Autogramm Citroën C4 Cactus Hang zur Bequemlichkeit

Als der Citroën C4 Cactus auf den Markt kam, war er ein auffälliger Außenseiter, ein Stachel in der Kompaktklasse. Doch mit dem Facelift in diesem Frühjahr schwenken die Franzosen um auf Kuschelkurs.

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Der erste Eindruck: Mit dem Facelift wird der Citroën C4 Cactus braver. Selbst die markanten Airbumps, die Luftpolsterplanken auf den Türblechen, sind verschwunden.

Das sagt der Hersteller: Bequemlichkeit steht für den obersten Citroën-Produktplaner Xavier Peugeot beim C4 Cactus an erster Stelle. Für ihn ist der Kompaktwagen kein stacheliges Auto, sondern eher eines zum Kuscheln. Denn auch wenn sich Citroën als Volumen- und nicht als Luxushersteller versteht, will die Marke künftig vor allem mit Komfort überzeugen. Nicht umsonst sei Citroën seit Modellen wie Ente und DS für kompromissbereite Fahrwerke und das Wohlbefinden an Bord berühmt, heißt es bei den Verantwortlichen.

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Autogramm Citroën C4 Cactus: Der Schmusekaktus

Das ist uns aufgefallen: Willkommen im Wohnzimmer. Wenn man zum ersten Mal in den C4 Cactus schaut, mag man kaum glauben, dass das ein Auto ist. Erst recht keines aus der Kompaktklasse. Denn die Sitze sind breiter und einladender als bei einer Luxuslimousine, selbst die Bestuhlung in der 1. Klasse des ICE oder in der Business-Klasse der Lufthansa sieht gegen diese Fauteuils ungemütlich aus.

Der Citroën C4 Cactus im Video:

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Die erste Sitzprobe ergibt: Die Sitze sind tatsächlich herrlich bequem. Denn hinter dem Stichwort "Advanced Comfort" steckt die Weltpremiere eines neuen Spezialpolsterschaums. Der ist 15 Millimeter dicker als bisher, besonders formstabil und spürbar komfortabler. Man fährt und fährt ohne Ermüdungserscheinung.

Die Sitze sind aber nur ein Teil der Komfort-Offensive. Dazu zählen auch eine hörbar bessere Dämmung gegen Wind- und Motorgeräusche sowie vor allem die Advanced Comfort Federung. Das ist eine ebenso wirkungsvolle wie kostengünstige Reminiszenz an das Hydraulikfahrwerk des legendären DS, bei der Feder und Dämpfer mit zwei hydraulischen Anschlägen kombiniert werden.

Das System, für das Citroën 20 Patente angemeldet hat, arbeitet je nach Beanspruchung in zwei Etappen: Bei leichtem Druck bringen Federn und Dämpfer die vertikalen Bewegungen allein unter Kontrolle, haben aber dank der hydraulischen Anschläge einen längeren Federweg und bügeln deshalb auch größere Unebenheiten glatt. Bei stärkerem Druck absorbieren die Anschläge Teile der Bewegungsenergie und führen sie ab, ohne dass es zu lästigen Rückfederungen kommt.

Während VW Golf & Co. die Kunden wegen falsch interpretierter Sportlichkeit mit brettharten Fahrwerken quälen und zum Ausgleich elektronische Regelungen und variable Dämpfer brauchen, pampern die Citroën-Ingenieure die Kunden mit diesem System. Natürlich ist es bis zur Luftfederung einer Mercedes S-Klasse noch meilenweit, doch unter den Kompaktautos kommt dem Ideal vom fliegenden Teppich kaum ein anderes so nah.

Was darüber hinaus beim Update des C4 Cactus auffällt, ist der eigene Charakter, der im Innenraum herrscht. Ja, man sieht den Konsolen an, dass sie aus Kunststoff sind und dass Citroën - anders als VW oder gar Audi - keine Mondpreise verlangen kann. Doch was dem Wagen an Premium fehlt, haben die Designer mit Fantasie wettgemacht: So erinnern etwa die Türgriffe oder das Dekor auf dem nach oben öffnenden Handschuhfach an luxuriöse Lederwaren und edles Reisegepäck.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Citroen C4 Cactus - mit unserem 360-Grad-Foto:

Leider wurden bei der Überarbeitung nicht nur die Stärken des C4 Cactus beibehalten, sondern auch seine Schwächen: Dass man in dieser Klasse die hinteren Scheiben nur ausstellen und nicht öffnen kann, ist erstens nicht zeitgemäß und zweitens nicht praktisch. Und eine niedrigere Ladekante würde auch nicht schaden, wenn man den Wagen als praktische Familienkutsche versteht.

Das muss man wissen: Dass Citroën den C4 Cactus gründlicher überarbeitet hat als sonst bei einer Modellpflege üblich, hat einen einfachen Grund: Das Auto muss auch die Kunden des konventionellen C4 bei der Stange halten, der im Sommer vorerst ohne Nachfolger ausläuft.

Der frische C4 Cactus steht bereits ab Mitte April bei den Händlern, und zwar zu Preisen ab 17.490 Euro. Die Kunden können zwischen zunächst drei Motoren wählen: Es gibt einen Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 110 oder 131 PS und einen Vierzylinder-Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 100 PS. Weil damit keine großen Sprünge drin sind, legt Citroën im Herbst nach und bringt einen zweiten Diesel mit 120 PS Leistung.

Das werden wir nicht vergessen: den Blick ins Cockpit. Während die digitalen Instrumente in anderen Autos mehr anzeigen, als das Auge erfassen kann, gibt es beim C4 Cactus nicht mal einen Drehzahlmesser, sondern nur Tacho, Tankanzeige und Tageskilometerstand. Weniger, so die Botschaft, ist manchmal mehr. Und Fahren gerät in diesem Wohnzimmer auf Rädern ohnehin zur Nebensache.

Fahrzeugschein
Hersteller: Citroen
Typ: C4 Cactus (2018)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.199 ccm
Leistung: 131 PS (96 kW)
Drehmoment: 205 Nm
Von 0 auf 100: 9,1 s
Höchstgeschw.: 193 km/h
Verbrauch (ECE): 4,8 Liter
CO2-Ausstoß: 110 g/km
Kofferraum: 348 Liter
umgebaut: 1.170 Liter
Gewicht: 1.120 kg
Maße: 4170 / 1714 / 1480
Preis: 20.190 EUR
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insgesamt 32 Beiträge
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rennflosse 20.02.2018
1. Ausstellfenster
Hintere Ausstellfenster sind ein Relikt aus den sechziger Jahren, wo die Familienautos in Deutschland in der Regel zweitürig waren. Damals gab es auch noch vorne kleine Dreiecksfenster zum Ausstellen. Das System war perfekt. Die Be- und Entlüftung funktionierte damit prima; viel besser als mit Kurbelfenstern. Das war allerdings noch eine Zeit ohne Klimaanlagen im Auto. Die vorderen Dreiecksfenster wurden der Einbruchssicherheit geopfert, die hinteren Ausstellfenster feiern in Kleinwagen seit langem eine fröhliche Wiederkehr. In Kompaktwagen sind sie zwar noch Mangelware, aber ich finde die Idee akzeptabel, zumal dieser Citroen meistens nur von maximal zwei Personen besetzt ist.
Überfünfzig 20.02.2018
2. Relikt aus den sechziger Jahren?
Nicht ganz! Die e46 Coupe Modelle von BMW hatten von 98 bis 2005 serienmäßig elektrisch betätigte Ausstellfenster vor der C-Säule. Zusammen mit einem Schiebedach konnte man an heißen Tagen locker auf die Klima verzichten, ohne rote Zugluftaugen zu bekommen.
oschn 20.02.2018
3. Und noch ein Mikro-SUV!
Und schon wieder (oder immer noch) ein Mikro-SUV. Wer braucht das? In D kann man sowieso nicht ins Gelände. Und macht mit den Fahrzeugen auch niemand. Aber die höhere Fahrzeughöhe führt zu mehr Kraftstoffverbrauch, die größeren Abmaße zu mehr Parkplatznot.
rieksmeier 20.02.2018
4. Ein Leichtgewicht
Der Cactus ist außerdem ein Leichtgewicht und bringt im Schnitt 100 bis 200 kg weniger auf die Waage als ein VW Golf. Weswegen der Wagen auch mit kleinen Motoren gut zu bewegen ist. Mit dem automatisierten Schaltgetriebe entfällt der „Rührstock“ zwischen den Sitzen und es entsteht eine durchgehende Bank. Gemütlich. Dann passt es auch zum Gemüt des Cactus-Fahrers, dass die Automatik ruckelt. Aber das ist eine Gewöhnungssache, die der angelernte Gasfuß ausgleicht. Die neue Federung ist echte Quengelware, die sie bei der Konkurrenz gerne als Alleinstellungsmerkmal samt Nutzen gerne hätten.
kloppskalli 20.02.2018
5. von vorne hui
von hinten pfui - wer gut rueckwaerts einparken kann, wird sicher gluecklich mit dem Wagen. Fuer die Vorderseite sieht man sich gerne noch mal um, wenn man den Wagen per Fernbedienung abschliesst, die Rueckseite wuerde ich lieber verstecken.. Gibts schon Erfahrungswerte mit den mini-Motoerchen, halten die?
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