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Autogramm Mercedes C 450 AMG: Der Halbstarke

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Autogramm Mercedes C 450 AMG: Gib Halbvollgas! Fotos
Daimler

Das Kürzel AMG versprach bisher extrem aufgemotzte Mercedes-Modelle zu hohen Preisen. Mit dem C 450 präsentieren die Tuner aus Affalterbach und Daimler erstmals eine neue Produktlinie: günstiger, aber dafür zurückhaltender. AMG light also? Von wegen.

Der erste Eindruck: Bitte recht freundlich! Der neue C 450 AMG steht zwar breit und bullig da, aber weil sich mittlerweile jede gewöhnliche C-Klasse mit einem Styling-Paket von AMG aufbrezeln lässt, wirkt das neue Sportmodell gar nicht so ungewöhnlich.

Das sagt der Hersteller: Der C 450 AMG ist der erste Vertreter aus der neuen Reihe sogenannter AMG-Sportmodelle. Es handelt sich um so etwas wie Zwittertypen zwischen den normalen Serienautos und den brachialen AMG-Varianten. Die Vorgabe für diese Autos lautet: Nicht so aufwendig, teuer und eigenständig wie die echten AMG-Modelle - aber doch mindestens zehn Prozent mehr Leistung als das stärkste Exemplar aus der Großserie. Dazu ein serienmäßiger Allradantrieb, ein strammeres Fahrwerk und ein geschärftes Design.

"Damit sprechen wir einen noch größeren Kundenkreis an", glaubt AMG-Chef Tobias Moers. Nachdem die Tuner von Mercedes ihre Verkaufszahlen im vergangenen Jahr auf 47.500 Autos hochschraubten, liegt die Messlatte für die nächsten Jahre bei mehr als 70.000 Fahrzeugen pro Jahr. Die Strategie der Zwei-Klassen-Gesellschaft im Werkstuning ist nicht neu. Bei Audi gibt es schon lange S- und RS-Modelle, und BMW hat mit dem M550d vor drei Jahren sogenannte M-Performance-Modelle ins Programm genommen.

Das ist uns aufgefallen: Wer jetzt voreilig mit dem Etikett AMG light hantiert, liegt falsch. Der Dreiliter-Sechszylinder entwickelt zwar lediglich 34 PS und 40 Nm Drehmoment mehr als der Motor im C 400 (und kommt damit auf 367 PS), aber im Verbund mit einem neuen Setup von Schaltung, Fahrwerk und Lenkung ergibt das ein völlig neues Fahrgefühl.

Wirkte der Baby-Benz früher bisweilen ein bisschen behäbig, gibt er sich dank des Dopings aus Affalterbach quietschfidel. Anders als bei anderen AMG-Modellen jedoch ist das Aggressionspotenzial des C 450 AMG gering. Das Auto ist straff, sportlich und schnell - aber zugleich ziemlich unscheinbar. Je länger man mit dem Wagen unterwegs ist, desto unauffälliger fühlt er sich an - bis man bei viereinhalbtausend Touren kurz den Fuß vom Gas nimmt und das Gurgeln in der Abgasanlage den Sound der Burmester-Anlage überlagert, gefolgt vom Knallen einiger künstlicher Fehlzündungen. Klar, hier wird noch Benzin verbrannt, und zwar nicht zu knapp.

Das frische Modell C 450 AMG könnte allerdings zu einem Problem werden für die kommende, "echte" AMG-C-Klasse namens C 63S mit vier Liter V8-Turbomotor und 510 PS. Dieses Auto sieht bulliger und böser aus, macht mehr Krawall, lässt beim Kickdown Gummi auf der Straße und ist noch schneller. Doch das Ding ist jetzt ziemlich überflüssig. Denn der C 450 AMG macht auf jedem Meter deutlich, dass 367 PS vollauf genügen, um den vielzitierten Fahrspaß zu erleben.

Das muss man wissen: Der C 450 AMG kommt ab Juli zu den Händlern, bestellt werden kann das Auto ab April. Einen exakten Preis gibt es daher noch nicht, sondern lediglich die Aussage, dass er "unter 60.000 Euro" kosten werde. Das waschechte AMG-Modell der C-Klasse ist in jedem Fall teurer. Der Wagen kostet 76.101 Euro (mit 476 PS) oder 84.371 Euro (mit 510 PS); die Kombi-Varianten sind um jeweils 1700 Euro teurer.

Das werden wir nicht vergessen: Fahrgefühl und Motorsound sind beeindruckend. Doch beim Blick unter die Haube des C 450 AMG macht sich eine gewisse Enttäuschung breit. Während die AMG-Leute normalerweise nach dem Prinzip "One Man, One Engine" vorgehen und jedes Triebwerk von einem Mechaniker gebaut wird, der sich sogar mit seiner Namensplakette auf dem Motorblock verewigt, kommt der Motor des C 450 AMG von der Stange. Und optisch muss ein rot eingefärbtes V auf der Plastikabdeckung reichen.

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Fehlzündungen
peter_freiburg 09.03.2015
"gefolgt vom Knallen einiger künstlicher Fehlzündungen" wie lächerlich ist das denn bitte?
2.
rathat 09.03.2015
Gut, dass der Auto diesmal nichts über den realistischen Verbrauch schreibt. 15-20 Liter/100km werden es wohl im täglichen Leben sein - Super Plus natürlich. Aber wird der Sprit nicht immer günstiger?!
3. Gibt es so etwas...
j.w.pepper 09.03.2015
...auch ohne diese bewusste Lärmbelästigung? Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass ein paar größere und schnellere Autos mehr Benzin verbrennen, als der grüne Mainstream erlaubt, aber künstlich Lärm machen? Nein danke. Das finde ich einfach nur pubertär.
4. Was soll das Zahlenchaos?
sichernicht 09.03.2015
Seit Einführung des W205 (und wenn ich mich richtig erinnere, bereits seit der Modellpflege für den W212) scheinen sich die Modellbezeichnungen auf irgendwelche ominösen Werte zu beziehen – der Hubraum ist es jedenfalls nicht mehr. Beispiel gefällig? Bei den Dieseln verfügen der C 220, C 250 und der C 300 über einen Hubraum von 2.143ccm. Nach der Logik der letzten 50 Jahre Modellhistorie müssten die beiden größeren Modelle 2,5 Liter bzw. 3 Liter Hubraum aufweisen. Nun der C 450 AMG mit einem Dreiliter-V6? Der C 63 AMG mit einem Vierliter-V8? Ah ja... Was soll das? Mehr Schein als Sein? Selbst wenn man der Meinung ist, Hubraum sei nicht alles und Downsizing angebracht: warum darf man das dann nicht in der Modellbezeichnung lesen? Schräg...
5. Dr.No
peterkamm-mueller 09.03.2015
rathat, bei dem Neuwagenpreis ist der Spritpreis egal, solange der unter 10 EUR pro Liter liegt...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: C 450 AMG
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.996 ccm
Leistung: 367 PS (270 kW)
Drehmoment: 520 Nm
Von 0 auf 100: 4,9 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,6 Liter
CO2-Ausstoß: 178 g/km
Kofferraum: 435 Liter
Gewicht: 1.615 kg
Maße: 4702 / 2020 / 1440
Preis: 59.000 EUR


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