Seat Alhambra Allrad: Bei Bedarf bombastisch
Erhabenheit durch Volumen: Der Seat Alhambra ist nicht schön, bezaubert aber durch ein phantastisches Platzangebot. Als Allrad macht er außerdem völlig uneitel die Bergziege. Ein bisschen Exzentrik leistet sich der Spanier trotzdem - allerdings nur, wenn man ihn lässt.
Die maurische Burganlage Alhambra hoch über der spanischen Stadt Granada gehört zum Weltkulturerbe und ist eine Touristenattraktion ersten Ranges. Das gleichnamige Auto der spanischen VW-Tochtermarke Seat ist zwar nicht so pittoresk wie die Burg - aber fast so geräumig. Die Großraumlimousine ist ein geradezu palastartiges Auto, weitgehend baugleich mit dem VW Sharan, jedoch deutlich billiger als dieser. Seit einigen Monaten bietet Seat das voluminöse Modell auch mit Allradantrieb. Bei der Testfahrt machte sich das sofort bezahlt.
Denn fast wie bestellt fiel an diesem Tag Neuschnee. Und während teils erheblich teurere Autos auf den winterlich-weißen Straßen schon an sanften Steigungen vorübergehend kapitulierten, arbeitet sich das spanische Großmobil unbeirrbar voran.
Schön, wenn Technik so unspektakulär weiterhilft. Was bei VW 4motion heißt und im Modell Sharan ab 34.025 Euro zu haben ist, nennt Seat einfach Allrad. Der so ausgerüstete Alhambra kostet in der billigsten Variante 32.550 Euro. Er verfügt dann über eine elektronisch gesteuerte Haldexkupplung, die sich immer dann schließt, wenn die Vorderräder allein mit dem Vortrieb überfordert sind. Dann fließt die Motorkraft auch nach hinten - je nach Beschaffenheit des Untergrunds und Haftung der Reifen bis zu 100 Prozent. Bei ganz normaler Fahrt auf trockener Straße bewegt sich der Alhambra dann wieder als nahezu reiner Fronttriebler.
Pummelig in der Form, praktisch in der Nutzung
Unspektakulär ist auch das Äußere des Alhambra. Im Wesentlichen ist das Auto ein Klotz auf Rädern. Doch sobald man eine der beiden Schiebetüren im Fond oder die große Heckklappe öffnet, blickt man in schier unendliche Weiten. Vom Siebensitzer bis hin zum Zweisitzer mit weit mehr als zwei Kubikmeter Gepäckraumvolumen - wobei die hinteren fünf Sitze clever eingefaltet den glattflächigen Ladeboden bilden - sind zahlreiche Varianten kombinierte Bestuhlung und Beladung möglich.
Man fährt in diesem Auto durchaus souverän. Der Überblick ist ordentlich, Lenkung und Getriebe vermitteln ein gutes Gefühl für Straße und Situation. Das Fahrwerk hingegen ist etwas zu ruppig geraten. Das Phänomen ist mittlerweile bei zahlreichen Familienwagen zu beobachten: Eigentlich sind sie für komfortables Vorankommen geschaffen - an irgendeiner Stelle der Entwicklung hat jedoch der Vorschlag für mehr Sportlichkeit den Zuschlag erhalten. Warum das bei einer Großraumlimousine sinnvoll sein soll, ist nicht bekannt.
Aufgerüstet bis zum Preisschock
Richtig tragisch ist das aber nun auch wieder nicht, weil der Alhambra mit Allradantrieb ansonsten eine prima Vorstellung abliefert. Sieben Airbags sind übrigens Serie, ABS und ESP sowieso, Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung auch.
Bei unserem Testwagen kamen dann noch schicke 18-Zoll-Räder, eine Lederausstattung, eine Einparkhilfe inklusive Rückfahrkamera, Bi-Xenon-Kurvenlicht, elektrisch betätigte Schiebetüren und Heckklappe, sieben Sitze und diverse weitere Extras dazu.
All das macht das Ambiente in einem Auto dieser Art natürlich sehr angenehm. Die Sache hat aber einen gewaltigen Haken: 47.005 Euro kostet das Auto mit der beschriebenen Ausstattung. Wenn man das mal kurz - obwohl man es nicht sollte - in die alte Mark umrechnet, wird einem noch viel schwindeliger. Vielleicht sollte man den Prunk einfach dort lassen, wo er schon immer war: in alten Palästen wie der Alhambra.
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- Freitag, 16.03.2012 – 13:35 Uhr
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Das begeistert: Wie praktisch und begeisternd ein so großes Auto manchmal ist.
Das fehlt: Ein Automatikgetriebe für die Allradvariante.
Das nervt: Die elektrisch angetriebenen Schiebetüren und die elektrische Heckklappe - fördern die Faulheit, ohne wirklich nützlich zu sein.
Was sonst? Man lächelt ja oft über Allradantrieb, aber wenn es drauf ankommt, ist diese Technik einfach genial.
| Hersteller: | Seat |
|---|---|
| Typ: | Alhambra 2.0 TDI Allrad |
| Karosserie: | Van/Kleinbus |
| Motor: | Vierzylinder-Commonrail-Diesel |
| Getriebe: | Sechsgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Allrad |
| Hubraum: | 1.968 ccm |
| Leistung: | 140 PS (103 kW) |
| Drehmoment: | 320 Nm |
| Von 0 auf 100: | 11,5 s |
| Höchstgeschw.: | 191 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,0 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 159 g/km |
| Kofferraum: | 267 Liter |
| umgebaut: | 2.297 Liter |
| Gewicht: | 1.891 kg |
| Maße: | 4854 / 1904 / 1740 |
| Versicherung: | 18 (HP) / 21 (TK) / 19 (VK) |
| Preis: | 35.660 EUR |
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