DS4 Crossback Irgendwas ist anders

Mit seiner Edelmarke DS will Citroën die deutschen Hersteller bedrängen und eine französische Premium-Interpretation etablieren. Dem neuen DS4 Crossback gelingt das gut - bis auf kleine Details.

Citroen

Der erste Eindruck: Endlich mal ein Facelift, von dem auch was zu sehen ist.

Das sagt der Hersteller: "Wir sind auf einer Reise, die gerade erst begonnen hat", sagt DS-Entwicklungschef Eric Apode, wenn er über die 15 Monate spricht, seit denen DS eine eigenständige Marke im PSA-Konzern ist - gleichrangig neben Peugeot und Citroën.

Apode soll den noblen Citroën-Ableger aus der Nische führen und den aktuell noch mickrigen 3,5-Prozent-Anteil am Konzern-Verkauf verdreifachen. "Es gibt eine Alternative zu den deutschen Premiummarken", sagt Apode. Er möchte eine eigene, eher französische Definition von Premium durchsetzen. Die soll sich nicht an Überholprestige und Fahrleistungen messen lassen, sondern an der Finesse.

So ein Vorhaben kostet Geld und Zeit - und bis zu größeren Würfen soll eben unter anderem der DS4 Crossback für Kurzweil sorgen. Das Auto bietet ohne großen konstruktiven Aufwand eine interessante Alternative zum konventionellen DS4. "Während der Anteil konventioneller Fünftürer in der Kompaktklasse zuletzt rapide zurückging, stehen Cross-Over-Varianten immer höher im Kurs", sagt Produktsprecherin Valerie Gillot, "davon wollen wir mit dem Crossback profitieren."

Das ist uns aufgefallen: Der DS4 Crossback sieht nicht nur anders aus als der normale DS4, er fühlt sich auch anders an. Es sind zwar nur drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, doch die reichen schon aus, um das Einsteigen bequemer zu machen. Sodann genießt man einen besseren Überblick und fährt gleich viel entspannter.

Die erhabenere Sitzposition hat jedoch auch Nachteile. Denn mit der Bodenfreiheit steigt der Schwerpunkt des Fahrzeugs, und auch wenn Entwicklungschef Apode den fahrdynamischen Anspruch des Wagens mit "Hyperkomfort" umschreibt, wird der Crossback in schnellen Kurven schon mal zum Wackelkandidaten. Die imposanten 400 Nm des famosen, weil flüsterleisen 180-PS-Dieselmotors in unserem Testwagen jedenfalls sollte man fein dosiert einsetzen, wenn man es ernst meint mit der Entspannung. Sonst wird nämlich ruckzuck Anspannung daraus.

Mit viel Mühe und etlichen Details stemmt sich die neue Marke gegen den Mainstream. Gut, noch passen selbst in der vornehmsten Variante nicht alle Materialien zum proklamierten Premium-Anspruch. Doch die 84 schmuck inszenierten Dioden in den neuen LED-Scheinwerfern, die bis weit über den Scheitel gezogene Frontscheibe, ein komplett beledertes Armaturenbrett, dessen Montage allein acht Stunden dauert, das handvernähte Lenkrad, die schneckenförmigen Kopfstützen und die Sitze, die so eng anliegen wie ein Schildkrötenpanzer und dank der Bezüge trotzdem kuschelig weich sind - all das gibt dem DS4 die Aura des Andersseins und ist damit eine wohltuende Abwechslung. Weniger überzeugend ist der Touchscreen, der hausbacken wirkt und langsam reagiert; das iPhone immerhin lässt sich via Apple Car-Play integrieren.

Das muss man wissen: Der überarbeitete DS4 und die höher gelegte Crossback-Variante kommen Mitte November in den Handel. Die Preise für die Normalversion beginnen bei 23.990 Euro; die Crossback-Varianten mit mehr Bodenfreiheit, Plastik-Beplankung, Dachreling und dunklen Radlaufverkleidungen kosten jeweils 1500 Euro mehr.

Trotz der Offroad-Optik sind sämtliche Modelle ausschließlich mit Frontantrieb lieferbar. Als Motorisierungen für den Crossback sind ein 130 PS starker Dreizylinder-Benziner sowie ein Diesel mit 120 PS und der hier vorgestellte Diesel mit 180 PS verfügbar. Für den konventionellen DS4 gibt es noch zwei weitere Benziner mit 165 und 210 PS sowie einen dritten Diesel mit 150 PS. Weil einige Motoren mit der Modellpflege optimiert oder ausgetauscht wurden, geht der Verbrauch gegenüber dem Vorgängertypen um bis zu ein Drittel zurück, sodass nun Normwerte zwischen 3,7 und 5,9 Liter je 100 Kilometer im Datenblatt stehen.

Das werden wir nicht vergessen: In vielerlei Hinsicht ist der Crossback fast schon der SUV, der Entwicklungschef Apode im DS-Angebot fehlt. Der Haken des neuen Autos jedoch ist das Heck. Denn der Crossback erschreckt mit einer hüfthohen Ladekante. Das zu ändern wäre zwar möglich, aber auch teuer gewesen. Und das Geld wird bei DS derzeit für andere Projekte dringender gebraucht. Denn in zwei Jahren soll das erste DS-Modell debütieren, das nicht mehr auf einem Citroën basiert.

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insgesamt 52 Beiträge
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TOM_M 22.10.2015
1. 4,4 Liter Verbrauch!
Naja, und schon sind wir wieder beim Thema. Citroen gibt an, dass dieser DS4 mit 4,4 Liter Diesel auskommen soll - warum geht die Mogelei eigentlich weiter - hier werden wir doch wieder verar........! Wegen erhöhtem Schadstoffausstoss wird VW gerade niedergemacht - bis wann kommt jemand auf die Idee, dass man mit dem Kraftstoffverbrauch viel mehr betrogen wird, denn anstelle von 4,4l wird man mit diesem Fahrzeug locker 1 Liter mehr verbrauchen - zur Zeit sind das 1.11 Euro. Somit braucht man dann für die 100km keine 5 Euro, sondern mehr als 6 Euro - also 25% mehr als die Herstellerangabe! Warum haut hier niemand drauf???
pb-sonntag 22.10.2015
2.
Anscheinend kann man nur ein Apple-Phon mit dem Auto verbinden. Darauf wird explizit hingewiesen. Also, neben dem Fahrzeug, wenn ich es kaufe, unterstützte ich auch noch Apple durch den Kauf eines ihrer Produkte. Nein, dann kann mir der neue Citreön gestohlen bleiben, denn ich mache mich nicht produktabhängig. Und von Apple schon gar nicht!
alterLeser 22.10.2015
3. Der Audi-Trick
Bei Peugeot scheint man bei VW abgeguckt zu haben. Man nehme einen VW, ändere das Blech aussen und die Einrichtung innen und verkaufe das Ganze als "Premium". Das ergibt einen höheren Preis für durchschnittliche Ware. Der Trick hat bei VW-Audi bid jetzt funktioniert. Das gleiche hatte GM mit der Marke Saab versucht, was ein abgeänderter Opel zu höheren Preisen war. GM ist aber damit gescheitert. Es fragt sich nur, ob Peugeot/Citroën mit der neuen Marke DS das Schicksal von Saab oder Audi teilen wird.
Sergeij 22.10.2015
4. Erhöhter Schwerpunkt...
Bei einer Spurbreite von 1531mm bei einer normalen DS4 bedeuten 3cm mehr Bodenfreiheit (und damit Höhe) eine Schwerpunkterhöhung von 2%. Ich wage zu bezweifeln, dass das im Fahrverhalten spürbar ist. Die 3% Schwerpunktveränderung erreicht man übrigens auch, wenn zwei unterschiedliche Fahrer mit einer Gewichtsdifferenz von knapp 50kg das Auto fahren. Und ob sich die 3cm Sitzerhöhung wirklich so gut auf die Sicht auswirken? Ich wage es zu bezweifeln....
lenin12 22.10.2015
5. DS 5 Hybrid 5
Ich fahre den Wagen bereits seit mehr als 3 Jahren und 90.000 Km und bin sehr zufrieden ! Seine Form und das Interieur ist futuristisch schön, auch wenn man keine so grosse Auswahl für das Interieur hat. Headup-Display und SOS-Knopf waren damals schon Stand der Technik. Zwar ist die rein elektrische Reichweite nicht besonders gross, aber es macht sehr viel Spass, mittels Bremsenergie rekuperierter Energie lautlos durch Städte und Dörfe rollen zu lassen. Das macht Hunger auf richtig Elektro. Der gutmütige Diesel ist mittlerweile recht sportlich geworden, wozu beim Anfahren aber auch der recht starke Elektromotor beiträgt, der sich im Winter übrigens auch als synchroner Allrad-Antrieb zuschalten lässt. Im Sport-Modus wird das Motorsteuerungs-Programm verändert und man kann auf die Jagd nach den Einheits-Karossen von BMW, AUDI und MERCEDES gehen. Dieses Auto ist eigenwillig französisch, macht aber sehr viel Spass ! Eine Probefahrt vor dem Kauf habe ich abgelehnt, weil ich es sowieso gekauft hätte !
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