Autogramm Citroën C4 Picasso: Familienfest

Von

Citroën C4 Picasso: Van oder was? Fotos
Citroen

Faulenzen statt Fahren: Weil bei einem Van in Wahrheit niemand Fahrdynamik braucht, hat Citroën seinen nagelneuen C4 Picasso konsequent auf Komfort für die ganze Familie getrimmt. Das clever und umfassend ausgestattete Auto verwöhnt vor allem die Passagiere.

Der erste Eindruck: Van oder Wohnzimmer? Wer zum ersten Mal in den neuen Citroën C4 Picasso einsteigt, der steigt gleich wieder aus und schaut nach, ob auch Räder dran sind. Denn die bequemen Ohrensessel, die Multimedia-Einheit wie vom Apple-Designer und der Breitwand-Bildschirm anstelle klassischer Instrumente mittig auf dem Armaturenbrett - das alles sieht mehr nach Designersuite aus, als nach Auto.

Das sagt der Hersteller: Für Citroën-Chef Frédéric Banzet markiert der C4 Picasso den Beginn einer neuen Ära. Nicht nur, weil er als erstes Modell des PSA-Konzerns auf einer neuen Plattform steht, die für das Unternehmen ähnlich bedeutsam ist wie der modulare Querbaukasten (MQB) für VW.

Sondern auch, weil das Auto angeblich eine Neuerfindung des Vans sei. Begründung der Verantwortlichen: "So viel Lebensraum wie Citroën bietet kein anderer in dieser Klasse." Die Erwartungen an das neue Modell sind groß. Der neue Van soll die Marktführerschaft in Europa in diesem Segment zurückerobern.

Das ist uns aufgefallen: Wie gut es im C4 Picasso vor allem die Beifahrer haben. Für den Fahrer ist der neue Citroën ein Van wie jeder andere - mit sehr bequemem Fahrersitz und großen Scheiben; allein die Panorama-Frontscheibe hat ein Format von dreieinhalb Quadratmetern.

Der Beifahrer hingegen wird verwöhnt von einer kuscheligen Halskrause in der Kopfstütze, einer Massagefunktion im Sitz und einer elektrisch ausfahrbaren Fußraste; und die Hinterbänkler können die Sitze verschieben sowie die Neigung der Lehne verstellen. So entsteht bei entsprechender Einstellung überraschend viel Kniefreiheit, was jedoch nichts daran ändert, dass es um die Schultern etwas eng wird und die Beinauflage der Sitzkissen für Erwachsene etwas zu kurz geraten ist.

Der Innenraum bietet jede Menge Ablagen und pfiffige Extras wie eine Steckdose in der Mittelkonsole, Leseleuchten an den Klapptischen oder Geheimfächer im Fußraum. Und wenn sperrige Sachen im Auto verstaut werden müssen, öffnet die elektrische Heckklappe den Zugang zum größten Kofferraum in dieser Klasse.

Bei all der Konzentration auf den automobilen Lebensraum gerieten die fahrerischen Qualitäten ein wenig in den Hintergrund. Natürlich möchte Citroën, dass man sich am Steuer eher als Chauffeur statt als Spediteur fühlt. Doch trotz des abgesenkten Schwerpunktes aufgrund des um fünf Zentimeter tiefer gelegten Motors, der breiteren Spur, der reduzierten Bodenfreiheit sowie der gut abgestimmten E-Lenkung fährt der C4 Picasso so, wie es typisch ist für französische Autos: federweich und betont komfortabel. Fondinsassen freut das, aber agile Fahreinlagen auf der Landstraße kann man sich abschminken.

Das liegt allerdings nicht nur am Fahrwerk, sondern auch an den Motoren. Der stärkste Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und 156 PS ist natürlich mehr als ausreichend. Aber mit dem 92-PS-Basis-Diesel möchte man sich den C4 Picasso lieber nicht vorstellen - erst recht nicht, wenn er voll beladen ist.

Das muss man wissen: Der neue C4 Picasso steht ab Mitte Juni bei den Citroën-Händlern und kostet mindestens 19.990 Euro. Neben dem hier getesteten 156-PS-Turbo-Benziner gibt es noch einen zweiten Benziner mit 120 PS sowie zwei Dieselmotorisierungen mit 92 und 116 PS. Wenn im Herbst der 20 Zentimeter längere Siebensitzer Gran Picasso auf den Markt kommt, wird das Aggregateangebot durch einen neuen 2-Liter-Diesel mit 150 PS und SCR-Katalysator ergänzt, der dann auch die Euro-6-Norm schafft.

Als erstes Auto im PSA-Konzern nutzt der C4 Picasso die neue Plattform EMP2. Die ist variabel genug für fünf Radstände und vier Spurweiten, sie ist leichter als bisherige Bodengruppen, sie ermöglicht mehr nutzbaren Fahrzeugraum auf kleinerer Fläche und kann mit allen aktuellen Spritspartechnologien bestückt werden. Der C4 Picasso ist deshalb 70 Kilogramm leichter als das Vorgängermodell und deutlich sparsamer. Mit dem 92-PS-Diesel und automatisiertem Schaltgetriebe liegt der Durchschnittsverbrauch bei 3,8 Liter je 100 Kilometer. Ein Schwachpunkt ist jedoch, dass es für die Benziner keine Start-Stopp-Automatik gibt.

Parallel zur neuen Plattform wird auch eine neue Elektronik-Architektur eingeführt. Auf der basieren Assistenzsysteme wie die Einparkautomatik, der Abstandswarner und eine Spurführungshilfe, die sanft den Gurt spannt, sobald der Fahrer vom Kurs abzukommen droht. Außerdem ermöglicht sie das komplette Infotainment-Programm mit Internetverbindung und Apps, wie Facebook und Co. ins Auto zu bringen.

Das werden wir nicht vergessen: Wie gründlich Citroën das neue Familienauto ausgestattet hat. Nicht nur, weil der Wagen über mehr Sicherheitsextras verfügt als jeder andere Citroën und man den Nachwuchs mit einem zweiten Innenspiegel stets im Blick behalten kann. Sondern auch, weil man sogar die Instrumente so frei konfigurieren kann, dass dort ein Familienfoto neben dem Tacho erscheint.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Familienfoto neben dem Tacho
cleef68 06.06.2013
Sowas denken sich bestimmt die Leute aus, die die Fahrerinformationen, also Tacho, Tankanzeige, ggf. Navi-Kurzinfo usw., in die Mitte des Armaturenbretts rücken, so daß der Blick zum Ablesen der Geschwindigkeit endgültig von der Straße abgewandt werden muß. Sehr sinnvoll das. Vielleicht wären die Anzeigen komplett auf der Beifahrerseite auch ganz hübsch. Dann kann der Fahrer die Infos ja immer erfragen. Beifahrer vorausgesetzt...
2. faulenzen ?
manni.baum 06.06.2013
beim Benziner 156 angeblich nur Schaltgetriebe für Lenkradbeisser, "faulenzen" ist das nicht.
3. Kein Langweiler.
michaelkaloff 06.06.2013
Schönes Außendesign!
4. Teaser?
fjr 06.06.2013
"Weil bei einem Van in Wahrheit niemand Fahrdynamik braucht, hat Citroën seinen nagelneuen C4 Picasso konsequent auf Komfort für die ganze Familie getrimmt." Ach ja, Fahrdynamik braucht niemand. Also das Auto muß nur rumstehen, hochinteressant. Auch eine komfortable Abstimmung ist Fahrdynamik, halt keine besonders sportliche. Andererseits muß ich auch mit einem Van mal eine Vollbremsung in der Autobahnkurve machen. Und die Karre läuft ja angeblich 209 km/h schnell. Wenn sie dann ausbricht und die drei Plagen im Fond das nicht überleben, dann geh' ich dem Peugeot-Entwickler aber an den Kragen.- Einen dümmeren Teaser für Ihren Artikel gibt's wohl nimmer.
5. Mobilität optional
wakaba 06.06.2013
Plattformrahmen war schon beim Käfer nicht toll. An den Motor kommt man gar nicht mehr ran, da ist Zündkerzenwechsel schon ein finanzieller Totalschaden. Schlussendlich die Kiste ist zu klein wie soll da eine 4-er Bande in die Ferien fahren und eine Wanderdüne ists auch noch.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Fahrberichte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 60 Kommentare
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Citroën
Typ: C4 Picasso (2013)
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Handschaltung
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 156 PS (115 kW)
Drehmoment: 240 Nm
Von 0 auf 100: 9,0 s
Höchstgeschw.: 209 km/h
Verbrauch (ECE): 6,0 Liter
CO2-Ausstoß: 139 g/km
Kofferraum: 537 Liter
Gewicht: 1.269 kg
Maße: 4428/1826/1619
Preis: 24.040 EUR
Fotostrecke
Citroën-Historie: Ente, Granaten und die Göttin



Aktuelles zu