Autogramm Porsche Panamera S E-Hybrid Sag zum Abgas leise Servus

Porsche stellt seine Fangemeinde auf eine harte Probe. Erstmals präsentieren die Zuffenhausener mit dem Panamera S E-Hybrid ein Auto mit Plug-in-Hybridtechnik. Der Wagen hat zwar reichlich PS - aber gegen Vollgasfahrten sträubt er sich.

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Porsche

Der erste Eindruck: Kein Motorgeräusch, nirgends. Draußen zwitschern die Vögel, drinnen surrt nur die Elektronik im Cockpit. Der neue Porsche Panamera brüllt beim Anlassen nicht auf. Stille umgibt das Auto, und das liegt daran, dass unter der Haube neben dem V6-Benziner auch eine E-Maschine steckt, deren Akku an der Steckdose geladen werden kann. Mit dieser sogenannten Plug-in-Technik fährt die schwäbische Wuchtbrumme etliche Kilometer rein elektrisch - und eben nahezu geräuschlos.

Das sagt der Hersteller: Für Antriebsentwickler Christian Heiselbetz markiert das Auto einen Meilenstein in der Hybridentwicklung. Porsche ist der erste deutsche Hersteller, der die Plug-in-Technik in Serie bringt und so nennenswerte elektrische Etappen ermöglicht - bis zu 36 Kilometer ohne Sprit sind möglich. Beim normalen Panamera Hybrid reichte der Akkustrom für lediglich zwei Kilometer Fahrt.

Die größere emissionsfreie Reichweite soll Akzeptanz und Absatz der neuen Technologie deutlich erhöhen, sagen die Schwaben. Sie erwarten, dass künftig zehn Prozent der Panamera-Modelle mit Hybridantrieb ausgeliefert werden. Die meisten dieser Fahrzeuge werden voraussichtlich in Deutschland bleiben, der zweitgrößte Markt sind die USA.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen, anschalten, losfahren - dass man in einem Hybridauto sitzt, merkt man nur an der Ruhe, den giftgrünen Zeigern vor den neuen Instrumenten und den Grafiken auf den Info-Bildschirmen. Denn auf den ersten Metern hat die E-Maschine kaum weniger Elan als ein Verbrenner. Die E-Maschine leistet 95 PS und rein elektrisch erreicht der Panamera maximal Tempo 135.

Interessant am E-Betrieb ist nicht nur das lautlose Gleiten, sondern auch der Blick auf den Bordcomputer. Bei einer ersten Testrunde mit einem Drittel Stadtverkehr, einem Drittel bergiger Landstraße und einem Drittel Autobahn fällt die Reichweitenanzeige überraschend langsam. Und der Durchschnittsverbrauch wird mit 3,1 Liter angegeben - wobei das natürlich eine geschönte Zahl ist, denn wir sind mit vollem Akku gestartet und mit leerem angekommen.

Nach mehr als 50 Kilometern Mischbetrieb weist der Bordcomputer aber einen Mittelwert von 4,1 Liter aus - und das ist nicht schlecht für eine fünf Meter lange und zwei Tonnen schwere Luxuslimousine.

Das muss man wissen: Von außen ist das Plug-in-Hybridmodell, das ab Mitte August bei den Händlern stehen wird, an giftgrünen Bremssätteln und dem entsprechenden Schriftzug zu erkennen. Das Auto ist eine Weiterentwicklung des bisherigen Hybridmodells und hat eine stärkere E-Maschine, die in die Achtgang-Automatik integriert ist. Außerdem einen neuen Akku. Obwohl dieser fünfmal leistungsfähiger ist als der alte, ist der Plug-in-Hybrid mit 110.409 Euro nur rund 3000 Euro teurer als das normale Hybridmodell. Antriebsentwickler Heiselbetz spricht von einem "politischen Preis" - mit dem der neue Antrieb Kunden wohl schmackhaft gemacht werden soll.

Herzstück des Antriebs ist das Lithium-Ionen-Akkupaket unterm Kofferraumboden. Es hat eine Kapazität von 9,4 kWh und erhielt eine Flüssigkeitskühlung. Der 3-Liter-V6-Kompressor-Benziner leistet 333 PS und blieb unverändert. Das Zusammenspiel von V6- und E-Motoren organisiert die Bordelektronik: Im Standardprogramm optimiert sie den Verbrauch und nutzt jeweils die effizienteste Kombination der Kraftquellen. Wählt man den "e-Mode", fährt man so lange wie möglich elektrisch; und in der "Performance"-Stellung arbeitet der Elektromotor als Turbo und schiebt die Fuhre zusätzlich an. Meistens klappt die Arbeitsteilung dezent und unauffällig. Nur wenn im besonders sparsamen Betrieb plötzlich - etwa beim Überholen - mit einem Tritt aufs Gaspedal die volle Leistung abgerufen wird, nimmt sich die Technik eine Denksekunde.

Geladen werden die Akkus an einer speziellen Wallbox, die Porsche kostenlos mitliefert. Damit sind die Batterien bei einer 380-Volt-Stromversorgung nach etwa zweieinhalb Stunden frisch aufgefüllt. Wird das Ladekabel in eine normale Steckdose gestöpselt, dauert es etwa vier Stunden. Außerdem lässt sich die Batterie mit einem speziellen Programm auch während der Fahrt laden. Dann verschiebt die Elektronik den Lastpunkt des Verbrenners, die E-Maschine wird zum Generator und nach 20 Kilometern steht nahezu die volle elektrische Reichweite wieder zur Verfügung. Für die Energiebilanz ist das natürlich Blödsinn, doch man kann so am Fahrtziel effektheischend leise, also elektrisch, vorfahren.

Das werden wir nicht vergessen: Das komische Gefühl, wenn man mit einem beherzten Tritt aufs Gaspedal den Verbrenner aus der Pause holen will, obwohl der Akku noch gar nicht leer ist. Dann meldet sich nämlich nicht nur das schlechte Gewissen, sondern man spürt auch einen deutlichen Widerstand im Gaspedal. Den erzeugt die Elektronik passend zur Fahrsituation. Der Plug-in-Hybrid wird so zum ersten Porsche mit eingebauter Hemmschwelle für Bleifüße.



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spon-facebook-10000124960 24.06.2013
1. bei einem Preis von...
110.000 Euro (und das ist wahrscheinlich der Einstiegspreis) ist es einigermaßen vermessen zu behaupten dass die sogenannte Wallbox "kostenlos" mitgeliefert wird. Unsinnig viel Geld für ein nahezu nutzloses Vehikel... Typisch deutsch.
MartinB. 24.06.2013
2. Der erste?
"Porsche ist der erste deutsche Hersteller, der die Plug-In-Technik in Serie bringt..." Opel Ampera.
schredder66 24.06.2013
3. Unattraktiv !
Der Panamera ist und bleibt ein hässliches Auto - da hilft auch ein bisschen Hybrid nicht zur Attraktivitätssteigerung. Und ob eine teure und schwere Technik, mit der sich keine 50 Kilometer Elektroreichweite realisieren lassen, wirklich so sinnvoll ist, steht in den Sternen. Ober besser geschrieben: Sie beruhigt das "grüne Gewissen" des Herstellers und der Käufer.
romanfi 24.06.2013
4. Viel Geld für ein nahezu nutzloses Vehikel
Zitat von spon-facebook-10000124960110.000 Euro (und das ist wahrscheinlich der Einstiegspreis) ist es einigermaßen vermessen zu behaupten dass die sogenannte Wallbox "kostenlos" mitgeliefert wird. Unsinnig viel Geld für ein nahezu nutzloses Vehikel... Typisch deutsch.
Nutzlos im Vergleich zu? Und nein, ich fahre keinen Porsche oder ein anderes hochmotorisiertes oder für meine Anforderungen zu großes Auto. Da es vermutlich zu lange dauern würde Menschen so "umzuerziehen", dass sie solche Fahrzeuge nicht mehr aus für manche nicht nachvollziehbaren Gründen benötigen, bin ich schon mal froh, dass u.A. Autohersteller wie Porsche das Problem durch solche Ansätze zumindest etwas vermindern.
Rinax 24.06.2013
5.
Zum Porsche bzw. Sportwagen gehört das Motorengeräusch doch dazu. AUch wenn ich weis das ich jetzt ein ganz böser bin, selbst wenn ich die Kohle hätte, würde ich mir so was nicht kaufen. Wenn schon ein Supersportler, dann bitte wirklich einen Sportler und nicht so ein 2 Tonnen Monster nur um ein wenig Elektrogedöns mitbasteln zu können.
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