Fahrbericht DS5 Das Retro-Raumschiff

Der DS5 ist ein Citroën, der nicht als Citroën zu erkennen ist - noch dazu bürdet er sich die Initialen einer Göttin auf. Was soll man von diesem Auto halten? Man muss es einfach mögen.

Citroen

Die erste Begegnung mit dem DS5. Man steht ratlos vor dem Auto. Ist das ein Van oder eine Limousine, eine Art Kombi vielleicht, eventuell sogar ein SUV? Stutzen und staunen: Das ist der Citroën-Moment. Schön, dass es ihn noch gibt.

Der Witz bei diesem Auto ist, dass es sich nicht als ein Citroën zu erkennen gibt. Die erste Baureihe trug seit 2011 noch das altbekannte Logo. Aber bei der überarbeiteten Version, die im Frühjahr auf den Markt kam, ist der Doppelwinkel durch die Buchstaben DS ersetzt worden. Wenn man mit dem Wagen durch den Stadtverkehr rollt, blickt man in fragende Gesichter. Den DS5 muss man geduldig erklären: "Das ist ein Citroën und gleichzeitig kein Citroën", hört man sich sagen, "DS ist eine eigene Marke und erst ein Jahr alt, sozusagen der etwas bessere Citroën."

DS, das ist die Beschwörung eines Mythos. Das Modell, das Citroën vor genau 60 Jahren unter dieser Bezeichnung vorstellte, wird bis heute Déesse genannt, die Göttliche. DS ist also mehr als eine Buchstabenkombination, so wie 911 mehr als eine Zahl ist. Eine Marke so zu nennen ist eine heikle Angelegenheit. Citroën riskiert Göttinnen-Lästerung.

So geht Traditionspflege

Glücklicherweise betreiben die Franzosen aber eine elegante Art der Traditionspflege. Anders als beispielsweise Fiat beim Cinquecento oder VW beim Beetle. Bei diesen Autos wurde das charakteristische Design der Vorgänger kopiert, alles etwas größer und moderner gestaltet - und fertig war das Comeback. Citroën lässt mit dem DS5 dagegen eine Geisteshaltung aufleben, die man bei dem Hersteller eine Weile vermisst hat: Nämlich den Mut zu Autos, die wie Raumschiffe aussehen.

Vor dem Einsteigen befürchtet man zwar noch Schlimmes: Citroën, das ist doch die Marke mit den feststehenden Lenkradnaben; diese als Innovation gepriesene Unhandlichkeit, bei der der Mittelteil des Volants beim Einschlagen nicht mitdreht und man sich die Fingerkuppen abklemmt. Doch nichts dergleichen im DS5. Das Lenkrad dreht so, wie es soll.

Und so macht man es sich dahinter bequem. Die Sitze sind so anschmiegsam, man möchte sie am liebsten ins Wohnzimmer stellen. Auf dem Armaturenbrett die analoge Uhr mit langgezogenem rechteckigem Gehäuse. Darunter ein Touchscreen in passabler Größe. Vier große Drehräder liegen wie Inseln auf der Mittelkonsole, unter anderem lässt sich dort die Klimaanlage einstellen. Die rot leuchtende Digitalanzeige auf den Inseln ist allerdings ein bisschen billig geraten.

Der Ganghebel ist kühl designt und sieht zugleich knuffig aus. Wie die Pfote einer Roboterkatze. Links und rechts davon befinden sich breite Fensterhebertasten. An der Decke hängt eine Schalterleiste, dort sind zum Beispiel Knöpfe, um ein Head-up-Display zu aktivieren. Drückt man einen der Knöpfe, fährt eine kleine Plastikscheibe aus dem Armaturenbrett. Darauf werden die Geschwindigkeit und bei Bedarf die Navigationsanzeige projiziert. Das sieht so aus:

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Das mag wie ein Taschenspielertrick wirken, aber diese sogenannten Combiner-Systeme sind billiger als Head-up-Displays, bei denen die Anzeige auf die Frontscheibe projiziert wird. Außerdem prägt es den speziellen Charme des DS5, dessen Interieur skurril und gleichzeitig futuristisch ist - ein gemütliches Retro-Raumschiff.

So fährt er sich auch. Unser Testwagen war ausgestattet mit einer Sechsgangautomatik und einem Diesel-Elektro-Motor. Der Vollhybrid bringt es auf eine Systemleistung von 200 PS (163 PS durch den Selbstzünder und 27 kW durch den Stromer).

Entspanntes Dahingondeln

Strom und Diesel, das klingt eigentlich nach einer besonders spritsparenden Kombination. Aber der von Citroën angegebene Verbrauch von 3,5 Litern auf 100 Kilometern entpuppt sich mal wieder als illusorisch. Über den Zeitraum des Tests benötigte der Wagen auf einer Strecke, die meistens aus Stadtverkehr und einigen Autobahnkilometern bestand, im Schnitt 6,4 Liter. Beim Tritt aufs Gaspedal reagiert der Wagen mitunter unberechenbar, der Motor kann unangenehm hochdrehen. Meistens läuft er jedoch gemächlich und es lässt sich entspannt dahingondeln.

Aber was für ein Auto ist der DS5 denn jetzt? Man sitzt so hoch wie in einem SUV, aber für einen Pseudogeländewagen ist er zu schön. Und für einen Van wäre der Kofferraum ziemlich mickrig. Citroën spricht von einer "Oberklasse-Limousine". Der Preis von unserem Testwagen - rund 52.000 Euro - ist schon ziemlich oberklassig. Die Fahrzeugkategorie spielt in diesem Fall aber auch keine Rolle. Schlussendlich zählt nur eines: Der Bezeichnung DS ist dieses Auto würdig.

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
tobiasgtr 20.10.2015
1. Endlich mal kein Mainstream
Bin das Auto gefahren und war begeistert. mehr gibt es dazu nicht zu sagen
moe.dahool 20.10.2015
2. Schöner Wagen
Aber ohnehin finde ich die Franzosen ab der Mittelklasse recht ansprechend. Während deutsche oder japanische Wagen irgendwie nüchtern wirken, haben Citroen und Peugeot immer etwas wohnzimmerhaftes.
ro70 20.10.2015
3. Heck(Scheibe) !?
Eine Heckansicht incl. Beschreibung der "Aussicht" nach hinten raus wäre schön und aufschlussreich gewesen, da die schöne An- und gute Rundumsicht bei den markenprägenden Modellen der 70er, 80er und frühen 90er Jahre wegweisend für die Fliessheckbauweise war. Eine Tradition, die auch gepflegt werden sollte .... aber hört sich auch so spannend und verlockend an !
Koana 20.10.2015
4. Verbrauch 6 Liter...
Co2 Ausstoß 180 g! Echt Innovativ! Ach ja - die "Werksangaben" - die wären, würde es im Gebrauchsmodus so realisiert, für dieses Auto, dass man gerne für jede Kommune als ein "Ausflugs- und Festvehicel" pro 1000 Einwohner einmal anschaffen kann - erträglich. Als Familienkutsche für den Privatbesitzer, meist von einer Person bewegt, ohnehin blanker Schwachsinn - so bequem es auch sein mag - das ginge wahrlich seit Jahrzehnten intelligenter.
buktu1975 20.10.2015
5. Naja...
"DS ist eine eigene Marke und erst ein Jahr alt, sozusagen der etwas bessere Citroën." Kann irgendwie nicht stimmen, 2010 hatte ich meinen ersten DS3. Und den DS5 gibt's auch schon länger als ein Jahr...
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