Fahrbericht Jaguar XKR-S Cabrio

Porsche lanciert das 911 Cabrio, Mercedes bringt den SL, und bei BMW geht der offene M6 in die nächste Runde. Da will Jaguar nicht hinten anstehen und strippt den XKR-S: 550 PS machen ihn zum stärksten Cabrio der Firmengeschichte - und zu einer höllischen Windmaschine.

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Jaguar

Gentleman, fix your Föhnwelle. Wer in dieses Auto einsteigt, der braucht einen starken Haarfestiger. Denn so stürmisch wie der ab März lieferbare XKR-S war bislang noch kein Cabrio von Jaguar: Sobald das Dach hinter den winzigen Rücksitzen verschwunden ist, das Windschott in sich zusammenfällt und die Fenster herunter surren, zupft ein Sturm am Scheitel, der binnen weniger Augenblicke zum Orkan anschwellen kann. Schließlich schießt der 138.100 Euro teure XKR-S in 4,4 Sekunden auf Tempo 100.

Kaum findet man wieder ein wenig Kraft zum Atmen, wischt die Tachonadel schon über die zweihunderterer Marke. Und wo selbst dem normalen XKR irgendwann die Luft ausgeht, bekommt das S-Modell die zweiten Luft und macht die 250 km/h-Marke zur lästigen Formalität. Statt ihm dort wie sonst bei ihren Modellen üblich den Saft abzudrehen, lassen die Birten ihrem schärfsten Feger noch ein wenig Auslauf. Und den versteht das Cabrio weidlich zu nutzen: Erst wenn der Sturm schon schmerzlich an den Haarwurzeln reißt und neben pfundweise CO2 hinten auch die ersten Locken aus dem Auto fliegen, schiebt die Elektronik bei 300 km/h einen Riegel vor.

"Rein theoretisch wäre sogar noch mehr drin", sagt Motorenentwickler Andy Lowis. "Bei unseren Testfahrten kamen wir auf über 320 km/h." Aber irgendwo kurz vor Schluss fehle dem Auto dann der rechte Biss, so dass man für solche Fahrten schon eine verdammt lange Gerade brauche. Und mit den Reifen sei das bei diesem Tempo auch so eine Sache. "Deshalb haben wir bei 300 km/h die Reißleine gezogen. Aber auch damit ist der XKR-S das schnellste Cabrio in der Firmengeschichte", sagt Lowis.

Die Höchstgeschwindigkeit allein sagt aber ohnehin nichts über das wahre Tempo aus. Wie schnell der Wagen wirklich ist, verrät Lowis deshalb mit einer ganz anderen Kenngröße: "Unter acht Minuten", raunt der Ingenieur geheimnisvoll und meint damit die Zeit, die der offene Brite für eine Runde auf der Nordschleife des Nürburgrings braucht. Diese acht Minuten sind so etwas wie die Schallmauer für Schnellfahrer. Wer sie unterbietet, ist nicht nur ein aufgemotzter Kraftmeier, sondern darf sich wirklich Sportwagen nennen.

Dafür braucht es nicht nur einen stärken V8-Motor, den Lowis und seine Kollegen mit ein wenig Feinschliff am Kompressor und der Elektronik von 510 auf 550 PS und bis zu 680 Nm getunt haben. Sondern das geht nur mit einem entsprechend modifizierten Gesamtpaket. Dazu gehören eine spürbar schärfere Lenkung, das zehn Millimeter tiefer gelegte und deutlich strammer abgestimmte Fahrwerk, die Bremsen mit mehr Biss und die Elektronik der Stabilitätsprogramme mit mehr Toleranz und das Aerodynamikpaket. Die weit aufgerissene Front, die Finnen an den Radläufen und vor allem der protzige Spoiler auf dem Heckdeckel erinnern zwar an die PS-Pubertät und Mannis Manta. Aber sie haben Sinn und Zweck: Vorn fächeln sie mehr Kühlluft an Motor und Bremsen und hinten sorgen sie für besseren Abtrieb.

Deshalb klebt das Cabrio förmlich auf dem Asphalt und lässt sich für seine knapp zwei Tonnen überraschend leichtfüßig durch die Kurven treiben - sogar wenn man das Messer zwischen den Zähnen hat, als wolle man die Unter-Acht-Minuten-Runde selbst noch einmal absolvieren. Das ist eindrucksvoll. Aber nicht minder viel Eindruck schindet das Cabrio bei gemächlicher Gangart: Eben noch Fighter, wird der XK nämlich im Nu wieder zum Gleiter, in dem man ganz entspannt von der Rennstrecke nach Hause rollen kann und die schweißnassen Haare in einer lauen Brise trocknen kann.

All das können Jaguar-Kunden schon seit einem Jahr im Coupé erleben. Warum also noch einmal 8200 Euro mehr für das Cabrio bezahlen und bis zum März warten? Wer stürmisch haben will, kann da ja auch einfach die Fenster aufmachen. Weil es nicht nur der Wind ist, der das Erlebnis im Cabrio des XKR-S so viel intensiver macht. Auch den Sound hört man besser. Das ist gut. Denn bei kaum einem Auto gibt es so viel auf die Ohren, wie hier: Der Motor ist ein gewaltiges Orchester für alle Tonlagen, das sich willig vom Gasfuß dirigieren lässt. Im Leerlauf hört man nur ein leise lockendes Grollen, in das die Elektronik wie beim Schalten bisweilen neckische Fehlzündungen einstreut, die wie Schüsse durch die Tiefgarage peitschen.

Im Stadtverkehr grummelt der V8 gerade so laut, dass sich jeder neugierig umdreht. Und auf der Küstenstraße mit moderater Drehzahl wird das Grummeln zum Groove, der einen flüssig durch die Kurven trägt. Doch wehe, man tritt ein wenig fester zu: Dann öffnen sich zwei Klappen im Auspuff, die heiße Luft nimmt den direkten Weg und der Jaguar brüllt, als gäbe es kein Morgen mehr. Dieses Klanggewitter nur durchs geschlossene Blechdach zu genießen, ist gegenüber dem Cabrio in etwa so fad, wie ein AC/DC-Konzert vor der Hallentüre.

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spargel_tarzan 29.04.2012
1. toll aber die farbe ist unterirdisch, hier geht nur..
Zitat von sysopJaguarPorsche lanciert das 911 Cabrio, Mercedes bringt den SL, und bei BMW geht der offene M6 in die nächste Runde. Da will Jaguar nicht hinten anstehen und strippt den XKR-S: 550 PS machen ihn zum stärksten Cabrio der Firmengeschichte - und zu einer höllischen Windmaschine. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,814986,00.html
british racing green oder jede andere farbe, nur dunkles flaschengrün muß sie sein.
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