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21. Januar 2013, 09:19 Uhr

Fahrbericht Peugeot 4008

Koste er, was er wolle?

Von Jürgen Pander

Allradantrieb, Top-Ausstattung, saftiger Preis - für Autos der Marke Peugeot sind das nicht unbedingt typische Merkmale. Das neue, kompakte SUV-Modell mit Namen 4008 allerdings soll sich exakt durch diese drei Spezifikationen auszeichnen. Eine verwegene Idee.

Geschmeidig sieht das Auto aus, ein bisschen wie das französische Süßgebäck Madeleine. Und das passt, denn wie die Leckerei von trockenem Schwarzbrot soll sich der Peugeot 4008 von allen anderen Typen der Modellpalette deutlich abheben. Es gibt das Auto nämlich ausschließlich mit Vollausstattung und Allradantrieb - der Wagen ist sozusagen die Kalorienbombe unter den Kompakt-SUVs.

Damit ist er alles andere als typisch für die Marke Peugeot, wie sie hierzulande wahrgenommen wird: nämlich als eher grau und durchschnittlich und jedenfall nicht als üppig-bourgeois. Genau so aber soll der 4008 rüberkommen. Peugeot bezeichnet den Wagen als "weiteren Schritt im Rahmen der Politik zur angestrebten Höherpositionierung der Löwenmarke".

Der zweite Grund, warum das Auto hierzulande als so genanntes Top-of-the-Line-Modell angeboten wird, ist das konzeptionell ähnlich gestrickte Modell 3008. Von dem setzten die Franzosen mehr als 5300 Exemplare im vergangenen Jahr in Deutschland ab, ein Erfolg, der nicht gefährdet werden soll. Schon gar nicht durch ein zugekauftes Modell, denn der PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) bezieht die Typen Peugeot 4008 und Citroën C4 Aircross von Mitsubishi aus Japan; es handelt sich um weitgehend baugleiche Ableitungen des Mitsubishi ASX.

Ein ziemlich durchsichtiges PR-Tarnkleid

Befasst man sich näher mit dem 4008, merkt man rasch, dass ein Marketing-Tarnkleid aus einem Durchschnittsauto natürlich keinen Edel-SUV macht. Auf dem Papier funktioniert die Argumentation der "Höherpositionierung" noch, denn serienmäßig gehören Tempomat, getönte hintere Seitenscheiben, Klimaautomatik, LED-Tagfahrlicht, Start-Stopp-Stystem, Einparkhilfe und 18-Zoll-Leichtmetallfelgen zur Ausstattung.

Doch wenn man drinnen sitzt, das Auto bedient und fährt, merkt man rasch, dass der Wagen ein gewöhnlicher Kompakt-SUV nach dem Motto "wir haben jetzt auch so einen" ist. Es beginnt mit einem eher beengten Sitzgefühl auf den vorderen Plätzen, setzt sich fort mit einer fummelig zu bedienenden Navigations- und Musikanlage (Aufpreis inklusive Rückfahrkamera: 1950 Euro), ziemlich klein geratenen Fondtürausschnitten und mündet in ein ruppiges Fahrgefühl. Wenn der Straßenbelag rauher wird, ist es vorbei mit dem Abrollkomfort. Was gerade französische Autos mal par excellence beherrschten, das gediegene Dahinrollen, geht beim "Mitsugot" verloren.

Japanisch-französischer SUV-Mix

Die beiden Dieselmotoren, mit denen Peugeot den 4008 anbietet, leisten 115 oder 150 PS. Das stärkere Aggregat stammt von Mitsubishi, das etwas schwächere von PSA (Peugeot-Citroën). Wir fuhren mit der französischen Variante, gepaart mit einem angenehm zu schaltenden Sechsgang-Getriebe. Der Motor passt zu diesem Auto, er läuft ruhig und vibrationsarm und ist völlig ausreichend in Volumen und Leistung, wenn man den Wagen artgerecht bewegt.

Was jedoch ziemlich verwegen anmutet, ist der von Peugeot angegebene Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter je 100 Kilometer. Unser Testauto schluckte im Schnitt 7,5 Liter, und das, obwohl wir angesichts des milden Wetters fast immer im Frontantriebsmodus unterwegs waren. Die Differenz zeigt einmal mehr, wie schönfärberisch der aktuelle EU-Verbrauchszyklus die Realität verschleiert.

Hierzulande dürfte sich kaum ein Kunde für die Offroadqualitäten des 4008 interessieren, trotzdem weist Peugeot darauf hin. Eben weil höchstens 30 Prozent der Produktion in Westeuropa verkauft werden sollen. Und damit der weitaus größte Teil der Autos in Gegenden zum Einsatz kommen wird, wo die Käufer durchaus Wert legen auf die Fähigkeiten abseits der Straße. Und so lässt sich per Drehschalter auf der Mittelkonsole zwischen Front- und elektronisch gesteuertem Allradantrieb wählen; zudem gibt es als dritte Option den Modus "Lock", bei dem der Allradantrieb permanent aktiv ist, außerdem eine Berganfahr- und Bergabfahrhilfe, Schutzbleche am Unterboden und eine Bodenfreiheit von knapp 17 Zentimeter.

Was stört, ist der absurde Premium-Anspruch

Das Platzangebot im Fond und im Kofferraum ist ordentlich. Das liegt vor allem daran, dass der Wagen um 30 Zentimeter kürzer geriet als der ähnlich konzipierte Peugeot 4007, der Radstand jedoch - und dieses Maß ist das entscheidende für das Innenraumvolumen - nach wie vor 2,67 Meter beträgt. Allerdings ist die Ladekante mit 71 Zentimeter ziemlich hoch.

Fehlt noch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, ob der Wagen eine Schnapsidee ist. An sich ist er das nicht, denn angenommen, man wäre Automobilmanager, würde man selbstverständlich auch alles daran setzen, ein SUV-Modell in dieser Größe im Angebot zu haben. Dass Peugeot den 4008 in Deutschland nur in der Vollfett-Stufe anbietet, ist hingegen paradox. Denn ohne Premium-Allüren wäre der 4008 eine nette Alternative.

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