Citroen DS3: Konzentration aufs Äußerliche

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Retrodesign adieu! Während Mini oder Fiat 500 die Ästhetik von vorgestern beschwören, wählt Citroën einen anderen Weg. Der neue Kleinwagen DS3 soll die Lifestyle-Klientel anders locken: modern, individuell, zukunftsweisend. Optisch klappt das, technisch leider nicht.

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Citroën DS3: Charmeur aus der Lifestyle-Ecke
"Als die Entwicklung vor fünf Jahren begann, sollte eigentlich nur der Dreitürer des C3 herauskommen, und das Auto sollte so eigenständig wie möglich aussehen. Doch dann kam alles anders", erinnert sich Citroën-Managerin Estelle Rouvrais. Sie hatte nämlich eine Idee, die bis hinauf in den Vorstand so viel Gefallen fand, dass daraus das Modell DS3 und damit zugleich der Grundstein einer ganzen Modellreihe entstand. Zwar ist der Rückgriff auf die "Göttin", das legendäre Modell DS von 1955 etwas überzogen, doch luxuriöse Linien im Kleinformat haben durchaus Reiz und das neue Modell DS3 durchaus das Zeug zum Mini-Konkurrenten.

DS steht für Citroën nach aktueller Lesart nicht für die alte Luxus-Legende, sondern eher für "Different Style". "Alles, nur kein Retro-Auto", bringt Madame Rouvrais den Auftrag an die Designer auf den Punkt. Insofern ist es nur logisch, dass der neue Kleinwagen keinerlei Zitate des Auto-Evergreens von Flaminio Bertoni aufweist, dessen DS damals in dem berühmten Essay von Roland Barthes mit der Bedeutung der gotischen Kathedralen gleichgesetzt wurde. Der neue DS3 sieht sehr markant, unverwechselbar und modern aus. Selbst das spezielle DS-Logo könnte aus einem Science-Fiction-Film stammen.

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Mit dem Fiat 500 und dem Mini teilt sich der Citroën DS3 allerdings die Idee von der maximalen Individualisierung. Es gibt den Wagen, als erstes Modell der Marke überhaupt, auf Wunsch auch zweifarbig, außerdem gibt es diverse Dach-Tatoos, Zierleisten und Außenspiegelkappen. Auch innen treibt es der DS3 auf Wusch sehr bunt. Im Angebot finden sich irre Sitzbezüge, schräge Fußmatten und schillernde Konsolen. Selbst den wie einen MP3-Player geformten Zündschlüssel kann man individualisieren. "Wahrscheinlich gleicht kein DS3 dem anderen", sagt Rouvrais angesichts der mehr als eine Million Möglichkeiten, die es an Kombinationen für das Auto gibt. Damit die Kunden nicht den Überblick verlieren, müssen die Händler eigens einen 3D-Konfigurator aufstellen.

Der Technik in der hübschen Verpackung fehlt es an Esprit

So modern und fortschrittlich der DS3 in Sachen Outfit ist, so simpel ist das technische Strickmuster des Autos; rund 60 Prozent der Bauteile stammen vom C3. Die Chance, die neue Ära auch mit neuen Motoren oder gar einem Elektroantrieb zu beginnen - oder wenigstens ein Start-Stopp-System einzubauen -, hat Citroën vertan. Derartige Technologien sind zwar geplant, aber zum Verkaufsstart des DS3 im März noch längst nicht verfügbar. Und auch bei Assistenz- oder Komfortsystemen, in Sachen Navigation oder beim Unterhaltungsprogramm hat der Neue nichts Spezielles zu bieten.

Was den DS3 vom ebenfalls 3,95 Meter langen Fünftürer C3 unterscheidet, ist neben der Form vor allem das Fahrwerk. "Das ist deutlich straffer abgestimmt und mit größeren Rädern bestückt", sagt Rouvrais. Zwar reicht es dem DS3 nicht zum Go-Kart-Gefühl, das der Mini seinen Insassen vermittelt, doch insgesamt tritt das Auto recht knackig an. Auch wenn man auf dem Kopfsteinpflaster auf der Place de la Concorde ordentlich durchgeschüttelt wird, ist der hurtige Slalom im Stadtverkehr von Paris ein Vergnügen, vor allem mit der stärksten Benziner-Variante. Der Motor leistet 156 PS und macht dank 240 Nm Drehmoment ordentlich Druck. 8,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 214 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für einen Kleinwagen beachtlich. Daneben gibt es zwei weitere Benziner mit 95 und 120 PS, sowie zwei Dieselvarianten mit 92 und 112 PS. Der schwächere ist mit 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch und 99 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer das sauberste Auto der Truppe.

Ein Gefühl der Enge hinterm Lenkrad und miserable Sicht nach hinten

Auch das Fahrgefühl ist im DS3 völlig anders als beim C3: Wo der Fünftürer mit der optionalen Panorama-Scheibe weit und luftig wirkt, ist der Dreitürer viel knapper geschnitten. Je nach Situation empfindet man das als kuscheligen Kokon, sportliche Enge oder nervige Nähe zum Beifahrer. Die Aussicht nach draußen ist miserabel, nach hinten ist fast gar nichts zu erkennen. Wie passend, dass der Slogan zum Auto "never look back" heißt.

Lange geknobelt wurde bei Citroën um den Preis. Fürs Erste beginnt der bei 15.200 Euro. Damit ist der üppig ausgestattete DS3 - sechs Airbags, ESP und Tempomat sind stets an Bord - auf dem Papier genauso teuer wie der Mini und 2500 Euro teuer als der C3. Vergleicht man jedoch die entsprechenden Motorvarianten der beiden genannten Modelle, ändert sich das Bild. Dann spart man gegenüber dem C3 etwa 600 und gegenüber dem Mini 1300 Euro.

Der DS3 ist allerdings erst der Anfang einer ganzen Familie avantgardistischer Citroën-Typen. Vermutlich schon nächsten Monat wird beim Autosalon in Genf der DS4 enthüllt, der dann Anfang nächsten Jahres in den Handel kommen soll. Und auch das Modell DS5 ist angeblich schon so gut wie fertig. Allerdings könnte sich der Plan noch einmal ändern, denn die als reiner Blickfang auf die IAA in Frankfurt präsentierte Citroën-Studie Revolte kam beim Publikum so gut an, dass die DS-Linie wohl erst einmal nach unten hin erweitert wird. Mitarbeiter der Marke deuten an: "Gut möglich, dass aus der Studie der DS2 wird."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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    Seite 1    
1. Lächerlich!
Tr1ple 01.02.2010
Was sich die Zitronen Franzosen da wieder ausgedacht haben ist irrwitzig! Citroen ist meiner Meinung nach einer der Schlechtesten Automobilproduzenten! und ich bin fast alle deren Modelle gefahren. Schlechte Verarbeitung und Hässlichkeit! Ist wohl deren Firmenmotto und das Subventioniert auch noch der Französische Staat. Das einzige Auto was hinnehmbar war (verarbeitungsmäßig und straßenlage) war für mich der C3 picasso allerdings mit Vollausstattung und alles extras. Ich denke das man sich von diesen Autos fern halten sollte! PS: wer mal einen fahren will mal bei Sixt anfragen. ;) Ich nix Deutsch Rechtschreibfehler behalten!
2. Immer noch kein Titel
garfield, 01.02.2010
Zitat von sysopRetrodesign adieu! Während Mini oder Fiat 500 die Ästhetik von vorgestern beschwören, wählt Citroën einen anderen Weg. Der neue Kleinwagen DS3 soll die Lifestyle-Klientel anders locken: modern, individuell, zukunftsweisend. Optisch klappt das, technisch leider nicht. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,675173,00.html
Wow! Ich kann mir jetzt das Dachmuster ausuchen und die Farbe des Schlüssels. Das waren schon immer meine Hauptkriterien, nach denen ich meine Autos ausgewählt habe. Zitat: "DS steht für Citroën nach aktueller Lesart nicht für die alte Luxus-Legende, sondern eher für "Different Style" Na, bloss gut! Schreibt das dick dazu! Die gute alte DS würde sich im Grabe umdrehen und Herr Citroen gleich mit! Dass der letzte Versuch nichts weniger als mit der alten DS zu tun hat, wird wohl auch in Federung und Fahrwerk klar: "Das ist deutlich straffer abgestimmt." Nennt es doch beim Namen: hart und steif, dass man jedes Löchlein im Straßenbelag mitbekommt. Nein danke! Seit dem XM baut Citroen nichts mehr, was sich auch nur im Mindesten interessant von der Konkurrenz abhebt. Vor geraumer Zeit habe ich mal in einer Autozeitschrift den Test eines Lexus gelesen. Da hat der Autor bemängelt, dass das Auto viel zu weich gefedert sei. DAS nenne ich eine Empfehlung im ständigen Einerlei der "sportlichen" Fahrwerke!
3. Meckern ist wichtig
brux 01.02.2010
Meckern ist natürlich wichtig. Ist der Autor nicht genügend von Citroen ausgehalten worden? War der Schampus zu warm? Ob man will oder nicht: Autos sind Lifestyle-Produkte. Dieses hier ist witziger als etwa der Prollbomber BMW X6 oder die silbrigen Monstrositäten anderer deutscher Hersteller. Und die zuständige Managerin macht auch viel mehr her als der typische schwäbelnde Jungingenieur. Vielleicht sollten die deutschen Autojournalisten mal zu Kenntnis nehmen, dass die Welt der Autokäufer nicht nur aus deutschen Pharmavertretern besteht.
4. Immer noch kein Titel
garfield, 01.02.2010
Zitat von bruxMeckern ist natürlich wichtig. Ist der Autor nicht genügend von Citroen ausgehalten worden? War der Schampus zu warm? Ob man will oder nicht: Autos sind Lifestyle-Produkte. Dieses hier ist witziger als etwa der Prollbomber BMW X6 oder die silbrigen Monstrositäten anderer deutscher Hersteller. Und die zuständige Managerin macht auch viel mehr her als der typische schwäbelnde Jungingenieur. Vielleicht sollten die deutschen Autojournalisten mal zu Kenntnis nehmen, dass die Welt der Autokäufer nicht nur aus deutschen Pharmavertretern besteht.
Tja, und so hat jeder seine ganz eigenen Kriterien, nach denen er die Automarke aussucht ;-)
5. .
faustjucken_de 01.02.2010
Sieht aus wie jeder andere x-beliebige Wagen, der auf den STraßen herumfährt. NULL Individuell
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Fahrzeugschein
Hersteller: Citroën
Typ: DS3
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 156 PS (115 kW)
Drehmoment: 240 Nm
Von 0 auf 100: 8,1 s
Höchstgeschw.: 214 km/h
Verbrauch (ECE): 6,7 Liter
CO2-Ausstoß: 155 g/km
Kofferraum: 285 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 22 (TK) / 20 (VK)
Preis: 19.800 EUR

Schnellcheck

Citroën DS3

Einsteigen: ...weil der Wagen noch mehr Farbe ins schon recht bunte Kleinwagen-Segment bringt.

Aussteigen: ...weil die Technik weniger innovativ ist als das Konzept und weil man nach hinten quasi nichts sieht.

Umsteigen: ...vor allem aus Mini und Fiat 500, aber auch aus Lancia Ypsilon oder Nissan Cube. Und natürlich aus dem Citroën C3.


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