SUV-Cabrio Murano: Nissan hat das Ei geköpft

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Nissan Murano Cabrio: Offen fahren auf höherem Niveau Fotos
Tom Grünweg

Ein SUV mit Cabriodach, braucht das jemand? Glaubt man den Zulassungszahlen in den USA, dann nicht. Dort verkauft Nissan nämlich den Lifestyle-Allradler Murano als Cabrio. Oder eben nicht. Dabei hat der Wagen durchaus seine Qualitäten.

Greg kann man mit Autos eigentlich nicht mehr überraschen. Der junge Amerikaner arbeitet für den Valet-Service eines Casinos in Las Vegas und hat vom Kleinwagen bis zur Luxuskarosse schon so ziemlich alles eingeparkt, was vier Räder hat. Doch unser Auto überrascht ihn dann doch: "Wer zum Teufel baut ein Cabrio, das gleichzeitig ein Geländewagen ist?", fragt Greg. Antwort: Nissan, nämlich den Murano Cabriolet.

Das Auto besetzt eine Nische, die bislang noch weitgehend unentdeckt war. Ein SUV mit Faltdach, das hat noch niemand gebracht. Die Osnabrücker Firma Karmann zeigte auf der IAA 2005 zwar die Studie eines SUC - also eines Sport Utility Cabriolet, doch in Serie ging der Wagen nie. Und Hardcore-Allradler wie der Jeep Wrangler oder der Landrover Defender, bei denen man in Handarbeit eine Art Zeltplane vom Dachgestänge knöpfen kann, fahren in einer anderen Liga.

Das Greg den Wagen nicht kennt, ist also kein Wunder. Zumal vom dem bislang ausschließlich in den USA verfügbaren Modell, das im vergangnen Jahr auf den Markt kam, kaum mehr als 10.000 Exemplare verkauft wurden. In einem Land mit fast 13 Millionen Neuwagen pro Jahr bleibt man damit unter der Wahrnehmungsschwelle.

Ist man in diesem Auto unterwegs, blickt man deswegen in sehr, sehr viele erstaunte Gesichter. Doch nur selten schlägt die Neugier der Betrachter in Bewunderung um. Denn eine Schönheit ist das Auto nicht. Hoch aufragend und irgendwie wulstig geformt wirkt es neben anderen Cabriolets wie Hella von Sinnen unter Bikini-Models. Für die Show an der Strandpromenade taugt der Wagen nur bedingt.

Selten gab es so viel Platz in einem Cabriolet

So unorthodox das Design, so angenehm ist das Fahrgefühl. Wenn sich die subjektiv empfundene Unverwundbarkeit am Steuer eines SUV mit der lässigen Offenheit eines Cabrios paart, lässt sich die Sonne noch entspannter genießen. Der Überblick aus dem Wagen ist prima, das Platzangebot beachtlich. Die vorderen Ledersitze haben Rolls-Royce-Format; und die Sitzbank im Fond bietet Bequemlichkeit und auch bei geschlossenem Verdeck ausreichend Kopffreiheit. Auch der Kofferraum verdient diesen Namen, bei geöffnetem Dach fasst er zwei große und eine kleine Reisetasche. Bei geschlossenem Verdeck passt noch mehr hinein.

Was den Open-Air-Genuss jedoch empfindlich trübt, ist der Fahrtwind, der wild durch den Innenraum fegt. Dem Murano geht die ausgeklügelte Aerodynamik anderer Cabrios ab; selbst bei hochgefahrenen Seitenscheiben und gemächlichem Tempo zieht es im Auto wie Hechtsuppe.

Dabei wurde dem geschlossenen SUV-Modell nicht einfach nur das Dach gekappt. Die Nissan-Ingenieure bauten den Wagen von der Frontscheibe bis zur Heckklappe fast völlig um. Es gibt zwei statt vier Türen, der Kofferraum ist komplett neu konstruiert und das riesige Faltdach bewegt sich natürlich voll elektrisch - braucht für den Verwandlungsakt aber eine halbe Minute.

Erfreulich ist, wie steif und solide das Cabriolet wirkt. Nichts knarzt oder knackt, selbst wenn man mit dem Cabrio über schartige Byways cruist. Allerdings wurde die Karosserie dafür so sehr verstärkt, dass zum Beispiel die Türen jetzt so schwer sind wie die eines Tresors. Wer die mehrmals am Tag öffnet und schließt, braucht kein Bodybuilding mehr.

Ein Auto mit typisch amerikanischem Fahrgefühl

Die Abstimmung des Wagens ist - logisch bei der avisierten Zielgruppe - typisch amerikanisch. Man hat es also mit einer butterweichen Federung sowie einem stufenlosen Automatikgetriebe zu tun, das jeden ambitionierten Sprintversuch im Keim erstickt. Trotzdem ist man mit dem 3,5 Liter große V6-Motor mit 265 PS und 336 Nm Drehmoment ausreichend motorisiert und kann gelassen überholen.

Obwohl Nissan den Murano stark umgebaut hat, ist der Preisunterschied zwischen Cabrio- und SUV-Modell vergleichsweise gering. 6000 Dollar verlangt Nissan als Open-Air-Zuschlag. Der üppig ausgestattete Wagen kostet 44.450 Dollar, umgerechnet also kaum 35.000 Euro. Dafür gibt es in Deutschland selbst das geschlossene Murano-Modell allenfalls als jungen Gebrauchten.

Trotzdem macht Nissan keine Anstalten, den Wagen anderswo als in Nordamerika zu lancieren. Wenn sich schon im Mutterland der SUVs und der Heimat automobiler Experimente wie Pontiac Aztec oder AMC Pacer kaum jemand für das erste SUV-Cabrio erwärmt, wie soll es dann erst auf weniger experimentierfreudigen Märkten werden? Ein Blick ins Internet belegt diese Skepsis: Auf den einschlägigen Kfz-Plattformen findet sich kaum ein Importeur, der das Cabrio nach Europa holen würde.

Grundsätzlich ist ein SUV-Modell mit Faltdach keine schlechte Idee

Das ist schade, denn es ist durchaus etwas dran an der Idee eines SUVs mit Faltdach. Wer schon einmal in einem offenen Ford Mustang oder im Corvette Cabrio durch einen US-Nationalpark gerumpelt ist, der findet die Vorstellung von einem Open-Air-Modell mit Allradantrieb, höherer Bodenfreiheit, weicherem Fahrwerk und besserem Ausblick gar nicht mehr so abwegig.

So sehen das übrigens auch die Produktplaner anderer Hersteller. Vor vier Jahren stellte Mercedes bei der Tuningmesse Sema in Las Vegas den Prototypen eines offenen GLK vor und erst vor wenigen Wochen glänzte auf dem Autosalon in Genf ein Range Rover Evoque ohne Dach, der verdächtig serienreif aussah. John Edwards, der Marketingchef der Briten, bezeichnete die Studie jedoch als rein theoretische Fingerübung. Aus der jedoch noch allerlei werden kann. Vielleicht ja das erste SUV-Cabrio für Europa.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. niedlich
felisconcolor 23.03.2012
Zitat von sysopEin SUV mit Cabriodach, braucht das jemand? Glaubt man den Zulassungszahlen in den USA, dann nicht. Dort verkauft Nissan nämlich den Lifestyle-Allradler Murano als Cabrio. Oder eben nicht. Dabei hat der Wagen durchaus seine Qualitäten. SUV-Cabrio Murano: Nissan hat das Ei geköpft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,822951,00.html)
Aber bitte liebe Designer das ganze jetzt sooooo lassen und einmal bei 90Grad waschen. Als SUV cabrio ist mir das Teil als Single zu groß. Aber als knutschkugeliges kleines Stadtcabrio. (natürlich dann als Zweisitzer) Haben mag.
2.
CMH 23.03.2012
Zitat von sysopEin SUV mit Cabriodach, braucht das jemand?
Mir gefällt der Wagen ja überhaupt nicht. Muss er aber auch nicht, der findet ganz sicher Abnehmer. Was mich aber schwer wundert ist, dass das Gezeter der verkappten Weltretter hier noch nicht eingesetzt hat. Schlaft Ihr noch?
3. Buaah
austin mini 23.03.2012
...ist der häßlich. Das zeigt, wie schon damals beim ersten Golf, dass man nicht jedes Auto aufschneiden muss.
4. Geländehobel, Stoffdach? Gibbet doch schon alles.
sam_sung 23.03.2012
DKW Munga anyone? Oder wenns schon "Suff" sein darf, Mercedes G?
5. Endlich ...
gerdkonz 23.03.2012
Zitat von sysopEin SUV mit Cabriodach, braucht das jemand? Glaubt man den Zulassungszahlen in den USA, dann nicht. Dort verkauft Nissan nämlich den Lifestyle-Allradler Murano als Cabrio. Oder eben nicht. Dabei hat der Wagen durchaus seine Qualitäten. SUV-Cabrio Murano: Nissan hat das Ei geköpft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,822951,00.html)
... besetzt ein Hersteller diese Nische! Wird bestimmt gut laufen, und andere werden fogen. Ich warte übrigens schon seit Jahren auf ein VW Mulitvan Cabriolet/Landaulet ...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Murano Cabrio
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V6-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.498 ccm
Leistung: 265 PS (195 kW)
Drehmoment: 336 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 11,0 Liter
CO2-Ausstoß: 262 g/km
Kofferraum: 340 Liter
Maße: 4860 / 1890 /1680
Preis: 35.000 EUR


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