Autogramm Citroën Berlingo Multispace Unterm Dach ein Fach

Der Citroën Berlingo ist ein Auto für Ordnungsfanatiker. Wohl keine andere Familienkutsche bietet so viele Ablagen wie der überarbeitete Kastenwagen. Das hat einen kuriosen Nebeneffekt - das Auto verlangt Gehirnjogging.

Citroen

Der erste Eindruck: Eigentlich müsste das Auto Beluga heißen, nicht Berlingo. Denn mit der rundlichen Schnauze sieht der familienfreundliche Kastenwagen von Citroën aus wie ein Wal auf Rädern. Zumal beim frisch überarbeiteten Modell die Scheinwerferaugen mit dem Tagfahrleuchten bläulich schimmern.

Das sagt der Hersteller: Citroën-Sprecher Stephan Lützenkirchen nennt den Berlingo den "stillen Star" des hiesigen Citroën-Angebots. Denn fast schon traditionell rangiert der Kastenwagen, den der französische Hersteller euphemistisch als "Hochdach-Kombi" führt, seit Jahren ganz oben in der Absatzstatistik der Marke. "Und das, obwohl wir schon seit Längerem die Werbung für das Auto eingestellt haben", sagt Lützenkirchen. Seit dem Debüt im Jahr 1996 wurde der Wagen bislang 2,9 Millionen Mal verkauft - 210.000 Exemplare davon gingen nach Deutschland.

Das ist uns aufgefallen: Wohin mit dem Handy, mit dem Portemonnaie und mit dem Kaffeebecher? Diese Fragen drängen sich vor dem Losfahren auch im Berlingo auf; allerdings nicht unter den üblichen Vorzeichen. Denn während man in anderen Autos manchmal vergeblich nach ein bisschen Platz für die Siebensachen sucht, gibt es hier so viele Ablagen, dass man sich gar nicht entscheiden kann.

Taschen in den Türen und Klappfächer auf dem Mitteltunnel, das Hochregal über der Frontscheibe, Deckenfächer wie im Flugzeug, Schubladen unter den Sitzen, Klappfächer im Wagenboden und selbst im Armaturenbrett gibt es mehr Fächer als zu Hause im Küchenschrank.

Auch mit großen Gütern hat der Berlingo kein Problem. Die lädt man wahlweise durch die riesige Heckklappe oder - in engen Parklücken - nur das geöffnete Heckfenster in den Laderaum. Schon bei voller Bestuhlung stehen hier stattliche 675 Liter Gepäckvolumen zur Verfügung; und wenn man die Rückbank umlegt, zusammenfaltet oder ganz ausbaut, wächst der Laderaum auf bis zu 3000 Liter.

Wer das Regal auf Rädern erst einmal eingeräumt hat und endlich mit der Fahrt beginnt, erlebt den Berlingo als gelungene Mischung aus Nutzfahrzeug und Pkw, die jetzt mit der Modellpflege weiter kultiviert wurde. Insbesondere die Dämmung ist verbessert, sodass an Bord jetzt Ruhe herrscht. Dazu stehen frische Farben bei der Inneneinrichtung zur Wahl, schmuckere Oberflächenmaterialien und etwas mehr Ausstattung - fertig ist der Van für Familien mit schmalem Budget.

Eine hilfreiche Neuheit ist die Rückfahrkamera. Der neue Bildschirm mit Touch-Bedienung und Online-Navigation hat zwar die optische Anmutung eines Glasbausteins in der Garagenwand, doch wenn auf ihm das Bild der Heckkamera erscheint, wird das Rangieren gleich sehr viel entspannter. Obwohl man aus den großen Scheiben ringsum einen guten Überblick genießt, ist der Berlingo doch ein wenig unhandlich zu fahren.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Berlingo kommt in diesen Wochen zu den Händlern - und damit ungefähr zeitgleich mit einigen ebenfalls neuen oder aufgefrischten Konkurrenzmodellen wie etwa VW Caddy. Die Preise des Citroën wurden minimal geändert und beginnen ab sofort bei 17.600 Euro, was sogar etwas billiger ist als zuletzt.

Mit Blick auf die EU-Emissionsvorgaben hat Citroën bei der Modellpflege auch die Motoren auf den neuesten Stand gebracht und dabei Drehmomentverläufe und Leistungskurven ein wenig verschoben. Signifikante Änderungen gibt es allerdings nur beim 1,6-Liter-Diesel, der jetzt 120 PS leistet und erstmals mit einer Sechsgang-Schaltung angeboten wird. Das senkt das Drehzahlniveau und damit auch den Geräuschpegel und trägt im Verbund mit einem maximalen Drehmoment von 300 Nm zu einem entspannten Fahren bei. Daneben gibt es zwei Benziner mit 98 und 120 PS sowie den Basis-Diesel mit 99 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Am Ziel angekommen, sind Geduld und Erinnerungsvermögen gefragt. Bei allein einem halben Dutzend Ablagen in der lichtdurchfluteten Dachkonsole namens "Modu-Top" , der XXL-Ablagekonsole über dem Kofferraum, in der ganze Jackenkollektionen verschwinden, bei den Geheimfächern unterm Fußraum und allerlei anderen Verstecken mehr kann es etwas dauern, bis man alles wieder beisammen hat. Und man lernt das Auto immer wieder neu kennen.

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insgesamt 83 Beiträge
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manni.baum 12.06.2015
1. sagt schon alles
über die Kompetenz von Herrn Grünweg wenn er die in dieser Kategorie gängige Bezeichnung Hochdach-Kombi als "beschönigend" hinstellt und permanent "abwertend" von Kastenwagen schreibt.
Bueckstueck 12.06.2015
2. Nutzwert > Schnickschnack
Und davon scheint der Berlingo jede Menge zu bieten. Gefällt mir - jetzt weniger die Optik (aber welcher Kastenwagen/Minivan ist schon schön?) als vielmehr der durchdacht hohe Nutzwert.
farang 12.06.2015
3. naja
von der austattung und vom raumangebot ists ein top auto, aber was technische zuverlässigkeit angeht, bin ich arg enttäuscht. mein berlingo ist 4 jahre alt und musste schon 3 mal in die werkstatt zur reperatur. mein alter toyota war ü 10 jahre alt und kannte ne werkstatt nur von der tüv abnahme.
observer2014 12.06.2015
4. Transportesel
Ich denke, dass auch der neue Berlingo seine Abnehmer finde. Für Menschen, die öfter einmal etwas sperriges zu transportieren haben, erweist sich der Berlingo als gutmütiger Transportesel. Wer kleine Rabauken zum Fußballtraining oder Schwimmen fahren muss, wird die Schiebetüren im Fonds zu schätzen wissen. Keine Dellen und Lackschäden an den Nachbarfahrzeugen in engen Parklücken, wenn die lieben Kleinen in ihrem Übermut schnell aussteigen wollen. Aber die Schiebetüren haben nur Ausstellfenster. Das ist ein kleines Manko bei einem sonst alltagstauglichen und praktischen Auto. Ich selber habe festgestellt, dass diese Hochdachkombis wegen der Höhe des Innenraumes auch im Sommer ganz gut ohne Einschalten der Klimaanlage zu gebrauchen sind. Das spart Treibstoff.
emantsol 12.06.2015
5. Praktisch
Nett. Autos dieser Art werden leider oft unterschätzt und arrogant als Handwerker-Kisten abgestempelt. Dabei sind sie wunderbare Fahrzeuge für den Alltag kleiner Familien.
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