Chrysler 300C Touring Der Big-Mac-Kombi

Amerikaner mögen Statements. Auch auf vier Rädern. Und der Chrysler 300C Touring ist so ein Bekenntnis zum American Way of Drive: schiere Leistung gepaart mit purem Luxus und auffälligem Design. Und das Ganze selbstverständlich im XXL-Format.

Von Frank Wald


Chrysler 300C Touring: Wie amerikanische Traumfahrzeuge auszusehen haben

Chrysler 300C Touring: Wie amerikanische Traumfahrzeuge auszusehen haben

"Wir wollten auf moderne Art und Weise zu jenen stolzen, kraftvollen Linien zurück, die amerikanische Automobile einst zum Neid der gesamten Autoindustrie weltweit gemacht haben", sagt Chryslers Design-Chef Trevor Reed. Wobei die Betonung hier selbstverständlich auf einst liegt. Denn neidisch schaute diesseits des großen Teichs schon lange keiner mehr auf die größten Automobilbauer der Welt.

Mit dem 300C-Baureihe will Chrysler jetzt noch einmal klarstellen, wie amerikanische (T)Raumfahrzeuge auszusehen haben. Die Touring-Version wurde exklusiv für die Märkte außerhalb der USA entwickelt. Ob sie den europäischen Geschmack treffen wird, bleibt abzuwarten, wenn der Kombi ab dem 6. November in den Showrooms stehen wird. Der deutsche Chrysler- und Jeep-Geschäftsführer Bernd Hullerum ist jedenfalls sicher, mit dem 300C Touring "eine konkurrenzfähige Position im E-Segment einzunehmen, wo 40 Prozent der Fahrzeuge als Kombi ausgeliefert werden".

Touring-Version für Europa: Sportlicher Touch im Stil der "Hot Rod"-Autos

Touring-Version für Europa: Sportlicher Touch im Stil der "Hot Rod"-Autos

Und auf den ersten Blick verblassen daneben Audi A6 Avant, BMW 5er Touring oder auch Saab 9-5 Kombi tatsächlich. Im Rückspiegel gesehen, erscheinen Kombi und Limousine nahezu identisch. Dieselbe Furcht einflößende Front mit dem mächtigen Chromgrill, den großen Doppelscheinwerfern links und rechts und der riesigen Aluminium-Motorhaube. Auch im Profil fallen sofort die mächtigen 18-Zoll-Leichtmetallräder ins Auge, deren Abstand von knapp über drei Meter verschwenderische Platzverhältnisse im Innenraum schaffen. Aber auch die hohe Gürtel- und leicht abfallende Dachlinie sowie die rautenförmig gezeichneten hinteren Seitenscheiben, die der über fünf Meter langen Karosse einen sportlichen Touch im Stil der amerikanischen "Hot Rod"-Autos verleihen.

Eine Wucht im Wortsinne ist das bullige Heck. Die Scharniere der stählernen Klappe sind weit nach vorn ins Dach gerückt. Dadurch schwingt sie wie ein umgekehrtes "L" nahezu vertikal nach oben. Vorteil: Selbst groß Gewachsene können sich nicht mehr den Kopf stoßen, und der Kofferraum kann auch in enger Parkposition ungehindert geöffnet und beladen werden.

Innenraum: Mischung aus erlesenen Materialien und Plastik-Look

Innenraum: Mischung aus erlesenen Materialien und Plastik-Look

Denn da geht eine ganze Menge rein. Schon 630 Liter fasst das Abteil bei normaler Sitzordnung, über 1600 Liter sind es, wenn die Rücksitze nach vorn geklappt werden. Außer dem Mercedes E-Klasse T-Modell (690 Liter) räumt kein anderer Wettbewerber mehr weg. Dazu finden sich im Kofferraum ein Gepäcknetz, vier Verzurrösen, Staufächer an beiden Seiten, eine Zwölf-Volt-Steckdose sowie eine aufrollbare Abdeckung. Außerdem eine dreigeteilte Bodenplatte, die sich teilweise oder ganz zusammenfalten und auch komplett rausnehmen lässt, wodurch sich die Ladehöhe noch einmal um gut zehn Zentimeter vergrößert. Und auch ein so genanntes Gepäck-Managementsystem mit wasserdichtem Ladeboden und Raumteilern mit Haltenetzen haben sich die Designer ausgedacht, das bei Nichtgebrauch unter dem Bodenpanel verschwindet.

Alle übrigen Interieur-Features decken sich mit denen der Limousine. Angefangen bei den großzügigen Platzverhältnissen bis zum serienmäßigen Luxus an Bord. Leider auch jene seltsame Mischung aus allerlei automobilen Helferchen wie elektrischen Sitz- und Spiegelverstellungen, Klimaautomatik, Audio- und Navigationssystem sowie erlesenen Materialien wie Leder, Holz, Chrom und Schildpatt-Design auf der einen und billig wirkendem Kunststoff und Ablageklappen in Plastik-Look auf der anderen Seite.

Fahrzeugschein
Hersteller: Chrysler
Typ: 300 C Touring 5.7 AWD
Karosserie: Kombi
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 5.654 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 525 Nm
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 13,2 Liter
CO2-Ausstoß: 313 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 630 Liter
umgebaut: 1.602 Liter
Preis: 54.750 EUR
Technik, Fahrwerk und Motoren sind ebenfalls unverändert. Auch für den 300C Touring stehen der 3,5-Liter-V6 (253 PS) mit Viergangautomatik sowie der 5,7-Liter-V8-Hemi-Motor (340 PS) mit Fünfstufenautomat zur Auswahl. Vor allem der säuselnde Achtzylinder passt gut zu der bulligen Erscheinung des auffälligen Amis. Ebenso wie der Spritverbrauch, der trotz automatischer Zylinderabschaltung im Schnitt mit 12,5 Liter angegeben wird. Ein theoretischer Wert, der nur realistisch erscheint, wenn man das Gaspedal ständig streichelt. Noch ein, zwei Liter mehr werden es, wenn der serienmäßige Hinterradantrieb durch den permanenten Allradantrieb ersetzt wird. Der AWD (All Wheel Drive) wird ausschließlich für den Kombi in beiden Motorisierungen gegen 2300 Euro Aufpreis angeboten.

Bulliges Heck: Wucht im Wortsinne

Bulliges Heck: Wucht im Wortsinne

Vor Neid erblassen könnte die Konkurrenz allerdings doch noch am Ende angesichts der Preisgestaltung. Der 300C Touring kostet in der Topversion mit V8-Motor, inklusive der auch für ein Oberklasse-Auto recht üppigen Komfort- und Sicherheitsausstattung, ab 54.750 Euro (V6: 41.100 Euro). Deutsche Mitbewerber verlangen da für ihre entsprechenden Pendants bis zu 10.000 Euro mehr.



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