Exoten aus Frankreich Flitzer mit Flair

Von den französischen Autoherstellern sind in Deutschland zumeist nur Peugeot-Citroën und Renault bekannt. Doch daneben existiert eine Reihe weniger bekannter Fahrzeugbauer, die unter anderem auch exquisite Sportwagen produzieren.


Als eine Art französischer Ferrari gilt die Marke Venturi. Kein Wunder, denn die schnittigen Sportwagen aus Nantes Coueron sehen den Rennern aus Italien zumindest von weitem zum Verwechseln ähnlich. Tragendes Gerüst der Venturi-Fahrzeuge ist ein Vierkantrohrrahmen mit zusätzlichen Kastenrahmen in Bug und Heck. Die Sechszylindermotoren haben zwar "nur" drei Liter Hubraum - doch zumindest das Venturi Coupé 400 GT erreicht mit einer Leistung von 408 PS durchaus Ferrari-Niveau.

Die Höchstgeschwindigkeiten der Venturi-Modelle liegen zwischen 280 und 295 Stundenkilometern. Wer sich einen Sportwagen des französischen Herstellers zulegt, dem ist Exklusivität garantiert: Nur knapp hundert Fahrzeuge verlassen jährlich die Werkshallen, wenige davon kommen nach Deutschland. Das hat natürlich seinen Preis: Beim Importeur Elia in Hiltmannsdorf muss man für ein Venturi-Modell mindestens 150.000 Mark bezahlen.

Die wohl spektakulärsten Auto-Kreationen Frankreichs werden unter dem Namen Mega in Aix-les-Bains entwickelt und produziert. Beim Mega Track handelt es sich um einen flachen Renner, der nicht nur 250 km/h schnell ist, sondern auch auf rauerem Gelände fahren kann. Als Antrieb dient ein Sechsliter-Zwölfzylinder von Mercedes mit 395 PS. Der Track ist gut fünf Meter lang, bietet vier Personen Platz - und kostet 670.000 Mark. Neu im Programm von Mega ist der Sportwagen Monte Carlo, der es mit 395 PS auf eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 300 Stundenkilometern bringt.

Preisgünstiger als die Sportwagen ist das Freizeitauto Mega Club. Ausgerüstet mit Citroen-Motoren kostet der variable Kleinwagen ab etwa 24.000 Mark. Das Dach kann teilweise oder komplett entfernt, die Türen können demontiert werden. Nach Ausbau der Rücksitze steht eine großzügige Ladefläche zur Verfügung.

Heuliez Pregunta
REUTERS

Heuliez Pregunta

Auch die Groupe Henri Heuliez mit Hauptsitz in Cerizay entwickelt Sportwagen - aber nicht nur. Das Traditionsunternehmen wurde vor nahezu zwei Jahrhunderten gegründet und baut seit 1925 Autos. Viele Autobesitzer fahren - ohne es zu wissen - ein von Heuliez produziertes Fahrzeug: Denn ähnlich der Firma Karmann in Osnabrück fertigt das Unternehmen Fahrzeuge im Auftrag großer Hersteller. Im Moment gehören dazu die Kombi-Modelle der Citroën-Typen Xantia und XM.

Neben Linien- und Reisebussen entstehen in den Werkhallen auch Prototypen - auf Basis von Großserienfahrzeugen ebenso wie als freie Entwürfe. Dazu gehören der Heuliez Intruder, der wie eine Mischung aus Roadster und Geländewagen wirkt. Verschlossen wird der Intruder mit dem Variodach des kommenden Peugeot 206 Cabriolets, das von Heuliez konzipiert wurde und für Peugeot angefertigt wird. 1999 stellte Heuliez mit dem Speedster Pregunta seine neueste Schöpfung vor. Der offene Zweisitzer auf Lamborghini-Basis mit Zwölfzylinder-Mittelmotor dürfte allerdings ein Prototyp bleiben.

Weniger elegant, dafür aber umso robuster kommen die Fahrzeuge der Auverland Sovamag daher. Der Geländewagenspezialist aus St. German-Laval, der auch Spezialaufbauten für Polizei, Militär und Feuerwehr anbietet, hat sich mit Nutzfahrzeugen in Frankreich einen relativ großen Bekanntheitsgrad erworben. Der zweitürige Auverland A3 und der viertürige Auverland A4 sind vergleichbar mit dem bekannten Land Rover Defender und werden von Peugeot-Dieselmotoren mit 1,9 Liter Hubraum und 70 oder 90 PS angetrieben, was für Höchstgeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 km/h reicht. Wichtiger für Fahrzeuge dieser Klasse sind jedoch das Steigvermögen von 100 Prozent und die hohe Bodenfreiheit von 58 Zentimetern.

Außerdem hat der französische Hersteller noch die vor allem für militärische Zwecke gedachten Sovamag-Modelle TC 10 und TC 24 im Angebot, die mit einem Turbo-Dieselaggregat mit 2,8 Litern Hubraum ausgerüstet sind. Einen Kontrast im Programm des Unternehmens stellt der A5 dar, eines jener zweisitzigen Kleinstautomobile, die in Frankreich ohne Führerschein gefahren werden dürfen.

Johannes Kottje/Martin Paetsch



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