Günstige Oldtimer - Chrysler LeBaron Der Plastikbaron

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Chrysler LeBaron.

Arnd Gräfe

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Chrysler LeBaron

Achtzigerjahre pur: Der Chrysler LeBaron
Getty Images

Achtzigerjahre pur: Der Chrysler LeBaron

Allgemeines zum Modell: Als der Chrysler-Konzern 1977 den LeBaron einführte, dominierten in den USA noch Straßenkreuzer mit unendlich viel Hubraum und luxuriöser Ausstattung das Straßenbild. Der LeBaron kam mit seinen rund fünf Metern Länge durchaus kompakt daher. Ein Verrat an den amerikanischen Automobil-Tugenden war der Wagen aber nicht: Anfangs brabbelte ausschließlich ein 5,2 Liter großer V8 unter der Haube, ein kleinerer Reihensechszylinder folgte später. Die zweite Generation des LeBaron, die 1981 vorgestellt wurde, war dann ein komplett anderes Auto.

Dieses auf viereinhalb Meter geschrumpfte Wägelchen hatte einen damals ungewöhnlichen Frontantrieb, für amerikanische Verhältnisse mickrige Vierzylinder-Motoren, die teils auch noch von Mitsubishi kamen. So ziemlich das Einzige, was aus früheren Zeiten übrig blieb, war der für Chrysler typische chromglänzende "Waterfall"-Kühlergrill.

Für Europäer interessant ist vor allem die dritte und letzte Generation des LeBaron - sie kam ab 1987, auf der sogenannten J-Plattform. Der J-Body war noch kompakter und runder, in Deutschland gab es das Auto nur noch als Coupé und als Cabriolet - die viertürige Limousine wurde in Europa als Saratoga verkauft. Markenzeichen waren die Klappscheinwerfer (Schlafaugen), als Top-Motorisierung gab es einen drei Liter großen V-Sechszylinder, made by Mitsubishi.

Warum ausgerechnet der? Kompaktwagen, wie unamerikanisch! Der Chrysler LeBaron ist gewiss kein Straßenkreuzer. Cruisen kann man mit dem verarmten Adligen trotzdem prima, gerade wenn er kein Dach über dem Kopf hat. Die Cabrio-Version des LeBaron war nach Einstellung des offenen Cadillac Eldorado 1976 das erste serienmäßige Cabrio auf dem US-Markt. Aber auch als Coupé macht der Wagen ordentlich was her, auch wenn oder gerade weil die wenigsten heute noch einordnen können, was da gerade an ihnen vorbeigefahren ist.

Das LeBaron-Design ist schick, die Ausstattung nobel: Klimaanlage, elektrisches Verdeck (beim Cabrio), x-fach verstellbare Sitze, elektrische Fensterheber - alles serienmäßig. Hinzu kommt ein für US-Autos lächerlich geringer Spritverbrauch von acht bis zwölf Litern.

Schnörkelloses Plastikinterieur mit Holz-Deko
Arnd Gräfe

Schnörkelloses Plastikinterieur mit Holz-Deko

Alles andere als hoher Stand ist dagegen die Verarbeitung: Der LeBaron knarzt an allen Ecken und Kanten, Verwindungssteifheit ist zweifellos nicht seine Stärke. Zudem ist der Innenraum eine Orgie aus billigstem Plastik, das sich im Alter in den verschiedensten Tönen verfärbt. Dafür sind die Ledersitze extrem gemütlich, und diesen Schlafaugen kann man einfach nicht widerstehen. Das klingt alles nach mächtig Kitsch, und ist es auch: Der LeBaron ist Achtzigerjahre-Feeling pur, so wie Miami Vice gucken oder Modern Talking hören.

Verfügbarkeit: Der Chrysler LeBaron war kein Auto für die Massen, und insbesondere in Deutschland ein Nischenauto für Individualisten, die keinen offenen 3er BMW oder Saab 900 fahren wollten. Trotzdem gibt es einen erstaunlich soliden Bestand an guten Fahrzeugen. Durchgerostete Youngtimer-Bruchbuden, wie sie bei populären Marken wie Opel, Ford und selbst Mercedes die Regel sind, trifft man bei der Suche äußerst selten. Der große Vorteil des LeBaron ist, dass seine Karosserie ab 1987 vollverzinkt wurde. Dadurch wurde dem Rost, der größten Krankheit älterer Autos, schon ab Werk vorgebeugt.

Ersatzteilversorgung: Wie bei den meisten US-amerikanischen Klassikern ist die Ersatzteillage auch beim Chrysler LeBaron hervorragend. Dank des Baukastenprinzips liegt noch genug Nachschub in den Konzernregalen herum. Verschiedene deutsche Händler haben sich auf Teile spezialisiert. Man kann aber auch direkt in den USA bestellen, bis hin zum kompletten Verdeck für die Cabriolet-Version.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 100 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 30 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht ca. 80 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen: Auch ein vollverzinkter Chrysler LeBaron kann rosten, dann hatte der Wagen aber meist einen Unfallschaden. Die Motoren (auch die von Mitsubishi) gelten als äußerst robust. Selbst ein Zahnriemenriss ist keine Katastrophe, weil die Aggregate Freiläufer sind. Lediglich die Turbolader-Versionen können problematisch werden, wenn die Zwangsbeatmung ausfällt. Beim Dreiliter-V6 ist eine penible Pflege des elektronisch gesteuerten Automatikgetriebes (A 604) wichtig. Bei schlechter Wartung oder falschem Öl droht ein Totalausfall. Die Bordelektronik gilt als langlebig, eine Ausnahme sind die hinteren Fensterheber: Wenn die Wasserabläufe verstopft sind, saufen die Motoren für die Fensterheber ab und nichts geht mehr.

Preis: Es gab Zeiten, da gab es gute LeBaron für 500 Euro. Inzwischen haben die Preise angezogen. Es finden sich immer noch Autos für unter 1.000 Euro und mit gültiger HU-Plakette, oft haben diese Fahrzeuge aber Reparatur- und Wartungsstau. Für 1.500 Euro bis 2.000 Euro bekommt man schon gepflegte Exemplare, auch als Cabrio-Version. Die coolen Cruiser bringen günstig Frischluft für bis zu vier Personen.

Anlaufstellen im Internet

Forum für LeBaron-Fans

Chrysler Fan-Gemeinde aus dem Ruhrgebiet

Mike and Friends - Onlineshop für Ersatzteile

Rockauto - Onlineshop für Ersatzteile

KTS - Onlineshop für Ersatzteile und Zubehör Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
manicmecanic 25.06.2016
1. auch Mitsubishi Motoren sind gut ?
Der Satz outet den Schreiber als recht ahnungslos.Gerade die sind weltweit als langlebig bekannt was dazu geführt hat daß sie in zig Fabriken um den Globus in Lizenz nachgebaut werden.
lynx2 25.06.2016
2. Wenn der nicht top gepflegt ist ...
.. in Showroom Condition, kann man den in die Tonne hauen. Ein gefragter Oldtimer ist das nicht. Übrigens: das ist eigentlich ein youngtimer. Als der rauskam, kam auch das Saab-Cabrio raus und ich habe mich für letzteres entschieden und das war richtig so. Wenig Geld? Ha, ha, so ein Schwachsinn. Wenn der 1200 € kosten soll, dann ist mindestens das Doppelte für Rep in kürzester Zeit einzuplanen. Leute die 'auch mal gerne einen Oldtimer hätten' und nichts vom Auto verstehen und von diesem Chrysler noch weniger, sollten die Finger davon lassen.
was-zum-teufel... 25.06.2016
3. Sehr gut ;-)
Noch eine Tonne, die es nicht verdient hat, die Zeit zu überstehen. Miese Verarbeitung und eine eklige Plastikwüste kennzeichnen diesen Wagen. Ein Bekannter von mir fuhr die 1985 Cabrio Version. Er hat unendlich viel Geld in dem Wagen versenkt, bis er ihn 2006 völlig frustriert für 700 € verkauft hat. Oldtimer von Chrysler? Mit viel Geld in der Rückhand vielleicht.
mazzmazz 25.06.2016
4. Neu war das Ding schon Schrott.
In München wurden die Dinger damals mal bei einer Autovermietung angeboten. Ein Freund arbeitete dort. Die nagelneuen Autos waren oft schon voller Mängel. Ein Kunde verlor auf der Autobahn das Dach. Diese Autos waren qualitativ dermaßen mies, dass man sie 30 Jahre alt sicherlich nicht haben will. Zudem gab es keine richtigen Motoren für diese Autos. Alle zu lahm. So etwas muss man nicht fahren, wenn es für 6.000 Eur wirklich schöne BMW E 36 Cabrios gibt.
trader_07 25.06.2016
5. Puh...
...eines der grottigsten Cabrios, die man kaufen kann. Schlimmes Design, noch schlimmere Qualität. Sorry, den möchte ich nicht geschenkt haben. Der LeBaron toppt noch locker den Saab 900. Der hat mit seiner Plastik-Halskrause hinten zwar auch ein schlimmes Design, da passte aber wenigstens die Qualität. Ich pflichte meinem Vorposter mazzmazz bei. Wer ein preiswertes, schönes Cabrio haben möchte, der wird mit dem E 36 glücklich.
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