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Autogramm Opel Astra: Lichtblick mit Schattenseiten

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Autogramm Opel Astra: Mal oberklassig, mal unterdurchschnittlich Fotos
Opel

Den neuen Opel Astra gibt es auf Wunsch mit ausgeklügeltem LED-Matrix-Licht, Massagesitz, Duftspender und Privatsekretär. Das ist einmalig in der Kompaktklasse. An einigen Stellen hinkt der Wagen der Konkurrenz aber noch immer hinterher.

Der erste Eindruck: Fit statt fett. Der neue Astra sieht aus wie frisch aus dem Trainingslager. Die Überhänge sind kürzer, das Dach flacher und die abgedunkelte C-Säule gaukelt ein Coupé vor - aus dem Blutdrucksenker ist ein Pulsbeschleuniger geworden.

Das sagt der Hersteller: "Zurück aufs Treppchen", gibt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann als Parole aus. Der neue Opel Astra soll schleunigst wieder unter die Top 3 der meistverkauften Kompaktwagen in Europa kommen. Aktuell stehen VW Golf, Ford Focus und Renault Mégane auf dem Podest. Das Abschneiden des neuen Astra ist ein Prüfstein für den Chef. Denn der Wagen ist das erste Opel-Modell, das komplett unter Neumanns Verantwortung entstanden ist.

Vor allem das schicke Design, effiziente Motoren und bis zu 200 Kilogramm weniger Gewicht im Vergleich zum Vorgänger sind laut Neumann Trümpfe des Wagens. Hinzu kommen Extras wie ein temperierbarer Sitz mit Massagefunktion, den kein Konkurrent in dieser Fahrzeugkategorie anbiete. "Der ärgert sogar die Oberklasse", glaubt Neumann.

Das ist uns aufgefallen: Der Astra überstrahlt in zwei Punkten sämtliche Konkurrenten in der Kompaktklasse. Erstens hat er ein intelligentes LED-Matrix-Licht mit acht LED-Elementen pro Scheinwerfer. Innerorts dimmt es automatisch ab, auf der Landstraße oder der Autobahn schneidet es den Gegenverkehr oder vorausfahrende Autos einfach aus dem hellen Lichtkegel aus. Andere Verkehrsteilnehmer werden somit nicht geblendet, gleichzeitig bleibt die Sicht für den Fahrer exzellent.

Zweitens ist der Opel Astra zeitgemäß, was die Konnektivität angeht. Zum einen gibt es einen mobilen Hotspot sowie die Verbindungssysteme Carplay und Android Auto, über die sich die Anwendungen der Smartphones verschiedener Hersteller auf dem Infotainmentsystem spiegeln lassen. Zum anderen bietet Opel den Service "On-Star". Dabei handelt es sich um eine Verbindung zu einem Servicecenter, bei der eine Art Privatsekretär rund um die Uhr Sonderziele sucht, Routen ans Navi schickt oder erklärt, wie man die Computerstimme zum Schweigen bringt.

Außerdem will Opel die Astra-Insassen rundum verwöhnen. Der Luxus-Sessel, der den Fahrer durchknetet, wurde bereits erwähnt. Darüber hinaus sind sowohl Lenkrad als auch Rückbank beheizbar. Das Wohlfühlprogramm ist aber nicht nur spürbar, man kann es sogar riechen: Den Astra gibt es auf Wunsch mit Duftspender - das kannte man zuvor vor allem von der Mercedes S-Klasse. Die Idee dazu stammt angeblich von Marketing-Chefin Tina Müller, die Neumann vor mehr als einem Jahr aus der Kosmetikbranche abgeworben hat.

Doch so sehr Opel sich bei der Scheinwerfertechnik, dem Onlineangebot und den Wellnessfunktionen Mühe gegeben hat: In anderen Bereichen hinkt der Astra der Konkurrenz immer noch hoffnungslos hinterher. Ein Allradantrieb etwa ist ebenso wenig im Angebot wie ein Doppelkupplungsgetriebe. Adaptive Dämpfer sind ebenfalls nicht verfügbar. Und eine Start-Stopp-Automatik kostet nach wie vor Aufpreis. Das ist so anachronistisch wie das Fünfgang-Schaltgetriebe für die kleinen Benziner.

Dann wäre da noch die Materialauswahl im Interieur. Die obere Hälfte des Armaturenbretts ist zwar so nobel wie Opel gerne tut. Doch je tiefer man schaut, desto öfter trifft der Blick auf schmuckloses Hartplastik. Und der Schnappdeckel über der Zwölf-Volt-Steckdose wirkt so billig, dass sich sogar Opel-Chef Neumann öffentlich darüber geärgert hat.

Das muss man wissen: Unter der Haube hat sich beim Astra einiges getan, die meisten Motoren sind komplett neu. Zum Verkaufsstart ab Mitte Oktober gibt es fünf Benziner und drei Diesel mit einem Leistungsspektrum von 95 bis 200 PS. Besonders stolz ist Opel auf den neuen Dreizylinder-Turbo, der mit 105 PS einen extrem munteren Eindruck macht und wunderbar leise läuft.

Vom typischen Knattern solcher Rumpfmotoren ist jedenfalls nichts zu hören. Unser Testwagen hatte einen 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit 150 PS unter der Haube. Er lieferte eine überzeugende Vorstellung ab, ist aber in seiner Leistungsklasse nicht ganz so lebendig wie der Dreizylinder. Trotzdem: Die Gewichteinsparung beim neuen Astra führt nicht nur zu einer Senkung des Spritverbrauchs, das Auto lässt sich jetzt auch viel handlicher und agiler durch die Kurven bewegen.

Der billigste Astra kostet 17.260 Euro, was dem Niveau des Vorgängers entspricht. Die günstigste Diesel-Variante kostet 20.260 Euro. Wer bei den Extras willig zugreift, kann die Rechnung allerdings leicht auf 35.000 Euro treiben. Die genannten Preise gelten für den Fünftürer. Mit einem Verkaufsanteil von bislang 70 Prozent ist jedoch der Kombi, der bei Opel "Sports Tourer" heißt, weitaus wichtiger; das Auto kommt ab Frühjahr in den Handel.

Beim Dreitürer GTC und dem Cabrio Cascada ist die Nachfrage indes so gering, dass die beiden Modelle erst einmal in alter Form weitergebaut werden und über eine Neuauflage noch nicht entschieden ist.

Das werden wir nicht vergessen: Die flackernde Begrüßungsshow der LED-Matrixscheinwerfer - da erinnert der Astra kurz an einen Zockerautomaten.

Das passt allerdings ganz gut zu einem Auto, das auf Mut zur Lücke setzt: Das hervorragende Scheinwerfer hat, aber keinen Allradantrieb; das jederzeit vernetzt ist, aber keine Echtzeitinformationen im Navi bietet; bei dem die Sitze eine Massagefunktion haben, aber sich die Dämpfer nicht einstellen lassen. Opel braucht ein bisschen Glück, damit diese Rechnung aufgeht.

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insgesamt 125 Beiträge
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1. Die Rechnung wird aufgehen.
neutron76 02.10.2015
Kein Allrad. Na und? Keine verstellbaren Dämpfer. Wer braucht das? Der Astra ist genau die richtige Antwort auf die mit Extras aufgeblasenen Weltautos mit schneeweißem Innenraum. Stattdessen Leichtbau, gutes Licht und ein paar nette Extra. Gut gemacht!
2. Duftspender
erkelenzer 02.10.2015
"Den Astra gibt es auf Wunsch mit Duftspender - das kannte man zuvor vor allem von der Mercedes S-Klasse." ...und aus dem Peugeot 207 von vor 9 Jahren. Vieleicht fuhr Frau Müller damals so einen...
3. Opel
ostwestfale_ 02.10.2015
Nein Danke. Ich hatte einen als Firmenwagen. Auch die Kollegen konnten vermehrte Gebrauchsspuren vermelden - einfach nicht so wertige Materialien. Und das beim Insignia der EINZIGE Frontcrashsensor in der Mitte sitzt und die Airbags beim versetzten Aufprall nicht auslösen, selbst wenn sich das Vorderrad bereits in den Fußraum drückt, geht gar nicht. Da hilft auch kein Kirmeslichtspiel beim einsteigen.
4. ich mag ja Opel nicht sonderlich...
rudisresterampe 02.10.2015
...aber Allrad zu fordern und im gleichen Atemzug Start-Stop zu monieren macht keinen Sinn. Allrad kostet Gewicht und Reibungsverluste und braucht viel mehr Sprit als Start-Stop jemals einfahren kann. Fahrdynamisch bringt es nur was für deutlich weniger als 1% der Bevölkerung die ihr Fahrzeug unverantwortlich bewegt. Ja, und die Bergbauern müssen dann halt was anderes fahren.
5. die angesprochene Minuspunkte..
ovi100 02.10.2015
sind eigentlich keine denn wer ein Kompakten fuer das taegliche Leben braucht kann auf Doppelkupplungsgetriebe sowie Allrad gerne verzichten. Was wirklich zaehlt ist geringer Unterhalt (kleine Raeder endlich...mittlerweile selbst Kleinwagen haben 205er drauf) und Zuverlaessigkeit. Die Herr Autojournalisten taeten gut, mal auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben..
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Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Astra 1.4 T
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.399 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 245 Nm
Von 0 auf 100: 8,5 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 370 Liter
umgebaut: 1.210 Liter
Gewicht: 1.278 kg
Maße: 4370 / 1871 / 1485
Preis: 22.560 EUR


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