Erster Tag: Eigentlich sind große Autos gut fürs Ego - doch der Ford Ranger stürzt uns in Selbstzweifel. Für die Einfahrt am bescheidenen Eigenheim ist er nämlich zu gewaltig. Also parkt er draußen neben dem Zaun. Hier bringt der Wagen mit den weit ausgestellten Kotflügeln über den wuchtigen 18-Zoll-Rädern und den baumdicken Trittleisten einen Hauch von Wildwest in die Wohngegend. Gleichzeitig versperrt er mit 5,40 Metern Länge und knapp zwei Metern Breite Straße und Gehweg - wenn das mal keinen Ärger mit den Anwohnern gibt.
Zweiter Tag: Die Beschwerden halten sich in Grenzen. Dafür weckt die riesige Ladefläche des Giganten Begehrlichkeiten beim Nachbarn. War da nicht noch eine Gefälligkeit offen? Ein Berg Grünschnitt sollte dringend entsorgt werden
Merke: Wer einen Pick-up fährt, hat plötzlich viele Freunde und samstags immer volles Programm.
Dritter Tag: Es ist Sonntag und es geht aufs Land. Weil der Testwagen mit einer Doppelkabine bestückt ist, hat die Familie genug Platz an Bord. Im Fond reicht der Platz locker für zwei Erwachsene, zur Not auch für drei. Und auf der Ladefläche sind mit wenigen Schwüngen ein paar Fahrräder verstaut. So schnell war man selten zuvor abfahrbereit.
Der 3,2 Liter große Diesel schüttelt sich dann kräftig beim Kaltstart, knurrt und krächzt, bringt anschließend aber die Fuhre angenehm sanft in Fahrt. Dank der ordentlichen Sechsstufen-Automatik brummelt der Fünfzylindermotor niedertourig vor sich hin. Im Mittel schluckt die Maschine gut zehn Liter. Das Fahrgefühl: King of the Road - nur enge Kurven mag der Ranger nicht. Dann verspannen sich seine langen Wellen auf dem Weg zur Hinterachse, bis die Reifen quietschen.
Vierter Tag: Der Elefant wird auf der Autobahn geritten. Dort stößt er prompt an seine Grenzen. Auf Querfugen reagiert der Ranger beispielsweise ziemlich ungehalten, und selbst mit viel Geduld und Rückenwind schafft der Wagen nicht mehr als 175 km/h. Hat man ihn mal so weit, dann ist er so laut, dass man kaum sein eigenes Wort versteht. Über den Verbrauch darf man sich dann wohl nicht wundern: 15 bis 17 Liter säuft er auf 100 Kilometern weg. Für einen Lastwagen nicht schlecht, für ein Alltagsauto jedoch inakzeptabel.
Fünfter Tag: In der Stadt ist die Parkplatzsuche am Straßenrand mit dem Ranger Zeitverschwendung. Bushaltestellen kommen auch nicht in Frage - deshalb wagen wir uns in die Tiefgarage. Das Zirkeln zwischen Betonpfeilern und fremden Kotflügeln wird zur schweißtreibenden Angelegenheit. Gut, dass es eine Rückfahrkamera gibt.
Sechster Tag: Der 80-Liter-Tank ist fast leer - heute bleibt der Ranger stehen, stattdessen greifen wir zur Lektüre der Preistabelle. In der Basisvariante mit 125 PS starkem Dieselmotor und Einzelkabine kostet der Wagen knapp 25.000 Euro. Wer die Variante mit 150-PS-Diesel wählt, muss mindestens 26.800 Euro zahlen. Und mit dem 3,2-Liter-Fünfzylinder, zuschaltbarem Allradantrieb und ein paar Extras kostet der Wagen rasch mehr als 40.000 Euro.
Siebter Tag: Zum Finale hat der Ranger Heimspiel. Auf tief ausgefahrenen Waldwegen darf er seine Allradqualitäten zur Schau tragen. Ja, der Typ ist einfach ein Arbeitsgerät. Und zum Feierabend wird die Ladefläche abgekehrt und fertig.
Unser Fazit nach einer Woche Ford Ranger: Bei aller Zuneigung für den urtümlichen Pritschenwagen und trotz der Prise Wildwest-Romantik lassen wir den Riesen gern wieder ziehen. Für Gartenbauer, Pferdezüchter oder Zimmerleute mag so ein Auto die erste Wahl sein - im Privatleben eines Großstadtzivilisten hat es keinen Platz. Denn hoch sitzen kann man auch in einem SUV. Und wenn es tatsächlich mal was Sperriges zu transportieren gibt, leiht man sich eben einen Anhänger - oder klingelt beim Nachbarn.
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