Citroën CX Freude an der Extravaganz

Wer als Autofan den Namen Citroën hört, denkt an "Göttinnen" und "Enten". Aber auch mit dem CX setzten die Franzosen einen Meilenstein: Ihr Mut zur Extravaganz wurde belohnt und beeinflusste ganze Generationen von Auto-Designern.


Die erste Generation des 70er Jahre-Modells Citroen CX
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Die erste Generation des 70er Jahre-Modells Citroen CX

Paris - Die Limousine DS - die "Göttin" - trug zum Ruf des Hauses Citroën bei, technisch und optisch Ungewöhnliches auf die Räder zu stellen, während der 2 CV - die "Ente" - als ebenso karges wie knuffiges Auto aus Studententagen in den Köpfen blieb.

Die CX war nun zunächst als offizieller Nachfolger der "Göttin" auserkoren. Doch als die Entwicklung der Limousine noch in vollem Gange war, brach 1973 die große Ölkrise aus, was vor allem den Markt für größere Autos kollabieren ließ. Bei seiner Präsentation auf dem Pariser Automobilsalon 1974 wurde der CX daher vorsichtigerweise nicht als Nachfolger der Legende präsentiert. Vielmehr hieß es, er habe die Lücke zwischen eben jenem Spitzenmodell sowie dem kleineren GS zu füllen.

Erst 1976 übernahm das neue Modell nach dem Abschied der Legende DS die Spitzenstellung in der Modellpalette. Fortan gab es auf Wunsch eine Servolenkung. Ebenso kamen eine Dieselversion, ein großer Kombi und eine verlängerte Ausführung namens Prestige ins Angebot.

Außen wie Innen 70er-Stil: Wanzeninstrumente hinter Lupengläsern und ausladende Sitze
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Außen wie Innen 70er-Stil: Wanzeninstrumente hinter Lupengläsern und ausladende Sitze

Die Karosserie des CX war konsequent auf einen niedrigen Luftwiderstand ausgelegt. Ergänzt wurde die Grundform durch Details: Der einarmige Wischer gehörte ebenso dazu wie die nach innen gewölbte Heckscheibe, die sich selbsttätig vor Schmutz schützte. Dazu kam das für Citroën typische Fahrwerk mit einer Hydropneumatik, bei der eine Kombination aus Hydraulikflüssigkeit und Stickstoff für Fahrkomfort sorgte.

Auch der Innenraum bot Futuristisches - allerdings nicht unbedingt zur Begeisterung der Fahrer. So zeigten statt herkömmlicher Rundinstrumente Walzen hinter quadratischen Lupengläsern wichtige Informationen wie etwa das gerade gefahrene Tempo an. Dass Citroën weiterhin auf das Ein-Speichen-Lenkrad setzte, um einen besseren Blick auf die Instrumente zu ermöglichen, nützte da nicht viel, auch wenn die großzügigen Platzverhältnisse im Inneren sowie die üppigen Sitzgelegenheiten manche Fehler verzeihen ließen.

Trotz der gemischten Gefühle, die er auslöste, setzte der CX zu einer langen Karriere an. Damit die Kundschaft bei der Stange blieb, gab es regelmäßig Neues in kleinen Häppchen. So hielt mal ein Automatikgetriebe Einzug, mal gab es neue Motoren oder geänderte Ausstattungslinien. Im Zuge des Zeitgeists fand sogar das mit dem VW Golf groß gewordenen Kürzel GTi den Weg zum CX: Der 2,4-Liter-Motor des sportlichen Modells lieferte zunächst 94 kW/128 PS für die Vorderräder. 1985 gab es einen CX 25 GTi Turbo mit 123 kW/168 PS.

Auch als Kombi hatte die CX-Karosserie Charakter
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Auch als Kombi hatte die CX-Karosserie Charakter

Jedoch wurde bei allen Motoren die immer gleiche Kritik laut: dass die Vierzylinder mit ihrem rauen Lauf wenig zum samtigen Charakter des CX-Fahrens passten. Bei Citroën hatte man zwar in der Erprobung Sechszylinder und Wankelmotoren recht erfolgreich getestet - in der Serie blieb es aber über die komplette Bauzeit bei vier Zylindern.

Ohnehin verhielt sich das Werk bei der Modellpflege bis auf einige Details verhältnismäßig konservativ. Nur einmal musste der CX das über sich ergehen lassen, was gemeinhin "Facelift" genannt wird. Dies erschöpfte sich 1986 äußerlich vor allem in dem seinerzeit typischen Austausch der Chromstoßstangen gegen wuchtigere Kunststoffteile. Innen wichen die Lupeninstrumente herkömmlichen Anzeigen.

Drei Jahre rollte der so aufgepeppte CX noch als Neuwagen auf die Straßen, bis die Zeit des Experimentierens für Citroën 1989 endgültig ablief. Denn als mit dem Modell XM der Nachfolger erschien, war auf den ersten Blick klar, dass man nun auf die Evolution des Bekannten setzte. Erst am Anfang des neuen Jahrtausends erwacht bei den französischen Autobauern die Freude an der Extravaganz wieder. Es soll versucht werden, der Marke mehr Charakter zu geben - etwas, das der fast vergessene CX hatte.



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