Autogramm Citroën C3 Aircross Das Schmuse-SUV

Außen SUV, innen Van - so wirbt der französische Hersteller Citroën für das neue Modell C3 Aircross. Der Wagen bietet viel, auch wenn er etwas pausbäckig aussieht.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: Etwas pausbäckig.

Das sagt der Hersteller: Vor drei Jahren mussten die Verantwortlichen bei Citroën entscheiden, wie der Nachfolger des Minivans C3 Picasso aussehen soll. "Es war ein klarer Fall", sagt Produktmanager Etienne Menant , "da SUV-Modelle derart dominieren, wollten auch wir einen SUV in diesem Segment anbieten." Heraus kam der C3 Aircross. "Das Auto ist von außen ein SUV und von innen ein Van", sagt Menant und behauptet: "Kein anderes Modell dieser Klasse ist so geräumig und bietet eine so große Flexibilität."

Hinzu komme ein expressives Design, denn "ein Citroën soll sofort erkennbar sein, zum Beispiel durch die in zwei Ebenen angeordneten Frontscheinwerfer". Ob das eher schräg oder schick aussieht, ist Ansichtssache, auf jeden Fall ist es ungewöhnlich. Dazu gibt es eine große Auswahl an Farbkombinationen - voilà: es gibt auch in dieser Allerweltsklasse noch Unterscheidungspotenzial.

Das ist uns aufgefallen: Zunächst einmal das Design. Ob Scheinwerfer, Unterfahrschutz, Jalousie-Attrappen an den hinteren Seitenfenstern, die Dachreling oder die mit Plastik umrahmten Radhäuser - der C3 Aircross wirkt, zumindest wenn man die optischen Optionen in der Extraliste ausreizt, bisweilen überschminkt. Das sieht in einigen Farbkombinationen ganz gut aus, hinterlässt aber insgesamt einen etwas aufdringlichen Eindruck. Im Interieur ist das anders. Obwohl auch hier die Gestaltung modern und unorthodox ist, fühlt man sich im Auto wohnlich und entspannt eingerahmt. Besonders, wenn das sehr große Panorama-Schiebedach (790 Euro) noch mehr Licht und Luft in den Innenraum lässt.

Jürgen Pander

Das Fahren mit dem C3 Aircross ist im besten Sinne komfortabel. Wir waren mit dem stärkeren der beiden Dieselmotoren unterwegs, dem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 120 PS Leistung und 300 Nm Drehmoment sowie Sechsgang-Schaltgetriebe. Die Maschine bringt den Wagen zügig und druckvoll voran, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Ein SCR-Katalysator hilft, die Euro-6-Abgasnorm zu erfüllen. Der dazugehörige Harnstofftank fasst 17 Liter, was nach Citroën-Angaben für eine Fahrstrecke zwischen 25.000 und 30.000 Kilometern reicht.

Auch bei flotter Fahrt auf kurvigen Straßen liegt der Wagen satt auf der Straße, die Seitenneigung hält sich trotz der Bodenfreiheit von 17,5 Zentimetern in Grenzen und das Auto lässt sich so sportlich bewegen, wie das bei einem Kompakt-SUV eigentlich gar nicht sein müsste. Je geruhsamer die Gangart, desto besser kommt zur Geltung, was Citroën vor allem sein möchte, nämlich "die Referenzmarke in Sachen Komfort".

Der C3 Aircross ist darüber hinaus auch ein Maßstab bei der Innenraumflexibilität. Die Rückbanklehne ist je nach Ausstattung zwei- oder dreigeteilt, die Lehnenneigung ist fünffach justierbar und zudem kann die komplette Bank um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden. Wenn auch noch die Beifahrerlehne nach vorn umgeklappt wird, lassen sich bis zu 2,40 Meter lange Gegenstände einladen. Allerdings gibt es diese Variabilität nicht ab Werk, sondern man muss dafür extra zahlen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Citroen C3 Aircross - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das Format des Autos ist ein guter Kompromiss zwischen Geräumigkeit drinnen und Kompaktheit außen. Die Übersicht ist gut, der Blick nach hinten passabel. In Linkskurven jedoch schiebt sich die dicke A-Säule störend ins Blickfeld. Tadellos wiederum ist die Auswahl an Assistenzsystemen, die vom Head-up-Display über die Müdigkeitserkennung bis zum Notbremsassistenten reicht. Und eine kabellose Lademöglichkeit für Smartphones sowie deren Einbindung via Mirror-Link ist ebenfalls gegen Aufpreis im Angebot.

Das muss man wissen: Der Citroën C3 Aircross wird ab 11. November bei den deutschen Händlern stehen, zu einem Basispreis von 15.290 Euro. Die technische Plattform des Wagens ist identisch mit der des Peugeot 2008 sowie des Opel Crossland X - und der C3 Aircross wird auch im spanischen Opel-Werk in Saragossa gebaut. Die Motorenpalette umfasst vier Benziner (82 bis 130 PS) sowie zwei Dieselaggregate (99 und 120 PS), die mit Fünfgang- oder Sechsgang-Schaltgetrieben oder einer Sechsgang-Automatik angeboten werden.

Eine Elektrifizierung der Antriebe ist nicht vorgesehen und auch Allradantrieb ist nicht im Programm. Dafür gibt es in den beiden höheren der insgesamt drei Ausstattungsniveaus das Fahrsystem "Grip Control", mit dem sich die Drehmomentverteilung an den Vorderrädern in fünf Stufen und je nach Untergrund variieren lässt (Straße, Schnee, Sand, Schlamm und ESP aus); außerdem gehört auch noch ein Bergabfahrassistent zu dieser Option (890 Euro). Optisch lässt sich der Wagen durch Kombination der acht Lackfarben, der drei Kontrastfarben für das Dach und der vier "Colour Packs" in 85 Varianten gestalten.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sorgsam und modern das Interieur gestaltet ist. Von den Sitzbezügen über die hübschen Luftausströmer bis zur Grafik des zentral platzierten, frei stehenden 7-Zoll-Touchscreen - das sieht alles durchdacht und erfrischend aus. Doch der Eindruck wird bei genauerem Hinsehen sogleich getrübt; vom unpraktischen Handschuhfach, den billigen Gummilippen am Handbremshebel und dem Filzbelag im Kofferraum, der sich in dem nahezu fabrikfrischen Testwagen schon kräuselt wie die Wolle eines alten Pullis.

Fahrzeugschein
Hersteller: Citroën
Typ: C3 Aircross Blue HDI 120
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.560 ccm
Leistung: 120 PS (88 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 10,7 s
Höchstgeschw.: 183 km/h
Verbrauch (ECE): 4,1 Liter
CO2-Ausstoß: 107 g/km
Kofferraum: 410 Liter
umgebaut: 1.289 Liter
Gewicht: 1.308 kg
Maße: 4155 / 1765 / 1648
Preis: 20.990 EUR
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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
rioreisser 18.10.2017
1. Warum ständig SUV‘s ?
Sie testen dauernd diese unnötigen Fahrzeuge, kritisieren noch nicht mal deren Existenzberechtigung !
Ekatus Atimoss 18.10.2017
2. Der Technikspender...
...C3 sieht m.M. nach stimmiger aus, nicht so verquollen. Schade auch, dass dem Innenraum witzige Details wie z.B. die Koffergriffe vorenthalten werdén. Oder die AirBumps. Beim C3 stört mich hingegen, dass der Top Benziner mit Automatik nur der kleinere der beiden aufgeladenen 3-Zylinder ist. Da hofft man auf die Modellpflege.
2cv 18.10.2017
3. Citroen C4 Cactus
Der Citroen C4 Cactus war schon mal ein ähnliches Design, das aber nur begrenzt vom Markt akzeptiert wurde. Ähnlich wird es dem C3 Aircross gehen - und nach dem Wegfall der Hydropneumatik seit Mai diesen Jahres (Ende der Produktion C5) ist das zentrale Differenzierungsmerkmal durch die mMn völlig falschen Manager-Einspar-Strategien weggefallen - 20.000 Euro wie der Testwagen hier kostet hat die angepeilte jungdynamische Zielgruppe nicht übrig, da gibts billigeres am Markt. Der Aircross wird kaum bei Leasinggebern auftauchen, im Flottengeschäft nicht zu finden, als Firmenwagen stimmen weder Leasingraten noch Restwertsummem im Vgl zu anderen SUV. Citroen sollte sich darauf fokussieren, seine Händler zu motivieren und nicht zu vergraulen, und die einstige Zielgruppe ebenso. Mmn hat Peugeot das eher geschafft, DS ist eh zum Sterben verurteilt, die Statistik des KBA zeigt seit Einführung der Marke (beste Zeit DS3 bei Citroen, dann Shift zu Ds Automobiles) mehr als 60% (!) Rückgang der Stückzahlen. In China macht DS Gesamtverkauf aller Modelle zw 200-400 Einheiten pro Monat - ein Witz! good luck PSA...
In Vino Veritas 18.10.2017
4.
Das ist doch kein SUV (z.B. Allrad fehlt), sondern ein kleiner Crossover (aufgebockter Kleinwagen). Das Design ist eine Katastrophe.
Überfünfzig, 18.10.2017
5. Man mag es kaum glauben!
In Sachen Touchscreen haben es hier die Franzosen wieder mal auf die Spitze getrieben und, aber bis auf die gesetzlich vorgeschriebene Bedienung wie Warnblinker etc., alle Bedienungsvorgänge außerhalb davon komplett in das Armaturenbrett „reingenagelte“ Touchscreen untergebrach, welches aus meiner Warte drei gewaltige Nachteile hat: a) Bedienung auf schlechter Straße oder dynamischer Fahrweise, wo man kaum zielgerichtet und intuitiv die Icons treffen kann. B) Ablenkung durch erzwungene Blickhinwendung und c) Totalausfall aller Steuerungsfunktionen wenn nur das Display defekt ist, was dann nachfolgend heißt, dass der Fahrer z.b. am herbstlichen Morgen nicht seine Frontscheibe beschlagfrei bekommt und entweder eine Gefahr für den Straßenverkehr ist oder gleich das Fahrzeug stehen lassen muß. Hinzu kommt, dass der Austausch der gesamten Einheit dazu, mal wieder 1200 + X Teuro kosten wird, obwohl vergleichbare Technologie heute für rund 250 Euro, aber wegen der geringen technischen Ausstattung und Potenz wohl eher bei ca. 150 Euro anzusiedeln wäre. Wetten das PSA das Teil für 60 Euro EK in Taiwan fertigen läßt. Früher hat der Ersatz eines defekten Armaturenbrettschalter bestenfalls 25 Euro gekostet. Na ja schöne neue Zeiten für die iPhone-Nerds, die der Dritthandkäufer wahrlich verfluchen wird. Aber meine Einlassungen wurden schon in der Vergangenheit nicht nur von mir beschrieben, wird aber von der ergebenen Motorpresse mitnichten kritisch angemerkt, bis vielleicht mal der Gesetzgeber einschreiten muß.
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