Autogramm DS 7 Crossback Weich und schön

SUVs gibt es wie Sand am Meer, der Citroën-Ableger DS hat trotzdem noch eine Nische entdeckt. Wellness-SUV könnte man die nennen, denn der DS 7 Crossback setzt auf eine typisch französische Fähigkeit: Lebensgenuss.

DS

Der erste Eindruck: Mehr Pretiose als Pkw.

Das sagt der Hersteller: Für Projektleiter Xavier Savignac markiert der DS7 Crossback den Aufbruch in eine neue Phase der Firma. Aus dem ehemaligen Citroën-Anhängsel DS soll mit dem DS 7 Crossback, der als Konkurrent zu Audi Q5 und Mercedes GLC platziert wird, eine vollends eigenständige Marke werden. In der Theorie ist die Trennung dank eines eigenen Managements und exklusiven DS-Stores schon vollzogen, doch ernst wird es erst jetzt. "Der DS 7 Crossback ist das erste, eigenständige DS-Modell ohne einen engen Verwandten bei einer anderen Marke des PSA-Konzerns", sagt Savignac.

Bis 2022 sollen noch fünf weitere Fahrzeuge dieses Rezepts folgen. Als nächstes ein kleiner Cross-Over in der Liga von Mercedes GLA und Audi Q2, später eine repräsentative Fünf-Meter-Limousine und noch später ein Luxus-SUV, bei dem die DS-Phantasien bereits durch die Decke gehen: Ein französisches Auto mit Leistungswerten auf Mercedes-AMG-Niveau und für einen sechsstelligen Preis - davon wurde in der Zentrale in Paris bis vor Kurzem nicht mal geträumt.

Das ist uns aufgefallen: Von außen mag der DS 7 noch halbwegs gewöhnlich aussehen. Mit 4,57 Meter Länge, einer Bauchbinde aus Plastik, der dezent angehobenen Bodenfreiheit, dem wuchtigen Kühlergrill und dem schrägen Heck unterscheidet er sich weder groß von den Konkurrenten der Premiummarken noch von denen der Massenmarken in dieser Klasse. Doch sobald man eingestiegen ist, wandelt sich der Eindruck: Das erste SUV der Marke DS hat tatsächlich einen ganz eigenen Charakter.

Zum einen ist der Wagen so liebevoll dekoriert und so detailliert ausgearbeitet, wie man es selbst bei Mercedes & Co. nicht findet, und andererseits wirken einige Materialen im Cockpit kaum wertiger als bei Kia & Co. Während Projektleiter Savignac die sündhaft teure Shoppingmeile Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris als Referenz bemüht, wirkt der DS 7 an manchen Stellen eher wie Champagner vom Discounter.

Auch beim Fahren zeigt der DS 7 einen eigenen Charakter - versucht uns der Hersteller zumindest einzureden. Und man ist geneigt, ihm auf den Leim zu gehen. Autos aus Frankreich sind traditionell etwas - die einen sagen belangloser, die anderen komfortabler - abgestimmt als die teutonische Konkurrenz. Doch beim DS 7 ist das Laissez-faire-Gefühl der Federung keine Nachlässigkeit, sondern eine Reminiszenz an das Auto, das der Marke den Namen gab: an den legendären Citroën DS.

Wurde der damals dank luftgefüllter Gummibälle im Fahrwerk zu einer Art fliegendem Teppich, setzen die Franzosen nun auf ein Kamerasystem, das die Straße scannt, Unebenheiten erkennt und das Fahrwerk blitzschnell darauf einstellt. Damit fühlt sich der DS 7 tatsächlich noch komfortabler an, als das ohnehin schon weiche Standard-Setup erwarten ließe.

Wohlfühlen an Bord, das schreibt DS auch in anderen Punkten groß. Deshalb gibt es nicht nur Massagesitze und Ambiente-Beleuchtung, sondern auch zwei unterschiedliche Wohlfühlprofile, bei denen sich alle Komfortsysteme des Autos auf die Vorlieben der jeweiligen Insassen einstellt.

So sehr der DS 7 auf große Gefühle setzt und den Sinnen schmeicheln will, so rational ist der SUV zugleich. Das gilt für das Format mit 2,74 Metern Radstand, 555 Liter Kofferraumvolumen und ausreichend Platz in der zweiten Reihe, das gilt ebenso für die Ausstattung. So feiern die Franzosen eine Reihe von technologischen Premieren in diesem Preissegment oder bei der Marke. Es gibt neben dem großen Touchscreen samt Online-Infotainment, der automatischen Abstandsregelung oder der Panorama-Kamera zum ersten Mal in dieser Klasse auch ein Nachtsichtsystem sowie eine Infrarot-Kamera, die dem Fahrer in die Augen schaut und ihn vor drohendem Sekundenschlaf warnt.

Selbst das Automatikgetriebe ist für DS etwas Besonderes - die Achtgang-Box stammt vom gleichen Zulieferer, bei dem auch BMW bestellt.

Das muss man wissen: Zum Verkaufsstart Ende Februar gibt es den DS 7 Crossback mit Motoren, die für eine französische Marke ungewöhnlich weit oben in der Leistungsskala angesiedelt sind. Das Basismodell für 31.490 Euro fährt zwar mit einem vernünftigen 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS vor, doch schon der zweite Ölbrenner ist ein 2,0-Liter-Selbstzünder mit 180 PS und 215 km/h Spitze. Und der vorerst einzige Benziner entwickelt aus 1,6 Liter Hubraum satte 225 PS.

In 18 Monaten ist dann zudem die Modellvariante E-Tense fertig. "Das wird der erste Plug-in-Hybrid im PSA-Konzern", sagt Projektleiter Savignac. Dafür spannen die Ingenieure einen 200 PS starken Benziner mit einer 80 kW starken E-Maschine zusammen und schalten eine Pufferbatterie dazwischen (Ladezeit an der Haushaltssteckdose: vier Stunden).

Bei einer ersten Fahrt im Prototypen entpuppt sich das Paket als ziemlich verheißungsvoll. In weniger als sechs Sekunden beschleunigt der Plug-in-Hybrid auf Tempo 100 und er fährt bis zu 50 Kilometer rein elektrisch. Und dank der elektrisch angetrieben Hinterachse wird der DS 7 Crossback sogar zum Allradler - denn mit allen verfügbaren Verbrenner-Optionen geht der Zweiradantrieb einher.

Das werden wir nicht vergessen: Viele Details bleiben bei diesem Auto haften. Das immer wiederkehrende Dreiecksmuster, das sich über Konsolen und Cockpit zieht und selbst die Schalter zu kleinen Schmuckstücken macht; die Scheinwerfer mit Schwenkmodulen wie früher bei der Original-DS; die Rückleuchten mit fast hypnotischer Wirkung. Es gibt kaum ein Teil am DS 7 Crossback, das banal aussieht oder einfach nur funktional ist.

Das Ganze gipfelt in einer mechanischen Uhr, die sich beim Anlassen in Zeitlupe aus dem Cockpit dreht, was ergreifender wirkt als in einem Bentley. Spätestens da wird der DS 7 Crossback zu einem Auto, das perfekt auf die Pariser Prachtmeile Rue du Faubourg Saint-Honore passt.

Fahrzeugschein
Hersteller: DS
Typ: DS7 Crossback
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 9,4 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 128 g/km
Kofferraum: 555 Liter
Gewicht: 1.610 kg
Maße: 4595 / 1895 / 1618
Preis: 39.790 EUR
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insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
go2dive 22.12.2017
1.
Da die meisten SUV eh nur auf geteerten Straßen bewegt werden und das eher unsportlich, gefällt mir persönlich eine sänftenartige Federung besser als die harten und unbequemen (sportlichen genannten) in den deutschen Modellen.
Hypocrist 22.12.2017
2. Suv
Schade dass es unbedingt ein SUV sein musste. Mir persönlich wäre eine schicke Limousine lieber gewesen, da der DS5 ein Crossover ist. Nun, sie gehen konsequent ihren Weg, immerhin.
ericstrip 22.12.2017
3. Was ist nur...
...aus Citroen geworden... Der Autor vermag dieser Geschmacklosigkeit auf Rädern offenbar etwas abgewinnen, ich hingegen wende mich mit Grausen ab. Ohnehin, diese Fahrzeugklasse ist im alltäglichen Straßenverkehr einfach ein ästhetisches Ärgernis. An jeder Ampel hat man so einen fetten SUV-Hintern vor sich und kann froh sein, überhaupt noch die Ampel zu erkennen. Im Parkhaus belegen die breiten Dinger i.d.R. zwei Parkplatze, außen sind sie massig, innen hingegen klaustrophobiefördernd zugebaut (wie auch hier schön zu sehen). Aber offenbar braucht man das heute. Besonders viele von den Dingern sieht man bei uns vor den Schulen, beim Wenden in zwanzig Zügen kommt dann auch schon mal der Verkehr zum Erliegen. Sie schreiben DS drauf. Demnächst nennt Fiat vielleicht noch einen Kleintransporter Lancia Aurelia.
mazzmazz 22.12.2017
4. Schade...
Ein SUV mit Spielzeugbenziner ohne Allrad. Ein Kombi mit V6, Allrad und der schönen Ausstattung für 45.000 Eur wäre da interessanter. Es ginge auch Hinterradantrieb. Aber ein billiges Frontantriebskonzept mit Spielzeugmotor aus der Golfklasse etwas aufzuhübschen reicht mir persönlich nicht. Das ist dann wirklich eher etwas für Frankreich, wo sich die meisten Menschen nicht im Ansatz dafür interessieren, was unter der Motorhaube steckt. Tempolimitland halt. Aber merke: Italien leidet ja auch unter dem sinnlosen Speedlimit und Alfa bietet trotzdem einen feinen Hinterradantrieb in der Giulia an.
spezialdm 22.12.2017
5.
Zitat von mazzmazzEin SUV mit Spielzeugbenziner ohne Allrad. Ein Kombi mit V6, Allrad und der schönen Ausstattung für 45.000 Eur wäre da interessanter. Es ginge auch Hinterradantrieb. Aber ein billiges Frontantriebskonzept mit Spielzeugmotor aus der Golfklasse etwas aufzuhübschen reicht mir persönlich nicht. Das ist dann wirklich eher etwas für Frankreich, wo sich die meisten Menschen nicht im Ansatz dafür interessieren, was unter der Motorhaube steckt. Tempolimitland halt. Aber merke: Italien leidet ja auch unter dem sinnlosen Speedlimit und Alfa bietet trotzdem einen feinen Hinterradantrieb in der Giulia an.
Es ist doch völlig egal ob man nun mit einem V8 oder R4 im Stau steht. Oder was will man da kompensieren? Wird Zeit für ein Tempolimit auch in Deutschland. Besser noch eine gesetzliche Geschwindigkeitsabregelung bei 160km/h. Dann geht es auf deutschen Autobahnen evtl. auch mal wieder etwas enspannter zu.
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