Von Jürgen Pander
Was die Dieselmotoren betrifft, gilt der PSA-Konzern mit den beiden Marken Citroën und Peugeot durchaus als federführend. Bei den Benzinern jedoch bieten die Franzosen eher Durchschnittsware. So etwas lässt sich normalerweise nur durch sehr aufwendige und teure Neukonstruktionen ändern. Diesen Weg schlug auch PSA ein, jedoch senkten die Verantwortlichen den Aufwand erheblich, indem sie bei der Motorenentwicklung mit BMW zusammenarbeiteten.
Das Ergebnis ist jetzt unter anderem im überarbeiteten Kompaktauto C4 zu erleben. Dort bietet Citroën jetzt zwei frische Ottomotoren an, die das Auto lebhafter und flotter, zugleich aber auch sparsamer machen sollen. Die neuen Maschinen tragen bei Citroën die Kürzel VTi 120 und THP 140, treten beide mit 1,6 Liter Hubraum an und leisten 120 und 150 PS; wobei das stärkere Aggregat mit einem Turbolader sowie Benzindirekteinspritzung ausgestattet ist.
Wir fuhren den Citroën C4 mit dem bescheideneren Triebwerk, also dem VTi 120. Das Buchstabenkürzel steht für "variable valve lift and timing injection" - es handelt sich also um einen Motor mit variablem Ventilhub und variablen Steuerzeiten. Durch diese aufwendig gesteuerte und bedarfsgerechte Befüllung und Entleerung der Zylinder geht die Maschine nicht nur effizienter mit dem Kraftstoff um, sondern wuchtet auch mehr Kraft auf die Kurbelwelle. Die Leistung gegenüber dem bisherigen 1,6-Liter-Benziners steigt jedenfalls auf 120 PS (vorher: 109 PS), das Drehmoment kletterte auf 160 Nm (vorher: 147 Nm). Parallel dazu sank der Durchschnittsverbrauch von vorher 7,1 Liter je 100 Kilometer auf nun 6,7 Liter.
Im Alltag allerdings ließ sich dieser Wert nicht erreichen. Der Bordcomputer errechnete nach rund 600 Testkilometern einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter. Das ist für ein Auto dieser Größe nicht besonders sparsam, wobei vermutlich schon durch ein Sechsgang-Getriebe der Wert problemlos gedrückt werden könnte. Andererseits waren wir durchaus hurtig unterwegs, und es stimmt, dass der neue Motor quicklebendig wirkt, spurtstark und flott. Dazu kommt, dass die Leistung erfreulich leise und unaufgeregt bereitgestellt wird. Der Citroën C4 kann wirklich gut über die Autobahn zischen, ohne dass ruppiger Straßenbelag, störende Geräusche oder lästige Vibrationen nach innen dringen.
Ein komfortables, typisch französisches Auto
Insofern ist der kompakte Citroën ein durch und durch französisches Auto. Wo andere Marken in diesem Segment auf knochige Sportlichkeit oder sachliche Vernunft setzen, bietet der Citroën hohen Fahrkomfort, einladend weiche Sitze und ein etwas verspieltes Interieur. An die feststehende Lenkradnabe beispielsweise gewöhnt man sich rasch; die kleinen Tasten und Anzeigen am oberen Rand der Lenkradnabe aber werden wohl ein halbes Autoleben lang wie missproportionierte Fremdkörper wirken.
Ebenso gewöhnungsbedürftig ist das zentral auf dem Armaturenbrett angeordnete Anzeigeninstrument, auf dem sämtliche relevanten Informationen eingeblendet werden. Dass so auch die Insassen außer dem Fahrer stets umfassend informiert sind, ist lobenswert. Zu tadeln ist dagegen die insgesamt recht unübersichtliche Darstellung auf dem schmalen Bildschirm. Das Ambiente des Citroën C4 wirkt daher auf Anhieb anders, extravagant - aber eben auch unausgegoren und trotz großer stilistischer Klarheit ein bisschen unübersichtlich in den Details.
Andererseits ist es gar nicht so einfach, in der vollends überlaufenen Kompaktklasse noch Akzente zu setzen. Citroën gelingt dies mit dem C4 nach wie vor. Das liegt an einigen der bereits erwähnten Besonderheiten des Wagens, aber auch an dem noch immer flüssig und modern wirkenden Design. Das wurde jetzt auch dezent verändert: Die Motorhaube zum Beispiel spannt sich nun nahezu glatt übers Antriebsabteil, der Stoßfänger wurde leicht modifiziert und die Karoserie des Fünftürers wuchs minimal um eineinhalb Zentimeter in der Länge.
Der Duft der extravaganten Ausstattung
Rund 900.000 C4-Modelle verkaufte Citroën in den vergangenen vier Jahren. In Deutschland waren es in den ersten elf Monaten dieses Jahres gut 16.000 Autos; damit rangiert der Wagen in Bezug auf die Absatzzahlen in etwa auf dem Niveau des Schwestermodells Peugeot 308 und des Toyota Auris.
Bei den Ausstattungsmöglichkeiten allerdings leistet sich Citroën ein paar Extravaganzen. Während das Sicherheitspaket mit sechs Airbags, ABS und ESP den Standard in dieser Klasse erfüllt, gibt es für den C4 zum Beispiel den Spurhalteassistenten AFIL, der beim Überfahren von Fahrbahnbegrenzungen mit nicht eingeschaltetem Blinker einen Vibrationsalarm im Fahrersitz auslöst (610 Euro); oder mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer (990 Euro) sowie - ab dem zweiten Ausstattungsniveau - einen in die Lüftung integrierten Innenraumparfumspender inklusive einer "serienmäßigen Duftkreation eines französischen Parfumeurs". Autofahren geht nämlich auch durch die Nase.
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