Fahrbericht Audi A8 Hybrid: Versuch's mal mit Gemütlichkeit

Von Jürgen Pander

Man könnte es kurz machen und den neuen Audi A8 Hybrid als schlaffes und kraftloses Auto schmähen. Und damit zeigen, dass man nichts kapiert hat. Denn wenn derartige Luxusschlitten überhaupt noch eine Zukunft haben, dann wohl nur so.

Audi A8 Hybrid: Sind Sie ein Hybrid-Fahrer? Fotos
Audi

Wer sich einen Audi A8 leisten kann, regt sich vermutlich nicht über den Spritpreis auf. Was sind schon ein paar Euro mehr oder weniger für eine Tankfüllung, wenn allein die schicken Fußmatten 430 Euro, die holzverzierten Dachhaltegriffe 980 Euro und die Feinnappalederausstattung 7450 Euro gekostet haben? Trotzdem bietet Audi ab Juni einen A8 an, dessen Sinn genau darin besteht: Benzin zu sparen und damit gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu senken. 77.700 Euro wird das Auto kosten, die eben genannten Extras nicht eingerechnet.

Für das viele Geld gibt's ein Auto mit Hybridantrieb, der einen Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbomotor (211 PS) mit einem 54 PS starken Elektromotor von Sachs kombiniert. Die E-Maschine sitzt an Stelle des Wandlers in der Achtgang-Automatik. Sie bezieht ihre Energie aus einem luftgekühlten Lithium-Ionen-Akku des japanischen Herstellers Sanyo, der unter dem Kofferraum verstaut ist. Der Stromspeicher hat eine Kapazität von 1,3 Kilowattstunden. "Das entspricht der Energie von etwa 0,1 Liter Benzin", sagt Audi-Ingenieur Peter Dlab. Da fragt man sich natürlich, was das eigentlich bringen soll.

Kein Auto für Entscheider

Es bringt eine ganze Menge. Nach knapp zweistündiger Fahrt durch den Kraichgau - davon 30 Kilometer flott auf der Autobahn und etwa 15 Minuten im Stadtverkehr von Neckarsulm - meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter. Das ist einerseits mehr als die offiziell angegebenen 6,3 Liter, andererseits aber vergleichsweise sparsam für ein mehr als fünf Meter langes und knapp zwei Tonnen schweres Luxusauto mit allem Brimborium.

Typische Oberklasse-Fahrer werden allerdings, Hybrid hin oder her, nicht einmal in die Nähe dieser Verbrauchswerte kommen. Wer sich zu den sogenannten Entscheidern zählt, denen es nie schnell genug gehen kann, presst nicht selten auch sein Auto aus. Das führt dann logischerweise zu zweistelligen Verbrauchswerten nach Art von Renditevorgaben. Man muss sich schon auf den Wagen einlassen, um seine Vorteile zur Entfaltung kommen zu lassen. Audi versucht immerhin, dem technisch Vorschub zu leisten.

So fühlt sich zum Beispiel der Tritt aufs Gaspedal an, als würde man in einen Eimer mit Kleister steigen. Und Lenkung und Fahrwerk erinnern an wohlgeratenes Hefegebäck. Anders gesagt: Dieses Auto tut exakt das, wofür große Limousinen ursprünglich mal erfunden wurden - es bringt die Insassen elegant, unaufgeregt und in einem Ambiente voller Annehmlichkeiten von A nach B.

Ein Gerät namens Powermeter soll zum Entschleunigen anstacheln

Die schlaueste Maßnahme jedoch, um den A8-Hybrid-Lenker in den Zustand selbstgewählter Bescheidenheit zu versetzen, ist eine Erfindung namens Powermeter. Die Analoganzeige sitzt links im Cockpit und ersetzt den sonst üblichen Drehzahlmesser. An ihr lässt sich ablesen, mit welchem Energieeinsatz man gerade unterwegs ist. Die Skala reicht von grün bis orange, und es ist ganz erstaunlich, wie schnell man vom Ehrgeiz gepackt wird, dieses Trumm von einem Auto so oft wie möglich im grünen Bereich zu bewegen.

Angezeigt wird auch, wenn gerade rekuperiert, also Bremsenergie zurückgewonnen und in die Batterie gespeist wird. Es ist ungefähr so, als würde man kostenlos tanken. Und durch den nächsten Ort rollt man dann, nur von der E-Maschine angetrieben und damit abgasfrei und in aller Stille, quasi umsonst. Rein elektrisch allerdings schafft der A8 maximal drei Kilometer und ein Höchsttempo von 100 km/h. Das kann man also vernachlässigen. Viel mehr bringt der gemischte, also klassische Hybridbetrieb, bei dem der E-Motor immer wieder unterstützend eingreift, sobald das Gaspedal getreten wird und so die Benzinverbrauchsspitzen kappt.

Audi-Mann Dlab ist es wichtig zu betonen, dass es neben dem Hybrid- und dem Elektro-Fahrprogramm auch einen S-Modus gibt, in dem die Steuerelektronik so tut, als sei der Elektromotor nicht zum Sparen, sondern als zusätzlicher Turbo an Bord. "Boosten" nennt Audi das vehemente Beschleunigen bei voller Leistungsabgabe von kombiniert 245 PS. "Der Begriff Hybrid hat bei uns nicht das Geringste mit Verzicht zu tun", sagt der Ingenieur.

Hybrid sollte zum intelligenten Verzicht animieren

Ein Satz, den sich gewiss die Marketingleute von Audi ausgedacht haben. Eigentlich ist es aber genau anders herum: Hybrid sollte zum freiwilligen Verzicht animieren. Nämlich zum Verzicht auf ständiges und oft sinnloses Angasen, das Sportlichkeit suggeriert, aber nur unnötig Sprit kostet. Sonst nämlich muss man in der schon ab Werk opulent ausgestatteten Hybridversion auf nichts verzichten.

In China ist diese Erkenntnis offenbar weiter verbreitet als anderswo. Dort nämlich erwartet Audi die mit Abstand höchsten Verkaufszahlen für das Hybridmodell. Auch Mercedes teilt mit, dass sich die S-Klasse mit Hybridantrieb in China einer besonders großen Nachfrage erfreue. Ob die Hybrid-Vorliebe an der konfuzianischen Vernunft der Käufer dort liegt oder am dichten Verkehr, der ohnehin nur gemäßigte Tempi erlaubt, ist nicht bekannt. Finanzielle Gründe werden es wohl weniger sein. In manchen Regionen Chinas werden Hybridfahrzeuge zwar vom Staat gefördert, doch derlei Zuwendungen sind in der Preisregion des A8 Hybrid nun wirklich kein Argument.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Karre wird gehen wie warme Semmel.
herr_kowalski 04.04.2012
Zitat von sysopMan könnte es kurz machen und den neuen Audi A8 Hybrid als schlaffes und kraftloses Auto schmähen. Und damit zeigen, dass man nichts kapiert hat. Denn wenn derartige Luxusschlitten überhaupt noch eine Zukunft haben, dann wohl nur so. Fahrbericht Audi A8 Hybrid: Versuch's mal mit Gemütlichkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,825422,00.html)
Da bin ich mir sicher. So phantastisch etwa wie der Phaeton.
2. Realitätsverlust
spon-1303403826571 04.04.2012
Einen 2 Tonnen-Trumm, der in unter 8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h erreicht - also über Fahrleistungen verfügt, die Autos bis vor wenigen Jahren zu reinrassigen Sportwagen qualifizierten - als "gemütlich" zu titulieren, zeugt von Realitätsverlust im fortgeschrittenen Stadium. Nach dieser "Logik" würde es dem geschätzten Autor wohl nur in Sebastian Vettels Formel 1 Boliden "ungemütlich" werden. Respekt! Allein: Das Thema des Autors bezog sich darauf, uns Lesern möglichst inhaltsreich und aussagekräftig ein recht biederes Straßenfahrzeug nahezubringen - nicht aber seine Kleine-Jungs-Phantasien.
3. "Wer an der Straße baut...
sappelkopp 04.04.2012
Zitat von spon-1303403826571Einen 2 Tonnen-Trumm, der in unter 8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h erreicht - also über Fahrleistungen verfügt, die Autos bis vor wenigen Jahren zu reinrassigen Sportwagen qualifizierten - als "gemütlich" zu titulieren, zeugt von Realitätsverlust im fortgeschrittenen Stadium. Nach dieser "Logik" würde es dem geschätzten Autor wohl nur in Sebastian Vettels Formel 1 Boliden "ungemütlich" werden. Respekt! Allein: Das Thema des Autors bezog sich darauf, uns Lesern möglichst inhaltsreich und aussagekräftig ein recht biederes Straßenfahrzeug nahezubringen - nicht aber seine Kleine-Jungs-Phantasien.
...hat viele Meister" so sagte mein Opa immer. Den SPON-Redakteuren geht es ähnlich. Ich würde es begrüßen, wenn man in diesem Forum etwas weniger über die vermeintlichen Meinungen und Leistungen der Journalisten, als über die Sachverhalte selbst diskutiert. Aus dem Mittelalter, als man den Nachrichtenüberbringer für die Nachricht hängte sind wie raus, schon gemerkt? Allerdings, wenn man zum Thema nichts zu sagen hat, dann bleibt nur, auf den Überbringer einzuschlagen!
4. Gewicht!!
assiwichtel 04.04.2012
Der erste A8 wog mit 2,8 l-V6 etwas unter 1500kg und war vom Crashverhalten sicher auch nicht wirklich schlechter. Warum schafft man das nicht mehr?? Wenn man das Hybrid-Gedöhns wegließe, könnte man durch das geringere Gewicht noch weiter Sprit sparen. Fragt sich nur, wer einen 4-Zylinder-A8 kauft?
5. Mal wieder typisch....
zicke-zacke 04.04.2012
Zitat von sysopMan könnte es kurz machen und den neuen Audi A8 Hybrid als schlaffes und kraftloses Auto schmähen. Und damit zeigen, dass man nichts kapiert hat. Denn wenn derartige Luxusschlitten überhaupt noch eine Zukunft haben, dann wohl nur so. Fahrbericht Audi A8 Hybrid: Versuch's mal mit Gemütlichkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,825422,00.html)
deutsche Autoindustrie! Nicht dass die anderen so schrecklich viel besser sind, aber ist es nicht äußerst clever, einen Hybridantrieb (na, ja....) in einem solchen irrsinnigen Wagen anzubieten, der seinem Charakter nach gar nicht dafür ausgelegt ist? Ich bekomme dabei das Gefühl, dass man nach einigen Jahren beweisen will, dass Hybrid & Co. nichts bringt, weil keiner sie kauft. Wie wäre es mal mit einem Golf oder so mit Hybridantrieb? Aber einem richtigen und guten, wie z.B. der beim Prius? Mit dem gleichzeitigen Ehrgeiz, einen erschwinglichen Preis zu erreichen (d.h. einen Mehrpreis, der sich in 3-5 Jahren amortisiert). Bei den heutigen und noch immer steigenden Treibstoffpreisen wäre das doch machbar. Außerdem hätte ein Wagen wie der Golf auch den großen Vorteil, dass er ein bewährtes Auto ist, das jeder kennt und fährt, und kein exotischer Kleinwagen aus Fernost. Will man den Hybrid-Antrieb aus Überzeugung (geringere Treibstoffkosten) promoten, müsste man so etwas anbieten und keine Kraftpakete für Angeber. Die gehen da doch nicht daruf ein. Aber, wie gesagt, das ist wohl auch der Sinn der Sache. Da sagt man lieber, man konzentriert sich auf die Entwicklung von vollelektrischen Autos, die noch lange nicht ausgereift sind, und von denen es fraglich, ist ob sie in den kommenden zehn Jahren angeboten werden können. Und in zehn Jahren sieht man schon weiter....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Fahrberichte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A8 Hybrid
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 211 PS (155 kW)
Leistung (E-Motor): 54 PS (40 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 7,7 s
Höchstgeschw.: 235 km/h
Verbrauch (ECE): 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 147 g/km
Kofferraum: 400 Liter
Gewicht: 1.945 kg
Maße: 5137 / 1949 / 1460
Preis: 77.700 EUR
Schnellcheck
Audi A8 Hybrid

Das begeistert: Wie opulent ein kleines bisschen Verzicht sein kann.

Das fehlt: Der Mut, den Hybridantrieb offensiv als Spritspartechnik zu bewerben.

Das nervt: Dass diese Technik noch nicht massenhaft in kleinen Stadtautos verfügbar ist.

Was sonst? Ein Hybridauto allein reicht nicht, es muss auch ein Hybridfahrer dazu kommen.


Aktuelles zu