Der neue Opel Zafira im Test Wäglein, wechsel dich

Irgendwie klappt alles: Opels neuer Zafira ist groß, geräumig und vor allem variabel. Mit wenigen Handgriffen lässt sich sein Innenraum umbauen. Zur perfekten Lounge auf Rädern fehlen dem "Tourer" aber noch einige Extras.

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Ritsch, ratsch, rutsch, klapp. So hört es sich an, wenn Andreas Häfele Hand an den neuen Opel Zafira legt. Immer wieder greift er zu irgendeinem Hebel und schiebt, faltet, klappt oder verrückt einen der Sitze. Stolz wie ein junger Vater zeigt Häfele, der die Entwicklung der Großraumlimousine verantwortet, die vielen Möglichkeiten, die sich in diesem Auto zum Möbelrücken bieten.

Zwar zahlt man für die dritte Sitzreihe, die sich weiterhin mit zwei Handgriffen aus dem Kofferraumboden zaubern lässt, anders als früher einen Aufpreis von 700 Euro. Doch der ab 14. Januar zu einem unveränderten Grundpreis von 22.950 Euro erhältliche Zafira ist jetzt schon in der Basisversion flexibler. So führen sechs Zentimeter mehr Radstand und 19 Zentimeter mehr Außenlänge nicht nur zu mehr Freiheit für lange Beine. Nein, sie erhöhen auch den Verstellbereich der drei jetzt einzeln auf Schienen montierten Sitze in der zweiten Reihe. "Mit 21 Zentimetern haben wir einen der größten Verstellbereiche in dieser Klasse", sagt Häfele.

Aber das ist nicht alles: Häfeles ganzer Stolz ist das so genannte "Lounge-Paket" für 295 Euro. Damit kann man den Mittelsitz flach zusammenfalten und dessen Rücklehne in zwei bequeme Armauflagen verwandeln. Danach lassen sich die äußeren Plätze noch einmal sieben Zentimeter nach hinten und fünf Zentimeter nach innen rücken. Was man damit an Schulter- und Beinfreiheit gewinnt, fühlt sich an wie ein Upgrade von der Economy- in die Business-Klasse.

Bis zu 1792 Liter Kofferraum

Neben den Sitzen hebt Häfele vor allem den üppigen Stauraum hervor. Der Kofferraum lässt sich von mageren 152 Litern im Siebensitzer-Modus auf Kleinlaster-gleiche 1792 Liter beim Zweisitzer erweitern. Dazu gibt es mehr als zwei Dutzend Ablagen für alles und jeden. Bestellt man dann auch noch das Hochregal mit verschiebbaren Transportboxen zwischen den Vordersitzen, sowie den ausziehbaren Fahrradträger im Heck, gibt es kaum noch etwas, was sich im Zafira nicht verstauen ließe.

Dabei ist der Weg nach hinten überraschend leicht und unbeschwerlich - trotz der gewöhnlichen Klapptüren des Zafiras. "Die gegenläufig angeschlagenen Türen des Meriva kamen hier nicht in Frage, weil man sonst nicht so leicht in die dritte Sitzreihe gekommen wäre", erläutert Entwickler Häfele. Gegen Schiebetüren sprach, dass sie zu schwer und zu teuer sind - und vor allem bei den Designern unbeliebt. Der Hauch von Sportlichkeit, der von der leicht abfallenden Dachlinie und der stark konturierten Silhouette kommt, wäre mit ihnen zudem wohl auf der Strecke geblieben.

Im Fond fehlen Extras

Dass die Hessen auch die Hinterbänkler immer im Sinn hatten, beweist zum Beispiel der Einbau eines Panoramadachs. Dank eines verschiebbaren Rollos kann damit die Frontscheibe bis weit über die erste Reihe verlängert werden, so dass sie auch den Fondpassagieren neue Ausblicke gewährt. Ganz zu Ende gedacht wirkt das Konzept des neuen Zafiras trotzdem nicht. Während zum Beispiel das Cockpit mit reichlich Chrom und Klavierlack verziert ist, geht es hinten im Wagen vergleichsweise grau und schlicht zu.

Und während der Fahrer auf mehr Assistenzsysteme zurückgreifen kann als im Flaggschiff Insignia, fehlen im Fond ein paar wichtige Extras: Ein DVD-System für den Nachwuchs, eine separat zu justierende Klimaanlage, 220-Volt-Steckdosen oder beheizte Sitze zum Beispiel bietet Opel nicht. Selbst eine elektrische Betätigung für die Heckklappe sucht man vergebens.

Keine Chauffeurslimousine

Opel sieht den Zafira jetzt auch als Shuttle-Fahrzeug und Dienstwagen, hinten sitzende Erwachsene sollen sich wohler fühlen. "Doch eine Chauffeurslimousine hatten wir nie im Sinn", sagt Häfele. Der beste Platz sei noch immer vorne links. Dort sitzt der Fahrer, der im Wagen zwar zwischen Dutzenden von Schaltern die Übersicht bewahren muss, nach draußen aber eine bessere Übersicht genießt. Er ist Herr ist über einen von sieben Motoren, deren Bandbreite vom 115 PS starken 1,8-Liter-Benziner bis zum 2,0 Liter großen Diesel mit 165 PS reicht. Dieser Vierzylinder ist mit 208 km/h auch der schnellste Antrieb aus der aktuellen Palette.

Bei der ersten Testfahrt macht der Motor eine gute Figur. Mit bis zu 380 Nm ist er kräftig genug, den Raumkreuzer flott in Fahrt zu bringen und gelassen über Land zu treiben. Weil die Start-Stopp-Automatik bei neuen Zafira Serienbestandteil ist und Opel auf einen niedrigen CW-Wert geachtet hat, braucht er auf dem Prüfstand nur 5,2 Liter und kommt auf eine theoretische Reichweite von 1100 Kilometern - für einen Reisewagen nicht schlecht. Dazu passt das neue Fahrwerk, das vom längeren Radstand, der deutlich breiteren Spur und den auf Wunsch verstellbaren Dämpfern profitiert. So wird der Zafira zum entspannten Gleiter und trägt seinen neuen Beinamen "Tourer" zu Recht.

Allerdings hat die schöne neue Van-Welt auch ihre Nachteile: Obwohl Opel zumindest am Grundpreis nicht gerüttelt hat, liegt der neue Zafira im Konkurrenzumfeld beinahe näher am VW Sharan als am VW Touran. Mit seinen 4,66 Metern dürfte er manch einem Stammkunden schlicht zu groß sein. Doch dafür haben die Hessen eine einfache Lösung: Mit reduzierter Auswahl und mehr Ausstattung bauen sie das aktuelle Modell als Zafira Family einfach weiter.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
silenced 10.10.2011
1. <->
Wobei, ich finde das wiederum gut: ---Zitat von www.spiegel.de--- fehlen im Fond ein paar wichtige Extras: Ein DVD-System für den Nachwuchs, ---Zitatende--- Die Kinder brauchen keine permanente passive Unterhaltungsberieselung, auch nicht im Auto. Ist so schon schlimm genug was manche ihren Kindern antun.
artbond 10.10.2011
2. titel
kann mich meinem Vorredner nur anschließen, vieles von dem was der Autor als fehlend anmerkt, ist total überflüssig bei einem Familienvan. Es gibt eine ganze latte an oberklassen-gimiks die selbst dort unnötiger schnick-schnack sind. Grüße A
soundscape 10.10.2011
3. permanente passive Unterhaltungsberieselung
Zitat von silencedWobei, ich finde das wiederum gut: Die Kinder brauchen keine permanente passive Unterhaltungsberieselung, auch nicht im Auto. Ist so schon schlimm genug was manche ihren Kindern antun.
DVD-Player im Auto für die Kinder bedeuten nicht zwangsläufig eine "permanente passive Unterhaltungsberieselung". Denn die Dinger sind nur dann an, wenn die Eltern sie anmachen. Was gerade auf längeren Strecken bei richtig ordentlich Verkehrsdichte durchaus entspannend für die Eltern sein kann.
helldriver17 10.10.2011
4. Unschlagbarer Preis!
Ich glaub da nehm ich gleich 2 von, bei dem Preis! 30 Euro... da kann Dacia abstinken! Wo kann ich den bitte bestellen?! Gerade jungen Familien kommt dieser Preis wirklich entgegen. Die Familienministerin sollte eine Ehrung für solch ein Engagement ausloben, denn solche Preise stellen jede Herdprämien-, Elterngeld- oder was auch immer Initiative in den Schatten und helfen wirklich gewisse finanzielle Engpässe im Alltag zu vermeiden bzw. zu meistern. Weiter so!
peddersen 10.10.2011
5. hjbhjbjhbj
Zitat: "und während der Fahrer auf mehr Assistenzsysteme zurückgreifen kann als im Flaggschiff Insignia, fehlen im Fond ein paar wichtige Extras: Ein DVD-System für den Nachwuchs, eine separat zu justierende Klimaanlage, 220-Volt-Steckdosen oder beheizte Sitze zum Beispiel bietet Opel nicht. Selbst eine elektrische Betätigung für die Heckklappe sucht man vergebens." Bin ich der Einzige, der den Kopf schüttelt? Dann könnte ich ja damit leben. Andererseits ist mein Freundeskreis voll von Leuten, die entnervt von -ab und an auch mal kaputtgehendem- Überflüssigkeitsgerödel sich nichts mehr wünschen als ein Auto OHNE überbordende Elektronik, E-motoren für jeden Handgriff und Schnickschnack, dafür aber leicht, übersichtlich, geräumig und sparsam. Und eventuell noch soooo reparierbar, daß nicht die ganze werkstattbesatzung rätselnderweise auf einen Monitor guckt oder das halbe Auto zerlegt, um ne Birne zu wechseln.
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