Von Tom Grünweg
DS steht für Citroën nach aktueller Lesart nicht für die alte Luxus-Legende, sondern eher für "Different Style". "Alles, nur kein Retro-Auto", bringt Madame Rouvrais den Auftrag an die Designer auf den Punkt. Insofern ist es nur logisch, dass der neue Kleinwagen keinerlei Zitate des Auto-Evergreens von Flaminio Bertoni aufweist, dessen DS damals in dem berühmten Essay von Roland Barthes mit der Bedeutung der gotischen Kathedralen gleichgesetzt wurde. Der neue DS3 sieht sehr markant, unverwechselbar und modern aus. Selbst das spezielle DS-Logo könnte aus einem Science-Fiction-Film stammen.
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Der Technik in der hübschen Verpackung fehlt es an Esprit
So modern und fortschrittlich der DS3 in Sachen Outfit ist, so simpel ist das technische Strickmuster des Autos; rund 60 Prozent der Bauteile stammen vom C3. Die Chance, die neue Ära auch mit neuen Motoren oder gar einem Elektroantrieb zu beginnen - oder wenigstens ein Start-Stopp-System einzubauen -, hat Citroën vertan. Derartige Technologien sind zwar geplant, aber zum Verkaufsstart des DS3 im März noch längst nicht verfügbar. Und auch bei Assistenz- oder Komfortsystemen, in Sachen Navigation oder beim Unterhaltungsprogramm hat der Neue nichts Spezielles zu bieten.
Was den DS3 vom ebenfalls 3,95 Meter langen Fünftürer C3 unterscheidet, ist neben der Form vor allem das Fahrwerk. "Das ist deutlich straffer abgestimmt und mit größeren Rädern bestückt", sagt Rouvrais. Zwar reicht es dem DS3 nicht zum Go-Kart-Gefühl, das der Mini seinen Insassen vermittelt, doch insgesamt tritt das Auto recht knackig an. Auch wenn man auf dem Kopfsteinpflaster auf der Place de la Concorde ordentlich durchgeschüttelt wird, ist der hurtige Slalom im Stadtverkehr von Paris ein Vergnügen, vor allem mit der stärksten Benziner-Variante. Der Motor leistet 156 PS und macht dank 240 Nm Drehmoment ordentlich Druck. 8,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 214 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für einen Kleinwagen beachtlich. Daneben gibt es zwei weitere Benziner mit 95 und 120 PS, sowie zwei Dieselvarianten mit 92 und 112 PS. Der schwächere ist mit 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch und 99 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer das sauberste Auto der Truppe.
Ein Gefühl der Enge hinterm Lenkrad und miserable Sicht nach hinten
Auch das Fahrgefühl ist im DS3 völlig anders als beim C3: Wo der Fünftürer mit der optionalen Panorama-Scheibe weit und luftig wirkt, ist der Dreitürer viel knapper geschnitten. Je nach Situation empfindet man das als kuscheligen Kokon, sportliche Enge oder nervige Nähe zum Beifahrer. Die Aussicht nach draußen ist miserabel, nach hinten ist fast gar nichts zu erkennen. Wie passend, dass der Slogan zum Auto "never look back" heißt.
Lange geknobelt wurde bei Citroën um den Preis. Fürs Erste beginnt der bei 15.200 Euro. Damit ist der üppig ausgestattete DS3 - sechs Airbags, ESP und Tempomat sind stets an Bord - auf dem Papier genauso teuer wie der Mini und 2500 Euro teuer als der C3. Vergleicht man jedoch die entsprechenden Motorvarianten der beiden genannten Modelle, ändert sich das Bild. Dann spart man gegenüber dem C3 etwa 600 und gegenüber dem Mini 1300 Euro.
Der DS3 ist allerdings erst der Anfang einer ganzen Familie avantgardistischer Citroën-Typen. Vermutlich schon nächsten Monat wird beim Autosalon in Genf der DS4 enthüllt, der dann Anfang nächsten Jahres in den Handel kommen soll. Und auch das Modell DS5 ist angeblich schon so gut wie fertig. Allerdings könnte sich der Plan noch einmal ändern, denn die als reiner Blickfang auf die IAA in Frankfurt präsentierte Citroën-Studie Revolte kam beim Publikum so gut an, dass die DS-Linie wohl erst einmal nach unten hin erweitert wird. Mitarbeiter der Marke deuten an: "Gut möglich, dass aus der Studie der DS2 wird."
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