Citroën C5 Tourer by Carlsson Warum so großspurig?

Pkw von Citroën gelten als wattig weich und komfortabel. Die Kunden mögen das, Citroën jedoch würde lieber als knackig und rassig wahrgenommen werden. Daher startet die Marke in der Rallye-WM und lässt ein Familienauto vom Tuner aufmotzen.

Jürgen Pander

Sportlichkeit ist scheinbar alles heutzutage. Männer tragen auf dem Weg zu Arbeit keine Mäntel mehr, sondern Outdoor-Jacken; Präsidenten lassen sich im Judo-Anzug fotografieren, und entspanntes Spazierengehen wurde verdrängt von staksigem Marschieren mit Stöcken. Autos unterliegen ebenfalls diesem Trend. Kein Hersteller, der nicht betont, wie sportlich und rasant die eigenen Modelle sind. Für Marken wie Citroën, die seit jeher für unaufgeregte und bequeme Mobilität stehen, ist das ein Problem.

Erkennbar wird es zum Beispiel am Familienauto C5 Tourer, dem großen Kombi in der Modellpalette der Franzosen, der eigentlich prädestiniert ist für ein geschmeidiges Fahrgefühl. Anteil daran hat der kraftvolle aber unaufdringlich arbeitende Vierzylinder-Dieselmotor mit 204 PS, das mild programmierte Sechsgang-Automatikgetriebe und die Hydraktiv-Federung, die Unebenheiten bereitwillig abpuffert. Wenn dazu noch eine geräuschdämmende Seitenverglasung kommt, wie in unserem Testwagen, fährt man wie auf Wolke sieben: nämlich abgeschottet von der Welt außerhalb der Karosserie.

Bis hierhin ist der geräumige Kombi ein typischer Citroën - doch in diesem Fall geht es noch weiter. Denn das Modell wurde von der Tuningfirma Carlsson auf Gut Wiesenhof in Merzig aufgebrezelt. Erkennbar ist dies an Spoilern, Schürzen und Schwellern rundum, an Edelstahl-Einstiegsleisten, Aluminium-Pedalen und an gleich vier Auspuff-Endrohren. Außerdem gibt es den Metalliclack im Farbton Perlmuttweiß nur für die C5-Sonderserie by Carlsson; wer weiß nicht mag, kann den Wagen auch in Perla-Nera-Schwarz bestellen.

Die sportliche Aufmachung für ein Auto, das nirgendwo deplatzierter wäre als auf einer Rennstrecke, wirkt bemüht und überflüssig. Doch wenn die Kundschaft nun mal eine derartige Verkleidung wünscht - warum nicht. Grotesk wird es allerdings, wenn der Wagen dann auch noch tiefergelegt und mit 19 Zoll großen Rädern bestückt wird. So geht nämlich ein Teil jenes Komforts verloren, der Citroën berühmt und erfolgreich gemacht hat.

Für Citroën ist weicher Fahrkomfort geradezu existentiell

Vor allem aber wird aus dem C5 Tourer ein Allerweltsauto, denn irgendwie knackig, ruppig, sportlich sind inzwischen fast alle Kombimodelle. Das aber hat der Wagen nicht verdient. Ohne den Sportlichkeitsfirlefanz ist der Kombi nämlich ein Citroën par excellence: mit riesigem Kofferraum, kleinen Extravaganzen wie der feststehenden Lenkradnabe, lässig-elegantem Styling und dem für ein Modell dieses Herstellers geradezu existentiellen Fahrkomfort.

Im Normalfall kostet der C5 Tourer mit dem 204-PS-Dieselmotor und in der Ausstattungsstufe Exklusiv 37.750 Euro. Für die Variante by Carlsson, die zusätzlich noch mit Alcantara-Schmuck im Innenraum, mitlenkenden Bi-Xenon-Scheinwerfern, Navigationssystem, Spurhalteassistent und einer Einparkhilfe mit Parklückendetektor - ein hilfreiches Extra bei diesem nach hinten sehr unübersichtlichen Auto - bestückt ist, verlangt Citroën 45.290 Euro. Wer so viel Geld extra ausgibt, dem muss ein auf Sportlichkeit getrimmter Citroën wirklich gefallen. Das hat ja auch schon wieder was von Extravaganz.

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