility Vehicle (SUV). Deshalb ist es für die Marke nur konsequent, dass sie jetzt auch in das Boom-Segment der Kompakt-SUVs einsteigt: mit dem Modell Trax. Der wurde gemeinsam mit dem schon seit einigen Monaten angebotenen Opel Mokka unter General-Motors-Regie in Korea entwickelt; und dort laufen beide Autos auch vom Band.

Der ständige Vergleich mit Opel und der daraus abgeleitete stetige Zwist beider Marken ist etwas, das die Chevrolet-Manager allmählich nervt. "Wir zielen mit dem Trax nicht auf den Mokka", wiederholt Chevrolet-Sprecher Rej Husetovic mantragleich; die Autos bedienten völlig unterschiedliche Zielgruppen. "Budget-Kundschaft", nennt Husetovic die Chevrolet-Klientel und erklärt damit auch gleich, weshalb der Trax vor allem innen längst nicht so fein ausgestattet ist wie der Mokka. "So erklären sich dann auch die rund 2000 Euro Preisunterschied."

Das ist uns aufgefallen: Eigentlich ist der Trax die ideale Familienkutsche. Das Auto sieht nicht so schlicht und spießig aus wie ein Kombi und ist nicht so klobig wie ein Van. Aber es bietet bei 4,25 Metern Länge innen fast genauso viel Platz: Man sitzt vorne sehr bequem und kann es hinten auch als Erwachsener ganz gut aushalten. Lediglich der Kofferraum liegt mit 356 Litern auf normalem Kompaktautoniveau.

Familienfreundlich ist auch das Fahrverhalten. Gelassen und komfortabel schwimmt der Trax durch den Verkehr, nimmt Kurven mit dem nötigen Gleichmut und behelligt den Fahrer gar nicht erst mit sonderlich konkreten Rückmeldungen von der Straße: Unebenheiten bügelt das Fahrwerk glatt und irgendwann siegt trotz der eher mitteilungsarmen Lenkung die Zuversicht, dass man schon ums Eck kommen wird.

Was noch auffällt, ist das Multimultimedia-System: Es schillert nicht nur brillant in der ansonsten eher schmucklosen Mittelkonsole, sondern es ist - anders als das Pendant von Opel - auch kinderleicht zu bedienen und technisch zwei Generationen weiter. Denn Navi & Co. sind nicht mehr vorinstalliert, sondern werden wie eine App über das Internet gebucht und heruntergeladen. Das reduziert die Preise und maximiert die Möglichkeiten. Denn es gibt neben der Navigation auch Podcasts, Internetradio sowie die Siri-Spracherkennung.

Das muss man wissen: Es gibt den Trax in Deutschland ab Mai zu Preisen ab 16.990 Euro mit drei bereits aus dem Mokka bekannten Motorisierungen - und in einigen Varianten auch mit Allradantrieb. Das Basismodell fährt mit einem 1,6 Liter großen Benziner mit 115 PS vor und ist ausschließlich als Fronttriebler verfügbar. Für Dieselfreunde steht ein 130 PS starker 1,7-Liter-Selbstzünder mit Front- oder Allradantrieb zur Verfügung, der bestenfalls 4,5 Liter verbraucht. Die wohl gängigste Motorvariante wird der 1,4-Liter-Turbobenziner aus unserem Testwagen werden. Mit 140 PS, maximal 200 Nm und Allradantrieb macht er einen quirligen Eindruck und treibt den Trax flott voran. Von 0 auf 100 in 9,8 Sekunden und maximal 194 km/h - so kann man ganz locker im Verkehr mitschwimmen.

Das werden wir nicht vergessen: Es stimmt zwar, dass Mokka und Trax bei Ausstattung und Ambiente eigene Wege gehen. Am Ende der Testfahrt aber bleibt der Eindruck, dass es eben doch die gleichen Autos sind. Die Entscheidung zwischen Trax und Mokka reduziert sich damit auf die Preis- und die Geschmacksfrage - fast so wie bei Filterkaffee und Mokka.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Unfähig
emantsol 08.04.2013
"Wir zielen mit dem Trax nicht auf den Mokka" - Entweder, die sind so dumm, oder die halten ihre Kunden für dumm. Die Folge - die Situation von Opel - kennen wir.
2.
Stelzi 08.04.2013
Zitat von emantsol"Wir zielen mit dem Trax nicht auf den Mokka" - Entweder, die sind so dumm, oder die halten ihre Kunden für dumm. Die Folge - die Situation von Opel - kennen wir.
Erklär doch mal was die Situation von Opel mit dieser Modellphilosophie von Chevrolet zu tun haben soll. Die Opel Situation ist wohl eher darin begründet, dass Opel nur in Europa verkaufen darf.
3.
a_beidel 08.04.2013
ne. opel ist einfach ne schimmlige marke.
4. optional
friespeace 08.04.2013
Opel verkauft schon seit langem nicht mehr nur in Europa. Eine Unwahrheit zu wiederholen macht sie auch nicht richtiger. Und Opel ist nicht erst seit gestern Teil von GM - das vergessen auch viele.
5. Um Längen hübscher
huettenfreak 08.04.2013
als ein VW Tiguan. Und das zum dem Preis, Respekt. Chevy macht sich!
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Hundert Jahre Chevrolet: Viel Masse, wenig Klasse

Fahrzeugschein
Hersteller: Chevrolet
Typ: Trax
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.364 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 9,8 s
Höchstgeschw.: 194 km/h
Verbrauch (ECE): 6,4 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 356 Liter
umgebaut: 785 Liter
Gewicht: 1.454 kg
Maße: 4248 / 1776 / 1674
Preis: 21.790 EUR

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