Von Tom Grünweg
"Da scheppert nix" - einen besseren Einstand hätte sich Hyundai für den neuen i30 kaum wünschen können. Denn das Lob kam nicht von irgendwem, sondern ausgerechnet von VW-Chef Martin Winterkorn. Er hatte den kompakten Golf-Gegner aus Korea bei seinem Rundgang auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt inspiziert. Und der Mann war offensichtlich beeindruckt, insbesondere von der klapperfreien Lenkradverstellung. Dabei hat er sich auch noch filmen lassen - das Ergebnis hat mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Aufrufe bei YouTube.
Zwei Monate nach der Messe haben wir in genau jenem Modell eine erste Testfahrt absolviert, das dem VW-Chef so imponiert hat. Und wir können sein Staunen durchaus nachvollziehen. Denn auch wenn das Geräusch der Lenkradverstellung nun wirklich kein Kaufkriterium ist, kommt der Koreaner dem König der Kompakten gefährlich nahe.
Hochwertige Details haben die Koreaner dabei längst übernommen. Genau wie im Golf fallen die Türen deshalb satt und schwer ins Schloss. Natürlich sind auch im i30 die Haltegriffe längst mit Silikon gedämpft, das Handschuhfach sackt sanft und leise aus dem Armaturenbrett, und alles, was man anfasst, fühlt sich gut an. Die schweren Türöffner sind kalt und glatt, wie es sich für Metall gehört, die Instrumente sind mit Leder überzogen, und die Bezüge der bequemen Sitze sind weich, duften angenehm und wurden fein säuberlich mit einer Doppelnaht verziert.
Beim Blick ins Cockpit sind die Koreaner den Niedersachsen sogar voraus. Über Formen, Fonts und Farben kann man zwar streiten. Doch wo im Golf auf dem Bildschirm zum Teil noch eine pixelige Punktmatrix flackert, strahlt im i30 ein Display mit der Schärfe und der Brillanz eines modernen Smartphones.
An den Details gespart
Dass auch die Koreaner irgendwo ein wenig sparen müssen, sieht man dagegen erst auf den zweiten Blick. Die großen Ablagen in den Türen hat VW sorgfältig mit Teppich ausgekleidet, während bei Hyundai dort die Dosen im nackten Plastik klappern dürften. Und wo das Handschuhfach beim i30 eine kalte Kunststoffkiste ist, trägt es im Golf ein schickes schwarzes Flockenvlies. Und auch die Gepäcknetze an der Rückseite des Sitzlehnen wirken im Hyundai recht antiquiert.
Trotzdem rückt die Marke dem Meister der Kompaktklasse auf die Pelle. Die Koreaner können auch in den klassischen Disziplinen mittlerweile mithalten: Das Fahrwerk ist vielleicht noch nicht ganz so reif und gelassen wie beim Golf. Aber der i30 fährt kommod und angenehm unauffällig und macht Schluss mit dem synthetischen Gefühl, das man bei den elektrischen Hyundai-Lenkungen bislang beklagen konnte. Weil man jetzt auf Knopfdruck drei Stufen der Servo-Unterstützung wählen kann, findet jeder die passende Einstellung.
Dazu gibt es eine ganze Reihe pfiffiger Assistenz- und Komfortsysteme. Neben einem großen Panoramadach und einer Rückfahrkamera haben die Koreaner zum Beispiel auch eine elektrische Parkbremse eingebaut.
Schwierigkeiten bei der Preisfindung
Auch bei den Motoren fährt Hyundai auf Augenhöhe. Zum Start wird es je drei Benziner und Diesel geben, die ein Leistungsspektrum von 90 bis 135 PS abdecken. Besonders stolz sind die Ingenieure auf den aktualisierten 1,6 Liter großen Diesel, mit dem auch unser Testwagen bestückt war. Der Motor läuft nicht nur sehr kultiviert, ist flott bei der Sache und schafft 197 km/h, sondern mit Start-Stopp-Automatik und Leichtlaufreifen in der Blue-Drive-Edition ist er auch extrem sparsam. Genau haben die Koreaner den Verbrauch noch nicht ausgerechnet. Aber auf jeden Fall soll er unter 3,8 Litern liegen - und das bei einer stattlichen Leistung von 128 PS und 260 Nm.
Ein Vierteljahr vor der Markteinführung tun sich die Koreaner mit der Preisfindung noch ein wenig schwer. Weil das Auto so viel besser und vor allem gehaltvoller geworden ist als der Vorgänger, ist ein ordentlicher Aufschlag schon jetzt sicher. Doch genauso klar ist, dass der i30 deutlich unter dem Golf bleiben wird. 16.000 Euro, so hört man in der Branche, könnten deshalb eine gute Schätzung sein. Und auch die fünf Jahre Garantie sind bereits gesetzt.
Natürlich läuft das Winterkorn-Video bei Hyundai mittlerweile in der Heavy-Rotation, und die Koreaner jubeln über die unfreiwillige Werbung. Sie fragen sich, was der VW-Chef da mit dem Maßband zwischen Spiegel, Scheiben und Säulen wohl gemessen haben könnte und warum es ihm ausgerechnet die Lenkradverstellung angetan hat. "Das war bei uns ganz sicher kein Entwicklungsschwerpunkt und ist doch alles andere als Weltraumtechnik", wundert sich ein Manager in der Europazentrale.
Doch so ganz ungeteilt ist die Freude über die virale Werbung nicht: "Das baut Erwartungen auf, die wir jetzt erst einmal erfüllen müssen", mahnen die Manager und sorgen sich zum Beispiel, ob die Lackiererei in der Fabrik im tschechischen Noovice mit der Handarbeit am Ausstellungsauto mithalten kann, die der VW-Vorstand auf der Messe so bewundert hat.
Überhaupt könnte den Koreanern ihr Lachen vielleicht bald im Halse stecken bleiben. Denn anders als die meisten Kunden hatte VW-Chef Winterkorn bei seinem Vergleich nicht den aktuellen Golf im Sinn, sondern dessen Nachfolger.
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