Aus Marrakesch berichtet Jürgen Pander
Das Polizeiauto am Straßenrand ist ein Dacia Logan, und die Beamten in den schneidigen Uniformen winken freundlich, als wir vorbeifahren. Es geht ins Hinterland der einstigen Hippie-Hochburg und heutigen Szene-Stadt Marrakesch, wo der neue Dacia Duster demonstrieren soll, dass er nicht nur ordentlich Staub aufwirbeln, sondern auch ruppige Offroad-Pisten bewältigen kann. Marokko bietet sich dafür an: Nicht nur wegen des wilden Geländes am Fuße des Atlas-Gebirges und der pittoresk-orientalischen Hintergründe für die Fotografen. Sondern auch, weil Dacia in Marokko die meistverkaufte Automarke ist. Das ist sonst nur noch im Mutterland Rumänien der Fall.
Der größte Einzelmarkt für Dacia wiederum ist Deutschland. 83.500 Fahrzeuge der Marke wurden hierzulande im vergangenen Jahr abgesetzt. "Und wir werden noch deutlich zulegen", sagt Gérard Detourbet, der Verantwortliche für das Modellprogramm von Dacia. Eine Prognose, wie groß der Zuwachs denn ausfallen werde, möchte er nicht abgeben. "Alles was ich sagen würde, wäre wohl zu pessimistisch", sagt er nur. Und das klingt wiederum höchst optimistisch.
Der Grund dafür ist das neue Modell Duster. Es basiert, wie alle anderen Dacia-Typen auch, auf der so genannten B-0-Plattform des Konzerns, also jenem Grundgerüst, das auch schon den vormaligen Renault Clio trug. Ganz neu aber ist die Positionierung: Erstmals baut Dacia ein SUV, erstmals ein Modell mit Option auf Allradantrieb und erstmals eines, das gegen Aufpreis mit dem Schleuderschutzsystem ESP ausgestattet werden kann. Der Duster fährt gewissermaßen zweigleisig - in den gesättigten Automärkten als mit Abstand billigstes Modell im modischen Kompakt-SUV-Segment, und in den Schwellenländern als robustes Allrad-Allzweckmobil für die dortige Mittelschicht.
Gebaut wird der Duster außer im Stammwerk im rumänischen Pitesti noch in Kolumbien, Brasilien, Russland und künftig auch in Indien; ein Weltauto also, das je nach Land ganz unterschiedlich positioniert ist. In Deutschland etwa kostet die billigste Variante 11.900 Euro. Dieser Wagen hat einen 1,6-Liter-Benzinmotor mit 105 PS und Frontantrieb. Wer Allradantrieb möchte, muss 1800 Euro draufzahlen und erhält dann ein aus dem Nissan Murano abgeleitetes System, das die Hinterachse automatisch oder per Knopfdruck via elektronisch gesteuerter Kupplung zuschaltet. In diesem Fall ist man bei 13.700 Euro für einen 4,31 Meter langen, geräumigen Kompakt-SUV mit beachtlichen Geländefähigkeiten - wer wirklich nur aufs Geld schaut, muss da eigentlich nicht lange überlegen.
Für den Einstiegspreis gibt es lediglich einen Rudimentär-SUV
Wer allerdings auch ein bisschen Komfort im Auto wünscht, etwa eine Zentralverriegelung oder elektrische Fensterheber an den vorderen Türen, oder wer zu den obligatorischen Frontairbags auch gerne noch zwei Seitenairbags hätte, muss zu besser bestückten und damit teureren Varianten greifen.
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Man sieht daran, dass Dacia eine Marke für diziplinierte Rechner ist. Ganz gewiss ist Dacia zumindest in Deutschland keine Marke für Menschen, die ein Auto als Statussymbol begreifen. Am Design jedoch liegt das nicht, denn der Wagen ist rundum gelungen, sieht bullig und eigenständig aus und bietet einen ordentlich eingerichteten und geräumigen Innenraum. "Das beste Preis-Raum-Verhältnis ist unser Anspruch", sagt Dacia-Mann Detourbet.
Ohne zu knistern oder zu knarzen über rabiates Geläuf
Das ist sogar ein bisschen tief gestapelt, denn der Duster fährt auch respektabel. Das Lenkgefühl ist verbindlich, Federung und Dämpfung sind kommod abgestimmt und die Motorengeräusche bleiben bis zirka 120 km/h überaus dezent. Beide von uns gefahrenen Motorvarianten, der 105-PS-Benziner und der 86-PS-Diesel (der, anders als die stärkere 110-PS-Variante, erst ab Herbst verfügbar sein wird) hinterließen einen ebenso unspektakulären wie soliden Eindruck. Und auf den rüden Rüttelstrecken im marokkanischen Hinterland muckte die Karosserie kein bisschen - manch' sehr viel teureres Modell hätte nach dem ein oder anderen Schlagloch sicher laut aufgeknarzt.
Es gibt aber durchaus Argumente, die gegen den Dacia Duster sprechen: Die vom Hersteller erwarteten 3-Sterne im Euro-NCAP-Crashtest zum Beispiel, der lediglich die Euro-4-Abgasnorm erfüllende Benziner im frontgetriebenen Modell oder die Tatsache, dass ESP nur für die Modelle mit dem stärksten Dieselmotor verfügbar ist.
Doch überzeugt der Wagen andererseits durch ein erfreulich niedriges Gewicht (je nach Ausstattung 1160 bis 1250 Kilogramm), einen ausgereiften Gesamteindruck und die vergleichsweise niedrigen Preise. Dacia-Käufer mögen auf Status pfeifen, ein Statement aber geben sie mit der Wahl des Autos ganz sicher ab: Premium sparen statt Premium fahren.
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