Chevrolet Volt Zukunftsauto ohne Schutzengel

Nach dem Opel Ampera soll jetzt auch der Chevrolet Volt mit seinen revolutionären Antriebskonzept Käufer in Deutschland finden. Sein Elektromotor mit Range Extender kann überzeugen. Seine Ausstattung ist jedoch von gestern.


Der 3. November 2011 ist für Chevrolet ein Datum von doppelter Bedeutung. "Der Tag markiert den 100. Geburtstag unserer Marke", sagt Deutschland-Chef Steffen Raschig, "und zugleich beginnt für uns auch eine neue Ära." Denn auf den Tag genau hundert Jahre, nachdem der Schweizer Louis Chevrolet gemeinsam mit William Durant in Detroit die Chevrolet Motor Company gründete, bringt die US-Marke jetzt auch in Europa ihr vielleicht zukunftsträchtigstes Modell auf den Markt: den Volt.

Die Limousine im Format eines klassischen Familienwagens soll den Elektroantrieb dank eines Range Extenders alltagstauglich machen und Autofahrern die Angst davor nehmen, auf offener Strecke liegen zu bleiben. Denn wenn die Akkus zur Neige gehen - rein elektrisch fährt der Volt maximal 80 Kilometer weit -, startet automatisch ein kleiner Benzinmotor. Die Maschine treibt einen Generator an und produziert so den Strom für mehr als 400 Kilometer zusätzlicher Fahrstrecke. Der Effekt: Der Chevrolet Volt ist das erste Elektroauto, mit dem man auch in den Urlaub fahren kann, ohne alle paar hundert Kilometer eine Zwangspause von mehreren Stunden einlegen zu müssen.

Das Prinzip, das unter Experten mittlerweile als tragfähigste Brückentechnologie ins Elektrozeitalter gilt, hat General Motors als erste Marke bekannt gemacht und bis zur Serienreife entwickelt. Während der amerikanischen Autokrise vor zwei Jahren war die Technologie für den Autoriesen so etwas wie der rettende Strohhalm. In den USA durfte Chevrolet den Antrieb als erster einsetzen, in Europa übernahm Opel die Rolle des "First Mover".

Chevrolet will mit dem Auto vor allem Aufmerksamkeit heischen

Die hessische GM-Schwestermarke kam dem Chevrolet Volt mit dem baugleichen Ampera sogar um ein paar Wochen zuvor. Obwohl der Ampera fast 1000 Euro mehr kostet als der 41.950 Euro teure Volt, wird vermutlich Opel - auch wegen des größeren Händlernetzes - auch mehr dieser Autos verkaufen. Immerhin gibt es bei den Rüsselsheimern europaweit bereits mehr als 5000 Vorbestellungen.

Chevrolet-Chef Raschig sieht den Volt aber ohnehin nicht als großen Umsatzbringer, zumal das Auto nur bei zehn der 300 deutschen Chevrolet-Händler im Verkaufsraum stehen wird. "Uns geht es mit dem Volt vor allem um Aufmerksamkeit für die Marke", sagt der Manager, der die Bekanntheit von Chevrolet erhöhen und ein paar alte Vorurteile ausräumen will. "Chevrolet steht nicht mehr für den alten Straßenkreuzer mit durstigem V8-Motor. Mit dem Volt beweisen wir Zukunftsfähigkeit."

Im Prinzip sind Chevrolet Volt und Opel Ampera völlig identisch

Technisch sind die beiden Autos absolut identisch und auch bei der Ausstattung gibt es kaum Unterscheide. Einzig das Design mit dem Stromliniengrill bei Chevrolet und den Opel-Scheinwerfern im Säbelzahn-Look hilft bei der Identifizierung. Wie der Ampera fährt auch der Volt spektakulär unspektakulär durch die Stadt und über Land. Er beschleunigt in etwa neun Sekunden auf Tempo 100, wird bei 160 km/h automatisch abgeregelt, und wenn der Range Extender anspringt, muss man schon genau hinhören, um die Veränderung mitzubekommen.

In beiden Autos sitzen je zwei Passagiere vorne bequem und hinten ordentlich. Hier wie dort gibt es ein futuristisches Cockpit mit geschickt kaschierten Schaltern und bunten Infografiken. Auf denen kann man nicht nur die Reichweite ablesen und einen sparsamen Fahrstil trainieren - man sieht auch den rekordverdächtigen Verbrauch. Zumindest im Normzyklus ist der US-Wagen mit 1,4 Litern Sprit zufrieden und kommt so auf einen konkurrenzlosen CO2-Ausstoß von 33 g/km.

Auch die Macken und Mängel haben beide Autos gemein - zum Beispiel die eher lieblose Materialauswahl jenseits des Cockpits, die vom eigenwilligen Heckspoiler behinderte Sicht nach hinten oder die dürftige Auswahl an elektronischen Schutzengeln: Es gibt weder Abstandsradar noch einen Notbremsassistenten. Auch die Verkehrszeichenerkennung oder die Spurführungshilfe, gibt es weder für Geld noch für gute Worte. Jeder Opel Astra oder Chevrolet Cruze bietet da mehr.

Der Vater von Volt und Ampera arbeitet nun für BMW

Doch die Unzulänglichkeiten machen die so genannte Voltec-Technologie an sich nicht schlechter. Und davon will General Motors möglichst bald noch mehr liefern. Nicht nur bei Opel oder wie vor ein paar Wochen angekündigt bei Cadillac, sondern auch bei Chevrolet. Eine elektrische Großraumlimousine oder einen kompakten Geländewagen mit Akkuantrieb zum Beispiel könnte sich Raschig gut vorstellen. "Da wären überall auf der Welt sicher noch viele Kunden zu holen. "

Bei der Entwicklung solcher Varianten sind die Amerikaner mittlerweile allerdings etwas gehandicapt. Denn den Kopf hinter dem Konzept hat General Motors vor ein paar Monaten verloren. Der deutsche Ingenieur Frank Weber, der von Opel zu GM entsandt wurde und den Volt zum Laufen brachte, ist mittlerweile Teil der Mannschaft, die bei BMW den i3 entwickelt. Erste Spuren in München hat er bereits hinterlassen. Kaum war Weber bei BMW an Bord, hatte plötzlich auch der elektrische Kleinwagen von BMW einen Range Extender - zumindest als Option.



insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
rennflosse 18.10.2011
1. Danke
Zitat von sysopNach dem Opel Ampera soll jetzt auch der Chevrolet Volt mit seinen revolutionären Antriebskonzept Käufer in Deutschland finden. Sein Range Extender kann überzeugen. Seine Ausstattung ist jedoch von gestern. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,792216,00.html
"Es gibt weder Abstandsradar noch einen Notbremsassistenten. Auch die Verkehrszeichenerkennung oder die Spurführungshilfe, gibt es weder für Geld noch für gute Worte." Das habe ich bei meinem Auto auch nicht und würde das auch nicht vermissen. Hier ist eine rote Linie überschritten. Diese Dinge sind nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich. Schönen Dank an den Notbremsassi, wenn der fälschlicherweise auslöst. Schönen Dank an die Spurführungshilfe, wenn die von übriggebliebenen Baustellenmarkierungen verwirrt, das Auto in den Graben fährt. Verkehrszeichen sollte der Fahrer erkennen, nicht das Auto. Nun kann man mir vorhalten, dass ich von diesen Dingen keine Ahnung habe. Das ist im Prinzip richtig. Trotzdem trägt das Zeug zur Verblödung der Fahrer bei, die dann während der Fahrt lieber mit ihrem i.phone spielen statt auf die Straße und den Verkehr zu achten. Und deshalb gehört es verboten!
MartinB. 18.10.2011
2. Herrgott...
...jetzt werden derart überflüssige Spielereien wie Abstandsradar, Notbremsassistent und "Verkehrszeichenleser", die außer Kabelbaum-Kilometer, Points of Failure und höherem Fahrzeugpreis nun wirklich gar nichts bringen, schon als Grund für einen abfälligen Kommentar herangezogen? "Schutzengel" sind ABS, Airbag, Gurtstraffer. Der Rest ist doch Spielerei.
user_tha 18.10.2011
3. das richtige Konzept
in der Tat, der Range Extender ist das, was E-autos für Normalverbraucher akzeptabel macht. Schließlich möchte man jederzeit spontan eine längere Strecke fahren KÖNNEN (!), z.B. nach Feierabend in eine Nachbarstadt etc., auch wenn man dies in der Praxis doch eher selten macht. Im übrigen kann der Range Extender ausschließlich mit optimaler Drehzahl, d.h. mit maximalem Wirkungsgrad, laufen - was bei 'normalen' Diesel-/Benzin-Modellen nicht möglich ist.
John.Wuk 18.10.2011
4. Titel
Zitat von sysopNach dem Opel Ampera soll jetzt auch der Chevrolet Volt mit seinen revolutionären Antriebskonzept Käufer in Deutschland finden. Sein Range Extender kann überzeugen. Seine Ausstattung ist jedoch von gestern. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,792216,00.html
Entschuldigung, was? Sie meinen schlangenlinienfahrende Analphabeten, die chronisch dicht auffahren und dabei nicht in der Lage sind, eine Reaktionsgeschwindigkeit jenseits des Frühlingserwachen hinzubekommen, sind nicht geeignet, einen Volt im Strassenverkehr zu bewegen, sondern sollten sich besser bei den deutschen Herstellern umschauen? Über solche Kunden jubelt man ja...
jocurt, 18.10.2011
5. Na so geht das aber nicht, werter Hersteller
Zitat von sysopNach dem Opel Ampera soll jetzt auch der Chevrolet Volt mit seinen revolutionären Antriebskonzept Käufer in Deutschland finden. Sein Range Extender kann überzeugen. Seine Ausstattung ist jedoch von gestern. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,792216,00.html
kein Sektkühler, kein TV auf den Rücksitzen... sagt mal SPON Redaktion, fährt bei euch jemand Auto oder schreibt ihr so aus dem Bauch heraus.
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