Großroller BMW C 600 Fett!

Das Kreuzen verschiedener Arten führt manchmal zu komischen Ergebnissen. Zum Beispiel der Großroller BMW C 600 Sport: Er ist eine Mischung aus Motorrad und Roller - kombiniert aber jeweils deren Schwächen, nicht die Stärken.

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Früher hatte ein Motorroller vor allem kompakt, leicht und wendig zu sein. Ein Flitzer für den Großstadtdschungel, mit kleinem Knattermotor und großem Staufach unter der Sitzbank. Ein Gefährt, das aus guten Gründen gar nicht erst versuchte, ein echtes Motorrad zu sein.

Heute aber gibt es Maxi-Scooter. Seit einiger Zeit schon machen die riesigen plastikverschalten Gebilde Reisemotorrädern Konkurrenz - was angesichts des Stauraums, des Platzangebots auf der Sitzbank und des Wetterschutzes sogar Sinn ergibt.

Doch inzwischen bringen Designer auch die Formensprache von Supersport-Motorrädern an den Roller. Wenn die Marketingabteilung im Überschwang dann glaubt, dass der Roller nicht nur irgendwie sportlich aussieht, sondern bestimmt auch so fährt, nennt sie ihn zum Beispiel: BMW C 600 Sport.

Das Problem: Die Marketingabteilung liegt falsch.

Was eine fahrfertig 249 Kilogramm schwere, aber nur 60 PS starke Wuchtbrumme mit Sport zu tun haben soll, erschließt sich allenfalls im direkten Vergleich mit anderen Großrollern. Unter denen dürfte der C 600 zu den schnelleren gehören, frei nach dem Motto: Unter den Fettleibigen ist das Pummelchen im schnittigen Trainingsanzug die Sportskanone.

Der Roller braucht Kraft - Muskelkraft

Im Fahrtest wird wahr, was das Datenblatt vermuten ließ. Schon im Stand macht sich das hohe Gewicht des C 600 bemerkbar: Schwer erhebt sich der Trumm vom Ständer, rangieren lässt er sich nur mit gehörigem Krafteinsatz. Rollt der Scooter erst einmal, sieht die Welt zwar besser aus: Das hochwertige Fahrwerk vermittelt ein sicheres Fahrgefühl, die Bremsen wirken kräftig (wenn auch ohne sportlichen Biss), die Schräglagenfreiheit ist üppig, die Lenkpräzision geht völlig in Ordnung, Stabilität ist bis zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h gegeben.

Wer aber jemals ein Sportmotorrad gefahren hat, wird vom C 600 zutiefst unbeeindruckt sein. Das liegt zum einen an dessen 674 Kubikzentimeter großen Reihenzweizylinder, der nur 60 PS leistet: Hier trifft die Motorisierung eines Mittelklasse-Motorrads auf das Gewicht eines barocken Big Bikes. Zum anderen liegt es am Automatikgetriebe.

Kein Tritt ins Kreuz

Die Continuously Variable Transmission (CVT) lässt echtes Motorroller-Feeling aufkommen: Schalten und Kuppeln darf der Fahrer vergessen, spontanen oder gar explosiven Vortrieb allerdings auch. Auf Gasbefehle reagiert der C 600 träge, insbesondere aus dem Teillastbetrieb heraus. Auf den sprichwörtlichen Tritt in den Rücken, der den Großteil des Fun-Faktors auf einem Motorrad ausmacht, wartet man vergebens. Zudem geht auf dem Weg zwischen Motor und Hinterrad ein gutes Viertel der ohnehin spärlichen 60 PS verloren. Der Wirkungsgrad des CVT-Getriebes liegt bei lediglich 75 Prozent, der eines Schaltgetriebes bei 90 Prozent, wie BMW gegenüber der Zeitschrift "Motorrad" erklärte.

Nun könnte man den Vergleich zwischen dem C 600 und einem Motorrad für unfair halten. Allerdings: Wo Sport draufsteht, sollte auch Sport drin sein - zumal BMW den C 600 ausdrücklich jenen Kunden ans Herz legt, die "das Erlebnis BMW Motorrad spüren wollen". Spätestens der Blick auf die Preisliste lässt dann jedes Mitleid verfliegen: 11.200 Euro verlangen die Bajuwaren für den Scooter, und zwar in der Basisversion.

Schon für die Hälfte des Geldes bekommt man mehr Fahrspaß auf zwei Rädern: Ein Mittelklasse-Motorrad wie die Honda CB 500 F etwa hängt den C 600 in Sachen Fahrleistungen locker ab. Für die vollen rund 11.000 Euro bekommt man sogar ausgewachsene Landstraßen-Brenneisen wie die KTM 990 Superduke, die Honda CB 1000 R, die Yamaha FZ1 oder die Triumph Speed Triple. Jedes von ihnen hat mehr als doppelt so viel Leistung wie der C 600 und Dutzende Kilogramm weniger auf den Rippen.

Warum nicht zwei Nummern kleiner?

Wenn es also nicht der reine Fahrspaß ist, was sollte dann zum Kauf des C 600 verleiten? BMW selbst preist den C 600 als modernes Fortbewegungsmittel für die Großstadt an. "Urban mobility" heißt das auf PR-Denglisch. Wer aber urban mobil sein will, bekommt schon für unter 10.000 Euro einen Kleinwagen. Der verbraucht auch nicht mehr Sprit als der BMW-Scooter, fasst dafür aber deutlich mehr Ladung und Menschen, die obendrein im Regen trocken und im Winter warm bleiben. Wer gar keine Lust auf Parkplatzsuche in der City hat, sollte gleich ein Bus-und-Bahn-Ticket kaufen. Das jedenfalls dürfte angenehmer sein als zu versuchen, einen Fünf-Zentner-Roller über die Bürgersteige zu bugsieren.

Das Ärgerliche an alldem ist: Motorroller könnten durchaus eine Antwort auf die Frage nach der urbanen Mobilität der Zukunft sein - denn sie eignen sich ideal als Elektromobile. Bei kleineren Modellen reichen schon 5 PS Motorleistung für eine Geschwindigkeit von 60 km/h, zudem müssen Scooter in der Stadt nur kurze Strecken zurücklegen. Das ermöglicht relativ kleine Akkus, die in kurzer Zeit aufgeladen werden können.

Der Markt für solche Gefährte könnte insbesondere in Südeuropa, Südamerika und Asien gigantisch sein. Und was tun deutsche Ingenieure? Konstruieren Riesenroller wie den C 600 Sport - zu groß, zu schwer und zu unpraktisch für die Stadt, zu schwach für den sportlichen Ritt über die Landstraße und zu teuer für den Massenmarkt.

Einen Elektroroller entwickelt BMW natürlich auch. Der heißt C Evolution und wird allen Ernstes als Fortbewegungsmittel für Pendler im Stadtverkehr beworben - bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/hm, was nach Akkus verlangt, die das Gewicht auf 265 Kilogramm treiben. Viel Spaß in der Parkbox.

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digitus_medius 11.07.2013
1. Nun ja,
da bleibe ich lieber bei meinen italienischen 1200ccm, 150PS und leer185kg, die zudem ästhetisch sowie sportlich und trotzdem reisetauglich sind.
cor 11.07.2013
2. Der Artikel
Der Artikel wurde definitiv nicht von BMW bezahlt. Mir erschliesst sich nicht mal, wie man auf die Schnapsidee kommen kann, einen "Grossroller" zu bauen.
a24 11.07.2013
3.
Zitat von sysopBMWDas Kreuzen verschiedener Arten führt manchmal zu komischen Ergebnissen. Zum Beispiel der Großroller BMW C 600 Sport: Er ist eine Mischung aus Motorrad und Roller - kombiniert aber jeweils deren Schwächen, nicht die Stärken. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/fahrbericht-bmw-c-600-pummelchen-im-sportdress-a-909938.html
Das ist sicher nicht die Antwort der Ingenieure, denn inzwischen bauen die auch bei BMW brauchbare Motorräder. Dieser Roller ist eine Antwort des Marketings und der Controller, er dürfte unter den einspurigen KFZ mit die höchste Marge haben. Und die Zielgruppe (60+) wird sicher auch ihren Spaß daran haben.
thanks-top-info 11.07.2013
4.
674 ccm und 60PS, na immerhin hält der Motor ewig, weil er sich kaum anstrengt. BMW baut den C1, was der perfekte Grosstadt Scooter sein dürfte... ohne Helm und mit Dach und Scheibe
MarkInTosh 11.07.2013
5.
Zitat von thanks-top-info674 ccm und 60PS, na immerhin hält der Motor ewig, weil er sich kaum anstrengt. BMW baut den C1, was der perfekte Grosstadt Scooter sein dürfte... ohne Helm und mit Dach und Scheibe
BMW bautE den C1. Das potthässliche Fahrzeug für Opas ohne jeden Geschmack wurde bereits vor 10 Jahren (2003) wegen absoluter Erfolglosigkeit fallen gelassen.
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