Citroën DS5 Hybrid 4 Hoppla, jetzt strome ich

Häufig klagen Autofahrer, es gäbe nichts Neues mehr, ein Wagen sähe aus wie der andere und überhaupt stecke unterm Blech immer die gleiche Technik. Das stimmt in vielen Fällen, es gibt jedoch Ausnahmen. Den Citroën DS5 Hybrid 4 zum Beispiel: Ein Auto mit Verblüffungsgarantie.

Von Jürgen Pander

Jürgen Pander

Es kommt nicht oft vor, dass man sich in ein Auto setzt und denkt, "unfassbar". Doch im neuen Citroèn DS 5 Hybrid 4 ist alles so anders gestaltet als gewohnt, dass man zweimal hinschaut. Verwundert ist, berührt, ausprobiert, hier fummelt, dort drückt - kurz gesagt: dass man sich mal wieder haargenau in einem Auto umsieht, weil es überall Überraschungen gibt.

Die Tasten für die Fensterheber sitzen wie kleine Flaggen in der Mittelkonsole, das markant modellierte Lenkrad fällt einem geradezu in die Hände, der Getriebewählhebel wirkt fast schon zerbrechlich und der Drehregler für die Antriebsoptionen gleich daneben macht neugierig auf die ersten Fahreindrücke.

Wir sitzen im Citroën DS5 Hybrid 4, einem der wohl exotischsten Serienautos, die derzeit auf dem Markt sind - und damit typisch französisch. Das war wohl auch der Grund, warum Francois Hollande als frisch gewählter Präsident Frankreichs bei seiner Amtseinführung in einem offenen Citroën DS5 über die Champs Elysées chauffiert wurde.

Fett, aber fetzig

Gern gefällt sich der Sozialist als Antithese zu Extravaganz und Raffinesse - bei der Wahl des Autos jedoch wählte er die derzeit größtmögliche Exaltiertheit, immerhin im unauffälligen Farbton "Galena-Grau".

Auch in gedeckter Lackierung ist das Auto noch frisch und anders. Dabei wirkt die Karosserie aus den meisten Blickwinkeln eher plump und unförmig, doch darauf achtet man gar nicht, weil das Auge zum Beispiel an der zackigen Frontpartie hängen bleibt oder an den Chromleisten, die sich von den Scheinwerfern bis in die vorderen Seitenscheiben ziehen. Oder an den Auspuffendrohren in der Form von Briefkastenschlitzen.

Die Technik des Wagen steht hinter den optischen Eindrücken nicht zurück. Das Auto ist das erste Hybridmodell von Citroën, als Antrieb werden ein 163 PS starker Vierzylinder-Dieselmotor und ein 37 PS starker Elektromotor kombiniert. Die Kraftverteilung übernimmt ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe. Das wechselt die Gänge etwas zögerlicher als eine Automatik, kostet aber weniger. Und Kosten sind der kritische Faktor eines Hybridfahrzeugs.

Ein Hybridmodul für zwei Marken und zahlreiche Modelle

Was Citroèn aber nicht davon abhielt, einen Dieselmotor als Verbrenner einzusetzen - auch wenn der rund 15 Prozent teurer ist als ein vergleichbarer Benziner. Dazu kommt noch die Hybridtechnik: Der E-Motor von Bosch und die Nickel-Metall-Hydrid-Akkus von Sanyo, dazu die Steuerelektronik. Katsching!

Allerdings sind im Citroën DS5 all diese Elemente in einem Modul zusammengefasst, und dieses Modul wiederum nutzt auch Peugeot, die andere Marke im PSA-Konzern. Das Schlaue daran: Die Hinterachs-Hybrid-Einheit lässt sich wie ein Bausatz in etliche Modelle integrieren - das wiederum spart Kosten.

Das einzige was beim Einbau dieser Achseinheit verloren geht, ist ein Teil des Kofferraums (328 statt 468 Liter). Dafür aber werden die so konzipierten Hybridautos zu Allradlern, denn wenn Verbrenner (Vorderachse) und E-Maschine (Hinterachse) zugleich arbeiten, werden alle vier Räder mit Drehmoment versorgt.

5,4 Liter Verbrauch - im Alltag, nicht im Labor

Das Fahren mit dem Citroën DS5 ist ein Klacks. Von der Hightech im Hintergrund kriegt man kaum etwas mit. Elegant und nahezu lautlos rollt der Wagen, rein elektrisch angetrieben, zum Beispiel vom Parkplatz. Und wenn das Gaspedal etwas mehr gedrückt wird, erzittert die Karosserie kurz und ein dezentes Brummeln wird hörbar. Dann ist auch der Dieselmotor erwacht und kümmert sich um den Vortrieb. Auf dem zentralen Bildschirm oder auch im Cockpit kann man sich einblenden lassen, wie die Energie- und Kraftströme des Antriebs gerade fließen, ob die Akkus geladen werden, beide Motoren arbeiten und so weiter.

So braust man dann dahin, mit durchaus gutem Gewissen, denn sparsamer lässt sich ein so wuchtiges Auto von gut 1,7 Tonnen Leergewicht aktuell wohl kaum bewegen. 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch und 99 Gramm CO2-Ausstoß gibt Citroën für den DS5 an. Wir fuhren den Wagen mit einem Schnitt von 5,4 Liter. Das ist deutlich mehr, für einen Luxus-Koloss allerdings ein beachtlicher Wert.

Das schwere Auto erfordert eine härtere Abstimmung

Wenn man über die Hybridvariante des DS5 nachdenkt, sollte man jedoch nicht nur den geringeren Verbrauch und den höheren Preis ins Kalkül ziehen, sondern auch wissen, dass man ein härteres Fahrwerk mitgeliefert bekommt. Die gut 200 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem reinen Dieselmodell erfordern eine etwas straffere Abstimmung, was dem Citroën ein nicht unangenehmes, knuspriges Abrollen verleiht, zugleich jedoch das von den Fans der Marke geschätzte, flauschige Schwebegefühl eliminiert.

Francois Hollande, der ja ausdrücklich ein Präsident mit Bodenhaftung sein möchte, wird das nur recht sein. So kann er schon durch die Wahl seines offiziellen Autos demonstrieren, dass er modern und chic, aber eben nicht großkotzig und abgehoben ist. Und das größte Manko des DS5, nämlich die miserable Rundumsicht, ist für Monsieur Hollande auch kein Problem: Mit der muss sein Chauffeur klarkommen.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wofgang 28.06.2012
1.
Interessantes Auto in die richtige Richtung. Aber warum muss es immer so ein großer Verbrenner sein. Ein kleinerer, eventuell sogar ein 1,3 l würden vollkommen aus reichen für die miesten Anwednungsfälle. Und immer wieder die Frage, was ist so schwierig am rein elektrischen Antrieb mit einem wirklich kleinen Rangeextender. Man könnte sich viel gewicht und Kosten sparen.
herrschmeisshirn 28.06.2012
2. Neuwagen-"Duft"
Ich habe mir das Auto neulich beim Händler angesehen. Es hätte ganz gut passen können. Und meine Frau wollte mal einen DS3 von innen sehen. Aber nach 10min waren wir wieder draußen, denn alle Autos (inkl. dem DS5) im Showroom haben heftigst nach Neuwagen-Chemie gestunken. Höhepunkt war ein C5: Tür zugemacht und nach ein paar Sekunden hat die Nase innen gebrannt. Mich wundert, wieso kein Tester diies erwähnt. Das war nicht tolerabel.
timbuktu 28.06.2012
3. 5,6 Liter ?
Wozu der Aufwand? BMW zeigt mit dem 520d Efficient dynamics edition, dass es auch ohne Hybrid geht. Ich fahre den Wagen mit deutlich unter 5 Litern im Praxisbetrieb (75% Langestrecke, Rest Kurzstrecke) ...
Dette 28.06.2012
4.
Genau diese Technik sollte schon vor eineinhalb Jahren im Peugeot 3008 zur Anwendung kommen. Nun ist der 3008 leider eines der hässlichsten und platzverschwenerischsten Autos am Markt. Halte diese Art des BEZAHLBAREN Hybrids als die bisher alltagstauglichste. Ausserdem ist die Lösung E-Antrieb auf die Hinterräder eine nette Allradvariante. Gleichzeitig Könnte der E-Motor auch die Schaltpausen des normalen Getriebes ausgleichen. Wie gesagt, könnte. Wenn PSA wieder so lahm ist wie beim 3008, braucht die Konkurenz keine Angst zu haben.
3liter 28.06.2012
5.
Zitat von timbuktuWozu der Aufwand? BMW zeigt mit dem 520d Efficient dynamics edition, dass es auch ohne Hybrid geht. Ich fahre den Wagen mit deutlich unter 5 Litern im Praxisbetrieb (75% Langestrecke, Rest Kurzstrecke) ...
Das war auch mein erster Gedanke. Oder nehmen Sie einen 316d oder 318d ... da fahren Sie mit 4l/100 km durch die Gegend. Ohne Hybrid. Und wenn ich bedenke, dass ich mit meinem 330d und 270 PS aus 2006 auch mit 5,5l durch die Gegend fahren KANN (ok, da muss einiges passen und ich mir Mühe geben), dann frag ich mich, wo hier jetzt genau der große Hybridvorteil lauert. Hybrid ist bisschen so wie das Bio-Siegel auf Lebensmitteln: Eine Lizenz zum Geld drucken, die fast an Betrug grenzt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.