Fahrbericht Subaru BRZ: Boxer ohne Punch

Von Tom Grünweg

Subaru BRZ: Das schneidige Weichei Fotos
Subaru

Beim Anblick des neuen Subaru BRZ denkt man als erstes: Wow! So sportlich sah schon lange kein Coupé aus japanischer Produktion mehr aus. Erwartungsfroh steigt man hinters Sportlenkrad und freut sich auf eine flotte Fahrt. Dann kommt leider alles ganz anders.

Normalerweise stellt Subaru neue Autos in rustikalem Ambiente vor. Die japanische Marke ist vor allem bekannt für ihre Allradautos, insofern macht das Sinn. Diesmal jedoch präsentiert Subaru sein neues Modell in den französischen Seealpen, da, wo sonst die Rallye Monte Carlo stattfindet. Die Straßen bestehen dort nur aus Kurven, es ist ein Eldorado für Sportwagen. Und genau so einen hat Subaru jetzt wieder im Angebot. Und zwar keine überzüchtete Krawallkarre wie den Impreza WRX STI, sondern ein elegant-rassiges Sportcoupé.

Ab Spätsommer soll der 2+2-Sitzer für schlappe 30.000 Euro in Deutschland auf den Markt kommen und er bringt auf den ersten Blick alles mit, was man sich von einem Sportcoupé erträumt. Ein schnittiges Design, das vor allem dem Motor geschuldet ist, denn Subaru setzt - wie sonst nur Porsche - ein Boxeraggregat ein. Der zwei Liter große Vierzylinder ist viel flacher als ein herkömmlicher Motorblock, und das wiederum ermöglichte den Designern die wunderbar flache Silhouette. Doch auch das Fahrverhalten profitiert vom flachen Triebwerk, denn das ergibt einen tiefen Schwerpunkt, die Grundvoraussetzung für eine gute Straßenlage.

Dazu kommen beim BRZ noch Heckantrieb und ein Stabilitätsprogramm, das sich stufenweise abschalten lässt. Fertig ist das ideale Gerät für Straßen wie hier im Hinterland von Monaco. Oder doch nicht? Ansprechende Sportcoupés aus Japan haben eine lange Tradition. Leider ist es eine Geschichte, die in vielen Kapiteln von Enttäuschung handelt, denn der Fahrspaß blieb hinter dem Versprechen, das die Autos optisch gaben, oft zurück.

Der will getreten werden

Und leider, das muss an dieser Stelle mal so schnörkellos gesagt werden, fügt der Subaru diesem Epos ein weiteres Kapitel hinzu. Dabei bringt der Subaru eigentlich alles mit, was Sportlichkeit verspricht. 1,3 Tonnen Gewicht sind nicht die Welt und 200 PS Leistung klingen auch nicht schlecht. Doch das nicht gerade üppige Drehmoment von 205 Newtonmetern liegt erst jenseits von 6000 Umdrehungen pro Minute an. Und genau hier liegt das Problem.

Denn unterhalb von 3000 Umdrehungen passiert irgendwie zu wenig, dem Auto fehlt der Biss. Um auf den kurvigen Bergstraßen ansatzweise Spaß zu haben, muss man den neu entwickelten Boxermotor permanent treten. Doch auch dann ist der BRZ kein Beschleunigungswunder. 7,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 - das schafft auch ein VW Passat. Nur eine Randnotiz: Der Normverbrauch von 6,9 Litern rückt bei einer derartigen Fahrweise natürlich in weite Ferne.

Alles - außer der Optik - ist irgendwie halbgar

Spätestens jetzt ahnt man, dass sich der BRZ artig in die Ahnenreihe der Sportwagen aus Nippon einreiht. Denn auch die Lenkung ist leider nur straff geraten, und nicht wirklich geschliffen scharf; das Getriebe fühlt sich eher knöchern als knackig an - und der Sound könnte auch wirklich betörender sein. Beim Interieur setzt sich diese gewisse Halbherzigkeit fort: Ein paar rote Ziernähte an den Lederverkleidungen und höhere Seitenwangen an den Vordersitzen machen eben aus einem Spießer noch keinen Sportler.

Subaru-Projektleiter Toshio Masuda kennt das Dilemma, doch seine Aufgabe war es nicht, einen kompromisslosen Sportwagen zu konstruieren, sondern ein ordentliches Auto auf die Räder zu stellen, das möglichst vielen potentiellen Käufern gefällt und sich auch rechnet. "Peace of mind" nennt er das Gefühl, nahezu bedenkenlos aufs Gas treten zu können, ohne das der BRZ gleich unbeherrschbar wird. Außerdem bleibt so, wie das Auto jetzt ist, noch genug Raum für eine wildere Variante. "250 PS haben wir auf dem Prüfstand schon aus dem Motor herausgeholt", sagt er.

Ob mit 200 oder 250 PS, mit dem BRZ besäße Subaru unter den Herstellern aus Fernost eine Alleinstellung, wenn nicht der wichtigste Konkurrent sozusagen gleich huckepack mitentwickelt worden wäre. Denn als Teil des Toyota-Konzerngeflechts baut Subaru neben dem BRZ auch noch den Toyota GT-86, der in Deutschland ab 15. September zum Preis von 29.990 Euro debütieren wird - und für den US-Markt wird zudem das identische Auto unter dem Namen Scion FR fabriziert.

Ein Auto, so zwiespältig wie alkoholfreies Bier

Alle drei Modelle sind sich ähnlicher, als es auch dem lockersten Markenstrategen lieb sein kann. "Wir haben nicht viel mehr als die Logos ausgetauscht", sagt Subaru-Projektleiter Toshio Masuda. Selbst dabei waren die Japaner nachlässig: Auf der Motorabdeckung zum Beispiel stehen gleich beide Schriftzüge: Subaru und Toyota. Das dreifache Coupé-Einerlei ist für die Kunden durchaus vorteilhaft, denn so lässt sich die Subaru-Fabrik besser auslasten und der Preis für die Autos auf rund 30.000 Euro drücken.

Am Ende des Kurven-Overkills durch die Seealpen stellt man den BRZ etwas ratlos ab. Sicher, you get what you pay for, heißt es im Englischen. Man kann einfach nicht erwarten, dass man ein Fahrerlebnis wie zum Beispiel im Porsche Boxster erhält, dafür aber wie durch ein Wunder bei Subaru nur die Hälfte bezahlt. Trotzdem bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück, die Ahnung, dass mit ein wenig mehr Hingabe und Liebe zum Detail doch noch mehr drin gewesen wäre beim BRZ. Der Wagen ist ein bisschen wie alkoholfreies Bier: Sieht aus wie Bier, schmeckt irgendwie auch nach Bier - macht aber keinen Rausch.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. was denn nun: Bier oder Sekt?
axelkli 27.03.2012
Spaß beiseite, so sind sie doch fast alle, die japanischen Autos....irgendwie halbgar
2. Konzept nicht verstanden
j-mo 27.03.2012
Zitat von sysopBeim Anblick des neuen Subaru BRZ denkt man als erstes: Wow! So sportlich sah schon lange kein Coupé aus japanischer Produktion mehr aus. Erwartungsfroh steigt man hinters Sportlenkrad und freut sich auf eine flotte Fahrt. Dann kommt leider alles ganz anders. Fahrbericht Subaru BRZ: Boxer ohne Punch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,823800,00.html)
Wenn der BRZ halbgar ist, warum sind dann Vollblut-Autojournalisten vom GT86 bzw. vom BRZ begeistert (bspw. Chris Harris, um nur einen zu nennen: https://www.youtube.com/watch?v=romf-G6CZ7g)? Der Autor hat offenbar das Prinzip des hochdrehenden Saugmotors nicht verstanden, der ganz bewußt auf einen Turbolader und damit auf "Punch" bei niedrigen Drehzahlen verzichtet, sondern das mit spontanem Ansprechverhalten und Drehfreude wettmacht.
3.
zechpreller 27.03.2012
Zitat von j-moWenn der BRZ halbgar ist, warum sind dann Vollblut-Autojournalisten vom GT86 bzw. vom BRZ begeistert (bspw. Chris Harris, um nur einen zu nennen: https://www.youtube.com/watch?v=romf-G6CZ7g)? Der Autor hat offenbar das Prinzip des hochdrehenden Saugmotors nicht verstanden, der ganz bewußt auf einen Turbolader und damit auf "Punch" bei niedrigen Drehzahlen verzichtet, sondern das mit spontanem Ansprechverhalten und Drehfreude wettmacht.
Porsche kommt auch ohne Lader aus und hat Punch ohne Ende!
4. Sorry...
sappelkopp 27.03.2012
Zitat von sysopBeim Anblick des neuen Subaru BRZ denkt man als erstes: Wow! So sportlich sah schon lange kein Coupé aus japanischer Produktion mehr aus. Erwartungsfroh steigt man hinters Sportlenkrad und freut sich auf eine flotte Fahrt. Dann kommt leider alles ganz anders. Fahrbericht Subaru BRZ: Boxer ohne Punch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,823800,00.html)
...wir reden hier über einen 2 Liter/Vierzylinder, also ein Brot-und-Butter-Auto. Da hat meine einfache Familienkutsche bessere Werte und möglicherweise mehr Dampf.
5.
Germanenkrieger 27.03.2012
Ich Fahr einen Civic Type-r. Der hat auch 2 Liter und 200 PS. Die stehen aber auch erst ab 7200 Umdrehungen zur Verfügung. Man muss ihn halt drehen. Das weiß ich aber vor dem Kauf. Und mehr Spass macht meiner auch als ein mittlerweile beliebiger allerweltsturbomotor wie z. B. Golf GTI Dass man solche Wagen hochdrehen muss, sollte man als Verfasser und Tester des obigen Artikels allerdings wissen. @ Sappelkopp Ich glaube nicht, das sie mit ihrer Familienkutsche in irgendeiner Wertung einen Stich gegen mein Auto machen würden. Vom Fahrspass ganz zu schweigen ;-)
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Schnellcheck
Subaru BRZ

Das begeistert: Die Straßenlage des Coupés.

Das fehlt: Dem Motor Leistung und der Lenkung Schärfe.

Das nervt: Das lustlos gestaltete und billig gemachte Interieur.

Was sonst? Mehr Mut täte gut.
Fahrzeugschein
Hersteller: Subaru
Typ: BRZ
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: Vierzylinder-Boxermotor
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Drehmoment: 205 Nm
Von 0 auf 100: 7,6 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 243 Liter
Gewicht: 1.295 kg
Maße: 4240 / 1775 / 1425
Preis: 29.900 EUR


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