Fahrbericht Opel Ampera: Blitzstart ins Elektrozeitalter

Aus Den Haag berichtet Jürgen Pander

Opel, die Marke mit dem Blitz-Logo, bringt das erste alltagstaugliche Elektroauto in Europa an den Start. Ampera heißt der Viersitzer, und die Technik des Wagens ist so konzipiert, dass es keine Reichweiteneinschränkung mehr gibt. Das könnte der Durchbruch der E-Mobilität sein.

Für Opel geht es ums Ganze. Die Marke baut schon seit einiger Zeit wieder ordentliche Autos und die Verkaufszahlen ziehen entsprechend an. Doch dieses Modell ist mehr als nur ein weiterer neuer Pkw: Der Opel Ampera könnte - wenn alles gut geht - den Rüsselsheimer Hersteller auf einen Schlag an die Spitze der automobilen Elektro-Bewegung katapultieren. "Das Auto ist eine Markenkampagne auf Rädern, weil es Visionen in Realität verwandelt", sagt Alain Visser, Opels Marketing-Vorstand.

Die Realität gewordene Opel-Vision ist die Mittelklasse-Limousine Ampera, 4,50 Meter lang, gut 1,7 Tonnen schwer, mit vier Sitzplätze und fünf Türen ausgestattet; das Auto stand jetzt in Den Haag zu Testfahrten bereit. Unter anderem war eine 73 Kilometer lange Strecke zurückzulegen, rein elektrisch, mit randvoll geladener Lithium-Ionen-Batterie. Der wassergekühlte Stromspeicher besteht aus 288 Zellen, arbeitet mit einer Spannung von 360 Volt, hat eine Kapazität von 16 kWh, wiegt 198 Kilogramm und ist eine Eigenentwicklung von Opel. Die Energie, die er speichern kann, soll für 40 bis 80 Kilometer Fahrt reichen, je nach Gelände, Tempo und Außentemperatur. Nach der 73-Kilometer-Tour über topfebene Straßen meldet der Bordcomputer eine elektrische Restreichweite von 5 Kilometern. Opel verspricht offenbar nicht zuviel.

Die neuen Antriebstechnik funktioniert, als habe Opel nie andere Autos gebaut: nahezu geräuschlos, vibrationsfrei und ohne andere Auffälligkeiten. Das System dahinter ist komplex. Der Antrieb besteht aus insgesamt drei Motoren: Einer großen E-Maschine mit 150 PS, einem Generator mit 73 PS und einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 86 PS. Dieses Trio kann den Ampera in vier unterschiedlichen Betriebsarten antreiben.

Vier Betriebsarten der insgesamt drei Motoren

Bei zweien kommt die Energie ausschließlich aus der Batterie. Im Normalfall bewegt der große Elektromotor die Vorderräder des Autos alleine, bei starker Beschleunigung wird der Generator über ein Planetengetriebe dazugekoppelt, und beide E-Maschinen sorgen für Vortrieb. In den beiden anderen Betriebszuständen läuft auch der Benzinmotor. Einmal ausschließlich, um über den Generator die Batterie in einem "gewissen Ladefenster zu halten", wie Ampera-Chefingenieur Lutz Kleinstück sagt. Der Verbrenner produziert also Strom. In einem weiteren Betriebszustand wird abermals die Kupplung zwischen Generator und Planetengetriebe geschlossen - so dass wieder beide E-Motoren den Antrieb besorgen, und gleichzeitig auch der Benziner läuft.

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Opel Ampera: Starker Stromer am Start
Die Diskussion, ob der Ampera nun ein reines Elektroauto ist oder nicht, wirkt sehr akademisch, wenn man im Auto sitzt und fährt. "Ohne den großen Elektromotor bewegt sich das Auto keinen Meter", sagt Ingenieur Kleinstück. Und nach 73 Kilometer rein elektrischer Fahrt sowie anschließend vielen weiteren Kilometern, bei denen der Benziner Strom produziert und das Auto immer noch fast lautlos und durchaus flott und agil dahinschnurrt, ist diese Frage auch gar nicht mehr wichtig.

Es gilt wie immer: Entscheidend ist, woher der Strom kommt

Viel mehr von Interesse ist, woher der Strom kommt, mit dem die Ampera-Akkus aufgeladen werden. Denn klimaschonend ist das Auto nur dann unterwegs, wenn die elektrische Energie aus regenerativen Quellen stammt. Das gilt natürlich für sämtliche Elektroautos.

Als Fahrer des Ampera muss man sich vor allem an zweierlei gewöhnen. Erstens an das merkwürdig indifferente Gefühl, das die elektrohydraulische Lenkung vermittelt. Gut 1,7 Tonnen Gewicht im Zusammenspiel mit einem komfortabel abgestimmten Fahrwerk sind eben nicht so einfach zu Handhaben. Zweitens kommt auch vom Bremspedal zu wenig Rückmeldung. Das wiederum liegt am sogenannten Brake Blending. Beim Tritt aufs Pedal aktiviert die Steuerelektronik nämlich zunächst die Bremsenergierückgewinnung und erst danach erfolgt die Zuschaltung der Scheibenbremsen. Das ist raffiniert und effizient, aber eben auch ungewohnt.

Einen ganz neuen Eindruck vermittelt auch das Design des Ampera. Von außen sieht der Wagen ebenso modern wie elegant aus, und durch die Säbelzahn-Scheinwerfer an der Frontpartie fällt der Wagen auch ziemlich auf. An der Seepromenade in Noordwijk war das Auto ruckzuck von Passanten umrundet, die offenkundig die Formgebung bewunderten.

Schalter, die eigentlich gar keine richtigen Schalter mehr sind

Innen aber ist der Ampera noch viel interessanter. Zwei große Bildschirme im Cockpit und auf der Armaturentafel lassen sich je nach Bedarf konfigurieren und bieten eine Fülle von Informationen - vor allem "kitzeln sie einen "grünen Sportsgeist beim Fahrer hervor", wie Opel-Ingenieur Kleinstück sagt. Es ist beispielsweise ein Ansporn, beim Fahrstil 100 Prozent Effizienz zu erreichen, und mit einem behutsamen Gasfuß ist das auch möglich. Richtig cool ist auch die völlig glatte Armaturentafel mit sogenannten kapazitativen Tasten; man berührt einfach die bezeichnete Stelle, schon wechselt der Anzeigemodus, das Gebläse wird stärker oder die Klimaanlage kühler.

Voll alltagstauglich nennt Opel den Ampera. Das stimmt in punkto Reichweite und Platzangebot durchaus. Doch muss man wissen, dass der Kofferraum bei Normalstellung der Rücksitze lediglich 310 Liter fasst und die Ladekante enorm hoch ist. Und auf den beiden Fondsitzen ist die Kopffreiheit etwas eingeschränkt. Das sind aber nun wirklich Kleinigkeiten bei einem Auto, das so überzeugend wie bislang noch kein anderes Richtung Zukunft fährt.

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insgesamt 522 Beiträge
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1. wie albern ist das denn?
ogs 07.07.2011
Zitat von sysopOpel, die Marke mit dem Blitz-Logo, bringt das erste alltagstaugliche Elektroauto in Europa an den Start. Ampera heißt der Viersitzer, und die Technik des Wagens ist so konzipiert, dass es keine Reichweiteneinschränkung mehr gibt.*Das könnte der*Durchbruch der E-Mobilität sein.
Das Ding läuft 40 bis 80 Kilometer weit aber es gibt keine Reichweiteneinschränkung mehr? Wird Deutschland geschrumpft?
2. Cogito ergo brumm
Bengt-Otis 07.07.2011
Zitat von ogsDas Ding läuft 40 bis 80 Kilometer weit aber es gibt keine Reichweiteneinschränkung mehr? Wird Deutschland geschrumpft?
Dieser Beitrag ist so blöde das es brummt.... Es ist doch deutlich zu lesen das auch ein Benzinmotor mit an Bord ist der einen Generator antreibt.
3. kT
Kapnix 07.07.2011
Zitat von ogsDas Ding läuft 40 bis 80 Kilometer weit aber es gibt keine Reichweiteneinschränkung mehr? Wird Deutschland geschrumpft?
Was ist dann an der Aussage albern das in Deutschland ein ausreichendes Tankstellennetz vorhanden ist.
4. Glückwunsch Opel
mauimeyer 07.07.2011
Zitat von sysopOpel, die Marke mit dem Blitz-Logo, bringt das erste alltagstaugliche Elektroauto in Europa an den Start. Ampera heißt der Viersitzer, und die Technik des Wagens ist so konzipiert, dass es keine Reichweiteneinschränkung mehr gibt.*Das könnte der*Durchbruch der E-Mobilität sein. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,772889,00.html
Ich gönne OPEL die Publicity! Die Marke hat es verdient! Bei "nackt" 42000 € bin ich alledrdings etwas skeptisch. Natürlich wird jeder Opel-Händler erst mal einen haben wollen und wohl auch an gute Freunde loswerden. Aber in dieser Preisklasse werden überwiegend Geschäftswagen gekauft bzw. geleast. Die Leasingrate ist stark von den erwarteten Restwerten abhängig. Das Risiko des frühzeitigen Batterie-Tausches wird sicher eingerechnet werden müssen. Dann ist man vor dem Hintergrund der erwarteten techn. "Überalterung" - ahnlich wie bei Handys - schnell bei 800 € pro Monat. Da wird so mancher Controller zucken! Trotzdem: Ich wünsche der gebeutelten Marke und Ihren Händlern Erfolg! Zumindest werden die OPEL-Schauräume wieder besucht und dann nimmt man (frau) vielleicht einen Astra mit! Kauri
5. Hauptsache, sie tauchen in grosser Zahl auf der Strasse auf
zoon.politicon 07.07.2011
Zitat von sysopOpel, die Marke mit dem Blitz-Logo, bringt das erste alltagstaugliche Elektroauto in Europa an den Start. Ampera heißt der Viersitzer, und die Technik des Wagens ist so konzipiert, dass es keine Reichweiteneinschränkung mehr gibt.*Das könnte der*Durchbruch der E-Mobilität sein. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,772889,00.html
Wichtig scheint mir vor allem, 1.dass die Dinger überhaupt zu kaufen und nicht nur, wie Vorgänger (Elektro-Golf u.a.) nur zu leasen sind und bei abgeflachtem Elektro-Interesse nicht gleich wieder vom Hersteller eingezogen (und versteckt/verschrottet) werden. 2.dass die Dinger in grosser Stückzahl laufen und dadurch ein Umdenken bewirkt wird, beim Verkehrsteilnehmer von der Autoindustrie geschürte Schwellenängste abgebaut werden. Über Nachteile und "Kinderkrankheiten" wird die Automobil-, bzw. Benzinlobby mit Sicherheit massiv herfallen, die fürchtet, den Markt für ihre grossen schweren (schnellen) Auto-Dinos - der SUV-Verkauf hat zuletzt zugenommen! - zu verlieren.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Ampera
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Planetengetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.398 ccm
Leistung: 86 PS (63 kW)
Leistung (E-Motor): 150 PS (111 kW)
Drehmoment: 130 Nm
Drehmoment (E-Motor): 370 Nm
Von 0 auf 100: 9,0 s
Höchstgeschw.: 161 km/h
Verbrauch (ECE): 1,6 Liter
CO2-Ausstoß: 40 g/km
Kofferraum: 310 Liter
umgebaut: 1.005 Liter
Preis: 42.900 EUR

Schnellcheck

Opel Ampera

Einsteigen: ...weil dieses Elektroauto die Angst vor der leeren Batterie einfach auflöst.

Aussteigen: : ...wenn man keine Möglickeit hat, das Auto regelmäßig an die heimische Steckdose zu hängen.

Umsteigen: ...im Prinzip nicht möglich, denn E-Autos wie Mitsubishi i-MiEV sind viel kleiner und Modelle wie Toyota Prius Plug-In-Hybrid sind vor allem Benziner.


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