Von Roman Büttner
Warum kommen Motorräder eigentlich meist so aggressiv daher? Und dann hören sich die Maschinen manchmal auch noch so an. Das sind keine guten Voraussetzungen, um das oft schlechte Image der Biker aufzupolieren. Schrill kreischende Streetfighter oder laut bollernde Chopper gepaart mit einer martialischen Optik, das mögen zwar die Fahrer cool finden, Anwohner nervt das meist.
Auch deshalb sind Reihen-Vierzylinder in einem Motorrad nicht bei allen beliebt. In der Regel gieren die Motoren nach hoher Drehzahl und befördern ein hektisches Fahrverhalten. Wer auf mehr als 10.000 Touren in der Minute und entsprechend sportlichen Fahrstil steht, findet passende Modelle zur Genüge - nur ist ein Ausflug mit einem solchen Motorrad meist wenig entspannend. Die neue Suzuki GSR 750 mit ihrem aufgereihten Kolbenquartett hingegen kombiniert entspanntes Cruisen mit üppigen Leistungsreserven. Und das zu einem für Einsteiger akzeptablen Preis, denn der beginnt bei 8290 Euro.
Nähert man sich der Maschine, fällt vor allem das harmonische Design auf. Sitzbank, Tank und Motoreinheit inklusive Auspuffanlage wirken modern und nicht zu aggressiv. Trotzdem vermittelt das Naked Bike auch im Stand eine gewisse Sportlichkeit. Allerdings wirkt die insektenhaft heruntergezogene Einheit aus Cockpit-Abdeckung und Frontscheinwerfer mittlerweile recht beliebig. Das soll eine gewisse Angriffslustigkeit vermitteln, doch dieses Stilmittel haben nahezu alle Motorradbauer ausgereizt.
Die will einfach nur fahren
Dabei scheint genau diese Prise Boshaftigkeit für Motorradfahrer wichtig zu sein. Das hat eine Studie des österreichischen Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) ergeben. Demnach ist der martialische Auftritt für Biker charakteristisch. Noch immer geht es ihnen auch darum, Normen zu brechen, wenn auch in geordneten Bahnen. Mit ihrer Maschine werden die Fahrer zum "wahren Ritter". Die Lederkluft und der Helm sind ihr Panzer. Die Suzuki ist in Sachen Image ein Zwitter: Ihr Auftritt ist zunächst massenkompatibel dezent, sie kann aber auch giftig sein.
Auf den zweiten Blick erkennt man schnell den Grund für den recht geringen Preis, denn die einige der verwendeten Materialien machen keinen besonders hochwertigen Eindruck. Vor allem das Plastik der Cockpitabdeckungen und Schellen an etwa den Bremsleitungen sehen billig aus. Keine Frage, irgendwie muss der Preis gehalten werden. Doch andere Hersteller, wie etwa Honda bei der Transalp, schaffen es besser, dieses Manko zu kaschieren.
Gelungen ist die Geometrie des Motorrads. Vor allem Fahrer mit langen Beinen haben zwar zunächst Probleme, die optimale Knieposition zu finden. Man kauert sehr breitbeinig auf dem Bock und erwartet bereits nach wenigen Kilometern Ermüdungserscheinungen. Doch nichts dergleichen geschieht. Auch nach vier Stunden zwickt es nirgends, und man ist eher traurig, dass der Trip schon vorüber ist.
Schläge ins Kreuz
Und die GSR 750 kann auch sonst fast gänzlich überzeugen. Startet man die Maschine, schnurrt das Aggregat dezent vor sich hin. Und selbst bei 3000 Touren lässt sich das handliche Motorrad noch immer problemlos durch den Straßenverkehr navigieren, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu nerven. Allerdings könnte der Einschlagwinkel des Lenkers größer sein. So wird wegen der dicken oberen Rohre der Upside-Down-Gabel aus dem Wenden in engen Gasse ein wackliges Unterfangen.
Verlässt man die geschlossene Ortschaft, mutiert der Fahrer zum Ritter - wenn er denn will. Denn die 106 PS treiben die leer 210 Kilogramm wiegende Maschine rasch voran. Leistung hat die GSR 750 genug, und die lässt sich gut dosieren. Das Fahrwerk vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße, so dass auch höhere Kurvengeschwindigkeiten kein Problem sind. Allerdings sollte man nicht besonders viel Komfort erwarten, denn die Federung ist recht hart abgestimmt. Für den sportlich ambitionierten Fahrer mag das in Ordnung sein, doch längere Fahrten auf der Autobahn oder schlechten Landstraßen sind auf Dauer unbequem. Bodenwellen schlagen einem recht brutal ins Kreuz.
Auch für Anfänger
Auch wenn Suzuki gerne mit dem "Bad Guy Image" spielt, so böse ist die GSR 750 bei weitem nicht, sondern vielmehr eine gute Wahl für Wiedereinsteiger. Auch für Motorrad-Novizen ist sie geeignet, denn Suzuki bietet auch einen Drosselsatz auf 34 PS an. Nur schade, dass die Maschine nach Angaben des Hersteller erst ab Herbst mit ABS ausgerüstet werden kann.
Doch das scheint ein Tribut an die sportlich orientierten Fahrer zu sein, denn die verzichten nach Angaben der KfV-Studie eher auf dieses Sicherheitsmerkmal.
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